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DcrLfeldcr Anzeiger.

MP. 4U. Hersfeld, hen 13. Juni. 18Zr.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben Lei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Bre rKaufmattnsglvcke.

(Aus der Chronik der Stadt Argentan.)

(Schluß.)

Der Scheiterhaufen stand bereit. Die junge Gat­tin wollte das Auto-ba-Fo nicht mit ansehen, aber die Gräfin ÄÄ von Spanien bat sie, wenigstens so lange in dem Schlosse zu bleiben, um das junge Mädchen vorüber kommen zu sehen.

Als die Verurthellte, d-e von einem Beichtiger be­gleitet wurde, unter den Fenstern vorüber tam, trat Gaulthier ein wenig vor. Plötzlich erbleichte er, und zurückweichend, flüsterte er seiner Frau zu:Mein Gott, ist das junge Mädchen aus dem Walde von Goü- ferne!" ,

sogleich sank Johanna der Gräfin Marie zu Füßen mnd rief:Gnade! Gnade für die Unglückliche!"

Die Gräfin sah zwar nicht ein, welches Interesse die Frau Ganlthier's an der Verurtheilten nehmen konnte; aber sie hatte ein gutes Herz und war Johanna und ihrem Gatten sehr zugethan. Das Recht der Be­gnadigung gehörte nur dem Könige, aber sie konnte die Hinrichtung aufschieben, und dies that sie auch auf die wiederholten Bitten ihrer Lieblinge.

Noch an demselben Abend erhielt Gaulthier die Erlaubniß, sich mit seiner jungen Gattin in den Kerker der Zauberin begeben zu dürfen. Auf die ersten Worte, die er in castilianischer Sprache an sie richtete, erhob sie den Kopf und antwortete:Wenn Ihr es seid, der mich vom Tode errettete oder meine Hinrichtung ver­zögerte, so Jage ich Euch dafür keinen Dank 1 Ich war M dem Opfer bereit. Ich stamme von einem Geschlechte ab, das auf Erden von den Männern des Occidents verstucht ist; doch Gott ist groß und Mobammed ist Win Prophet!"

Erkennet Ihr mich?" fragte Gaulthier.

Sie heftete ihre Blicke aus ihn und gab ihm dann Nf$ ein Zeichen zu Verfielen, daß sie sich feiner nicht erinnere,

Besinnt Ihr Euch auf die Nacht von Quasimotzo im Walde von Gouferne?"

Eine finstere Nacht," entgegnete sie.Zwei Kaps- leute wurden ermordet und ausgeplündert, der dritte gerettet."

Der dritte bin ich!"

Ihr? Und weshalb habt Ihr dann nicht mit ei­genen Händen den Scheiterhaufen angezündet, der mich verzehren sollte?"

Glauben, Menschlichkeit, Verzeihung, Barmherzig­keit werden durch unser Evangelium geboten; stehen diese erhabenen Tugenden denn nicht auch in Eurem Koran?"

Gaulthier ergriff jetzt die Hand des jungen Mäd­chens, und sagte ihr, daß er von Religion mit ihr spräche. Die Gefangene vergoß reichliche Thränen, in dem sie Gaulthier ihr Nomadenleben erzählte. Als Beide sie verließen, begann das Licht des Christenthums in ihre Seele zu dringen.

Sobald Gaulthier und Johanna nach Paris zu- rückkehrten, erbaten und erlangten sie die Begnadigung der jungen Maurin. Einige Jahre später sah man in dem Hospitale der Aussätzigen zu Alen^on eine barm­herzige Schwester, die unter dem Namen Sainte-Maure bekannt war und allein die Gabe besaß, die Leiden der Unglücklichen zu mildern, die von dieser fürchterlichen Krankheit befallen waren.

Die in Alen^on am 5. Mai 1378 getaufte Glocke wurde nach Argentan gebracht und bekam den Namen der Kaufmannsglocke. Indem Gaulthier das Ge­schenk machte, oder vielmehr rndem er sein Gelübde er­füllte, stellte er die Bedingung, daß die Glocke in einem der Thürme der Kirche Saint-Germain aufgehangen werden sollte; eben so bestimmte er, daß sie jedes Wal am Vorabend der Messe von Argentan mit einbrechen- der Dunkelheit mehrere Stunden hintereinander .geläutet werden sollte, um den armen, verirrten Reisenden die Richtung nach Argentan anzudeuten. Lange Zeit später, im Jahre 1731, wurde sie umgegyssen und um 1500