Scrsfcldcr Anzeiger.
NP. 55. Hersfeld, den 11. Juli. 185».
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 HÜx.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den NechtSpractikanien Ncinbard Dieß in Caffel zum Amts« Assessor bei dem Justizanne I. in Hersfeld,
den ObergerichlS'Reftrcndar Heinrich Julius Schmedes in Fulda zum Anus-Assessor bet dem Justizamie I. in Hanau,
den CriminalgenchlS-Sccreiar Engelhard Kellner in Esch« wege zum Aciuar bei dem JusUzanue in Melsungen und _
den Rechtep^aclicanlkn Justus Thomas in Fulda zum Se- cretar bei dem ßrtminahjeridne in Eschwege, letzteren provisorisch, zu bestellen; auch
den ÄmlS-Acluar Johann George K le in sch m id t vonCarls« Hasen in gleicher Eigenschaft zum Justizamt in Neira Und
den vorhinnigen OoergerichiS-Canzlisten Ferdinand Eichel« bau er zu Hanau in den Ruhestand zu versetzen,
den 2>en Pfarrer an der Marienkirche zu Hanau Friedrich Trint Hammer zu cmeritircn,
den bisherigen 3ten Pfarrer an derselben, Metropolitan Salami n us, zum 2ten Pfarrer, sowie
den außerordentlichen Pfarrer Carl Friedrich Fuchs aus Hanau zum Zien Pfarrer an der gedachten Kirche zu ernennen,
zur Bestellung des katholischen Pfarrers und Landvechanten Bernhard Mehler zu Neuhof zum Stadtpfarrer in Fritzlar und Landdechanten des Lanbeapitels Fritzlar die landesherrliche Genehmigung zu ertheilen,
den Dr. med. Hermann Ludwig Limbcrger aus Greben« stein zum PhysicuS und Amiswundarzt für das Amt Burghaun provisorisch zu bestellen und
den Regierungs«Assessor bei der Regierungscommission zu Schmalkalden Martin Schlott in den Ruhestand zu versetzen.
Der RänSersklav.
(Schluß.)
So waren abermals einige Tage verstrichen, als Zufolo mit seinen Genossen heimkehrte. Es war eine finstere Gewitternacht, und die Räuber waren vollkommen durchnäßt und noch mehr hungrig, als naß. Sa- verio hatte kaum Licht angesteckt und seinen Kapitän bewillkommt, als dieser mit wildem Tone ausrief:
„Was macht mein Maler? Hat er ein Bild fertig gebracht? PeiApsus, wenn uzzH,das Wück nicht unsern
kunstfertigen Sklaven zugefühxt hätte, so würden wir nicht lange mehr zu warten brauchen, um zu verhungern. Wir haben nichts, auch gar nichts erjagt! Wir kommen, wie wir gegangen sind, mit leeren Händen! Jeder, wer eine Flinte auftreiben kann, legt sich an die Heerstraße — wo sollen die Männer vom Geschäft bleiben, solcher Pfuscherei gegenüber? Warum antwortest Du nicht, Saverjo, wenn ich Dich frage, wie viele Bilder Riello vollendet hat? Er wird in vierzehn Tagen doch wenigstens zwei oder drei gemalt haben?"
„Ach Capitano, Riello ist feit sechs Tagen krank gewesen ... Er sitzt auf seinen; Lager lind spricht noch immer kein Wort, obgleich er wieder auf der Besserung ist.",
„Colpo dt tiiQno! Donnerschlag!" rief Zufolo. „Er hätte gefaullenzt? Ich schwöre Dir, daß ich ihn im Augenblick so gesund mache, wie ein Eichhörnchen."
Er nahm das Licht in die eine und einen schweren Knittel in die andere Hand und trat in Riello's Käm- merlein ein. Da saß der Jüngling, die Beine mit Schaffellen bedeckt, den Kopf mit dem dichten, schwarzen Haar auf die Brust gesenkt, unbeweglich und starrte den Räuber unheimlich an.
»Was fehlt Dir?" rief Zufolo. „Warum hast Du nicht gemalt? Bist Du verzweifeltes Geschöpf blödsinnig geworden, daß Du Dich nicht rührst und nicht antwortest? Da, Äi Das hin!"
Er führte einen gewaltigen Hieb nach der Schul? ter Riello's — aber der Knittel fiel schwer und dröhnend auf die Lagerstatt, ohne mehr Widerstand als Luft zu finden, während der Maler noch eben so unbeweglich dasaß, als vorhin. 1
„Ein Mirakel! Hier ist der Teufel im Spielt" schrie Zufolo entsetzt.
Saverio sah aber jetzt erst, daß unter den Schaffellen, welche der Prügel getroffen hatte, keine Beine verborgen, waren und ahnte die Wahrheit.
„Er ist fort! Er ist entflohen!"' rief er, „und dgs dort ist sein Bild, welches er auf meine theuere Leinwand gemalt hat."
Eine genaue Untersuchung bestätigte seinen Aus