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Dcrsfelder Anzeiger.

Nr». 3N. Hersfeld, den 16. Mai. 18W>

DerHersfelder An zeig er" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem zweiten Pfarrer an der reformirten Stadt- und Unl- »ersitätSkirche zu Marburg, Lic. theol. Ludwig Julius Schmitt die erledigte erste Pfarrstcue an derselben zu übertragen,

dem bisherigen zweiten Repetenten an der Stipendiatenan­stalt zu Marburg, CanRdaten ter Theologie Wilhelm Wolfs zum erste» Repetenten und

den Candidaten der Theologie Dr. phil. Otto Hartwig aus Hundelshausen zum zweiten Repetenten an der gedachten Anstalt zu ernennen,

ferner

den Gymnasiallehrer Dr. Otto W eb er zu Marburg an das Gymnasium in Kassel zu versetzen,

den HülfSlebrer am Gymnasium zu Hanau Dr. Otto V i l- -war zum ordentlichen Lehrer an demselben zu ernennen,

den Inspektor der Bürgerschule I., Pfarrer er-tr. Eollmanu zu Kassel zu emeritiren,

den Inspektor der zweiten Bürgerschule zu Cassel Dr. Chri­stian Roth zum Inspektor der (vereinigten) Bürgerschule, sowie den Probaturgrhülfen Adam Wagner zu Fulda zumKanz- listen bei der Regierung daselbst provisorisch zu rruennen.

Prinz Lieschen.

Eine Geschichte für Mädchen, die hoch hinaus wollen.

(Fortsetzung und Schluß.)

Lieschen zieht ihr Käppchen vor dem bohen Herrn, mid naht sich mit hochklopfendem Herzen, um sich eine Gabe zu erbitten; aber wie erstaunt sie, als er sich ihr m einer Weise nähert, die es zweifelhaft läßt, ob die ttesste Unterwürfigkeit, oder die reichste Liebe darin den Vorzug habe. Er spricht unter Bücklingen von dein Glucke, welches ihm dieser hohe Besuch bereite, und bitten der Wige Herr möge die Gnade haben, über die Schwelle des Schlosses zu treten, wo er von nun an allein Herr sei.

Anfangs meint das Mädchen, der alte Herr sei ein arger" Utzvogel, und wolle sie hänseln, oder es rappele thm höchst bedenklich; aber ihr scharfes Auge sagte ihr

doch, daß es dem Manne ein rechter Ernst mit Wort und That sei. Sie denkt, wenn er's so will, so ist's mir schon recht! Er macht mich ja zu einem Prinzen, ich nicht!

Wie weit es mit dem leichtsinnigen Mädchen ge­kommen war, das sieht man hier deutlich. Wer einmal auf dem Wege zum Bösen A gesagt hat, für den ist es am Ende auch nicht schwer Z zu sagen. Sie folgt nun dein Simpel, der sie zum Prinzen absolut stempeln will, und denkt: Nun mußt du dich auch wie ein Prinz halten, denn er nennt Dich baldPrinz", baldjunger Herr" baldgnädigster Herr," und Alles zusammen in einem Athem. Sie hatte von den Komödianten inLun- zenau etwa gelernt, wie sich so ein Prinz hält, und macht's nach, und wenn sie's als einmal zwerg macht, so denkt der Oberfischmeister: Jetzt will er's wieder ver­bergen, daß er ein Prinz ist; aber es gelingt ihm nicht."

Nun wurde denn Prinz Lieschen in das prachtvollste Gemach geführt. Hier kamen Beide in eine Unterredung in der Lieschen's natürlicher Verstand dem dummen Oberfischmeister so groß erschien, daß nun kein Zweifel mehr in seine Seele kam. Um nun zu zeigen, wie scharfsichtig er sei, sagte er: Er habe sie gleich als Kron­prinzen erkannt. Er wisse Alles, wie es gekommen sei, und warum Jhro Hoheit in so unscheinbarer Gestalt im Lande herumreise; er bitte, fuhr er fort, Jhro Hoheit unterthänigst, es sich bei ihm gefallen zu lassen. Er wolle schweigen, wie das Grab. Der Prinz möge nur befehlen; jeder Befehl werde auf der Stelle vollzogen. Er sei sein treuester, und jetzt durch seine Anwesenheit glücklichster Unterthan!

Manchmal hatte Lieschen gefürchtet, der Oberfisch­meister sei betrunken, aber nun sah sie (wie das Sprüch- wort sagt), wie die Pferde im Stalle standen oder hier der Esel. Sie bat um Ruhe, und stellte sich nun, als er fort war, Alles zusammen.

Sie fand schnell heraus, daß sie der Oberfischmeister für den verkleideten Kronprinzen halte, und daß Um­stände vorhanden sein müßten, die dieß begünstigten. Sollte sie sich dem schönen Abenteuer, ganz ähnlich de-