persfelder Anzeiger.
NP. 45. Hersfeld/ den 6. Juni. 185V.
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Ausschreiben des Ministeriums des Innern, von: 12. Mai 1857,
die Erfordernisse zum unzünstigen Betriebe des Zimmer- und Maurerhandwerks betreffend.
Seine 'Königliche Hoheit der Kurfürst haben aller- gnädigst anzuordnen geruht, daß zu dem selbständigen Betriebe des Zimmer- und Maurer Handwerks auch da, wo dieser ungünstig gestattet ist, nur solche Handwerker zugelassen werden sollen, welche durch eine von dem betreffenden Landbaumeister vorzunehmende Prüfung ihre Befähigung zum selbständigen Betriebe der gedachten Handwerke werden nachgewiesen haben; diese Anordnung jedoch auf die dermalen bereits selbständig arbeitenden unzünstigen Zimmerlente und Maurer keine Anwendung zu finden hat. Alle, die es angeht, haben sich hiernach zu achten.
Kassel, am 12. Mai 1857.
Kurfürstliches Ministerium des Innern.
Schesser.
vt. BkckmanN.
Die «Kaufmannsglocke.
(Aus der Chronik der Stadt Argentan.)
Am Sonntage Quafimodo des Jahres 1377 ritt Meister Jacques Gaulthier, Sohn des Prevots der Kaufmannschaft der guten Stadt Paris, heiter auf einer kräftigen normannischen Stute setnes Weges. Ihrer Kraft ungeachtet, schien die Stute sehr ermüdet zu sein, und Gaulthier hielt von Zeit zu Zeit an, um sie verschnaufen zu laffen. Er hatte weder einen sehr weiten Weg zurückgelegt, noch war die Hitze sehr drückend gewesen; aber hinter dem Sattel lag ein Mantelsack mit vielen: gemünzten Gelde^ denn Meister Jacques wollte zur Messe nach Argentan und dort bedeutende Einkäufe machen.
Gaulthier war der Grenze von Perche nahe, als es zu dunkeln begann. Er hatte bis Argentan noch
vier Stunden. Er wagte nicht, sein Pferd stärker an- zutreiben, und fürchtete, auf dem ganzen Wege kein einziges Wirthshaus zu finden, in dem er ruhen könne. Diese Verzögerung war ihm um so unangenehmer, da er wußte, daß andere Kaufleute schon voraus waren, die ihm leicht die besten Sachen vorweg kaufen konnten, obgleich die Messe erst am nächsten Tage eröffnet wurde.
Mit solchen Gedanken beschäftigt, bemerkte Ganlthier einen Bauer, den er fragte, ob links durch den Wald von Gouferne ein Weg nach Argentan führe.
„Freilich," sagte der Bauer, „er ist viel näher und nicht zu fehlen, aber schlecht."
Gaulthier setzte seine Stute in Galopp, dem Walde zu. Die Sonne ging eben unter, doch die Abenddämmerung verbreitete noch ein sanftes Licht. Als er jedoch tiefer in den Wald hineinkam, wurde es bald sehr dunkel, und Gaulthier sehnte sich, das Ziel seiner Reise noch vor dem gänzlichen Einbrüche der Nacht zu erreichen. Er fühlte sich allmählig von Furcht beschließen, als plötzlich sein Pferd stutzte und dann einen Schritt zurückwuh. Er bemerkte in geringer Entfernung vor sich einen menschlichen Schatten, aber den Schatten eines Weibes, das halb nackt und mit fliegenden Haaren vor ihm zu fliehen schien. Er bekreuzigte sich und faßte wieder Muth, indem er sich zu überreden suchte, es sei eine Vision. Dann setzte er sein Pferd wieder in Galopp, doch der Schatten blieb immer in gleicher Entfernung vor ihm. Hielt er an, so stand auch der Schatten still.
So folgte er den: durch den Wald führenden Pfade wenigstens eine Stunde lang, und er meinte, daß er schon seit einer halben Stunde hätte im Freien sein können. Er fing daher an zu glauben, daß ein böser Geist ihn necke, da sah er die weiße Frauengestalt in einem dichten Gebüsch verschwinden. Ein Gemisch von Furcht und Neugier ergriff ihn. Er horchte, und es kam ihm vor, als höre er einige Worte in spanischer Sprache wechseln. Die Mundart war ihm bekannt, und deutlich verstand er jetzt die Worte: „Der dritte pari-