Hersfelder Anzcigcr.
MV. 51. Hersfeld, den 27. Juni. 1857.
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©er Räuberfklav.
Die alten Bekannten. (Fortsetzung.)
„Na, Riello," sagte der Mann am Steuer. „Es stände Dir wohl an, wenn Du mich kameradschaftlich grüßtest, statt mich anzusehen, als wärst Du ein eben cingefangeiter. junger Wolf, der nur wegen der Eisenstäbe an seinem Käfig nicht zu beißen im -Stande ist. Hast Du die lustigen Zeiten ganz vergessen, als wir in den Abruzzen unsere Kreuz- und Querzüge machten? Meiner Treu, wenn ich ein Schaf briet, oder eine Ziege, so hast Du allemal den besten Bissen erhalten, und selbst der Capitano Zufolo langte nicht früher zu, bis Deine Signoria illustrissima erklärt hatte, ob Du lieber Kopf oder Niere, Rippe oder Lende essen wolltest."
Riello schwieg unverbrüchlich.
„Laß ihn doch, Saverio," sagte Zufolo. „Du siehst er ist nicht in mittheilsamer Laune. Er wird sich aber wahrscheinlich bald besinnen und ich mache eine Wette, daß er noch vor dem Einbrüche der Nacht so redselig wird, wie ein Fastenprediger, um uns zu beweisen, welche Sünder wir sind, daß wir ihn abermals mit uns mitgehen heißen."
„Ich will lieber sterben," sagte Riello, „als zum Reifen Male der Genosse von Banditen zu werden. Ich bin, seitdem ich Euch verlassen habe und geflohen bin, nie mit einem Worte nur an Euch zum Verräther geworden, obgleich Ihr dadurch, daß Ihr mich als Eu- ern Gefangenen, als (Stiern Sklaven mit Euch herum- schlepptet, sicherlich meine volle Rache verdient hättet."
„Sehr gut, mein wackerer Riello, und ich schwöre Dir, daß wir Dich dafür ausgezeichnet bedienen und fütiren werden; sagte Zufolo.
„Aber," fuhr Riello wüthend fort, „Ihr sollt Euch irren, wenn Ihr meint, daß Ihr mich noch einmal als ein stummes Lamm mit Euch umherschleppen könnt. Ich werde alle Erfindungsgabe, welche ich besitze, aufwenden, um meinen Freunden in Reapel Nachricht von mir zu geben und Jedem, welcher uns aufstößt,' werde
ich zuschreien, daß Du Zufolo, genannt Candelajo, der Bandit bist; daß Du, sammt Saverio und Perino und Deinen übrigen Genossen die Hände zehn Mal in Men- schenblut tauchtest und die schönste Stunde meines Lebens wird die sein, wenn ich Euch gleich Krammetsvögeln an der Leine des Henkers baumeln sehe!"
„Schimpfe Dich nur recht ans!" meinte der Räuberchef. „Deine Leber könnte sonst Schaden leiden. Uebrigeus wirst Du, wenn Du so widerspenstig bleibst, wie in diesem Augenblicke, mich zwingen, gegen Dich ein sehr probates Mittel anzuwenden, daß Du'Deine verrätherischen Phantasien los wirst. Ich werde Dich, bei dem ersten Rencontre, welches wir mit unsern unfreiwilligen Geschäftsfreunden haben werden, zwingen Deinen Lerchenspieß einem derselben in die Kehle zu stoßen und werde Dir nur die Wahl lassen, ein Wolf zu werden, oder als ein großes Schaf zu sterben. Hast Du im Geschäft gearbeitet, so magst Du nachher sagen was Du in Rücksicht auf Deine eigene Person für gut findest. Basta, figliuolino! Aufgepaßt, Perino; nimm Deine Büchse zur Hand Saverio! Ich glaube unsere Herren und Damen aus Gaeta erscheinen."
Die Räuber fuhren den Fluß wieder hinauf und legten an ihrem Versteckplatze an, von welchem aus ein Theil der Straße auf dem rechten Üfer des Flusses sich übersehen ließ. Es wahrte nicht lange, so kam eine Gesellschaft von drei Herren und eben so vielen Damen, sämmtlich vortrefflich beritten, aus der Straße heran. Etwa zweihundert Schritte hinter ihnen aber trabten sechs wohlbewaffnete Diener der Sacra arcifraternitä, der Erzbrüderschaft des heiligen Barnabas zum Schutze der Reisenden. Zufolo stieß einen unterdrückten Fluch aus und machte eine , Grimasse, wie etwa ein Fuchs, dem sich die Gänse in Begleitung des getreuen Phylar präsentiren.
„Rasch!" sagte der Capitän, indeß er aus dem Boote sprang. „Perino, wirf die Ruder weg und fasse den Riello beim Kragen, und Du, Saverio, setze ihm den Dolch zwischen die Schultern, für den Fall, daß er etwa den Einfall hätte, um Hilfe zu schreiem"