Einzelbild herunterladen
 

NS. 23. Hersfeld/ den 21. März. Z8LV.

M§^ Bestellungen auf denHersselber Anzeiger" für das mit dem 1. April beginnend? zweite Quartal können jetzt schon Lei allen Poststellen gemacht werden. Neu hinzutre­tende Abonnenten erhalten die Nummern des. laufenden Monats vom Tage der Bestellung an umsonst.

ffiffii<i8»s»;wMigttaw8a>»gg6satiaa8.i»iiCTmja^««'gwMa»!»aw«a!^^

Der Wasserträger.

Erzählung von der Alhambra.

(Fortsetzung.)

Der Alcalde war so eben aufgestanden. Der Bar­bier präsentirte ihm einen Stuhls band ihm die Ser­viette vor und hielt das Bartbecken unter das Doppel­kinn des Würdenträgers. Hierauf begann die interes­sante Procedur des EinseifenS.

Was giebt's Neues?" fragte die Gerichtspbrson.

Merkwürdige Dinge; ganz unerhörte Dinge," sagte der Barbier, die lebendige Leitung von Granada. Raub, Mord und Begräbnis. Alles in einer Nacht."

Was? Ist das ein schlechter Witz, oder sprichst Du von wirklichen Thatsachen?" schrie' der Alcalde, ohne sich däruni zu beküminern, daß ihm Seifenschaum in den Mund kommen könne.

Ich spreche von Thatsachen," antwortete der Bar­bier wichtig.Ich behaupte, daß Peregil, der Wasser­träger, in voriger Nacht einen maurischen Muselmann beraubt, ermordet und sodann begraben hat."

Kannst Du das beweisen, Sennor Tönsore?"

Sitzt ganz ruhig, Sennor," sagte der Barbier. Ich möchte um Alles in der Welt nicht, daß Ihr der Erste wäret, den ich Lei Ausführung meiner wissenschaft­lichen Operationen schnitte."

Der Alcalde saß still und der Barbier erzählte, während er fein Geschäft verrichtete, Alles, was er be­obachtet hatte. Nun traf es sich, daß eben dieser Al- calde^ der habsüchtigste und gewissensloieste Würdenträ- ger seiner Art in ganz Andalusien war, was gewiß nicht wenig sagen will, übrigens keineswegs auf Ueber- beruht. Er legte auf die Gerechtigkeit einen so hohen Werth, daß sie ihm für die, obwohl nicht ge- ringen, Gerichtsgebühren nicht feil war, sondern nach seinem besten Wissen und Gewissen besonders abgeschätzt und dem Meistbietenden verkauft wurde. Er nahm den Fall der geschehenen Räuberei und Ermordung als

constatirt an, und seine Ahnung auf welche er sich Mahrungsmäßig verlassen konnte sagte ihm: daß Meister Peregil bei dem ermordeten Mauren eine schwer» Beute gefunden haben müsse. Weshalb sollte der Was« seriräger den Mauren ermordet haben, wenn er nicht vor der That die Gewißheit von den Schätzen des Fremden gehabt hätte? Beute, reiche Beute war also vorhanden. und es entstand hiernach die Hauptfrage für den Alcalden: wie er dieselbe aus dem Besitze des Räu­bers in seinem .eigenen am schnellsten und sichersten übergehen lassen könne? Es lag ihm nicht daran, den Verbrecher seiner verdienten Strafe zu überantworten, oder nach seinem Ausdrücke: den Galgen zu füttern, in -welchem Falle t?- .Beute Peregil's dem Fiscus an- Heim _ fallen mußte, sondern das Erschnappen des Rau­bes selbst war das große Ziel des Alcalden, welcher geizig genug war, um die Meinung zu hegen: daß Pe­regil für seine Verbrechen nicht empfindlicher bestraft werden könne, als dadurch, daß ihm sein Raub, der Preis des Mordes, wieder abgesagt werde.

Nachdem der Alcalde die -Sache in seinem Sinne durchaus in's Klare gebracht hatte, ließ er seinen zuver­lässigsten Algnazil holen. Dieser würdige Diener der Themis hatte kaum' den wichtigen Punkt wegen der Verwendung des Raubes begriffen, als er, gleich einem Bluthunde, sich auf die Spur des armen Peregil stürzte. Er beeilte sich dermaßen, seines armen Opfers sich zu bemächtigen, daß er den Wasserträger erwischte, bevor er noch die Stadt wieder erreicht hatte.

Der arme Peregil war genöthigt gewesen, einen weiten Umweg zu machen, um wieder nach Hause zu- rückzukehren, und trieb seinen Esel, so eben durch eines der zwölf, Thore Granada's, das demjenigen, aus wel- chem er sich hinaus begeben hatte, gerade entgegen ge­setzt war. Die Alguazil's mit ihren Bluthunden konn­ten den Wasserträger daher erreichen, bevor derselbe noch wieder zu Hause angekommen war. Er ward sammt seinem Esel vor den Alcalden geführt.

Der Gewaltige empfing ihn mit furchtbarem Grimme.