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Mörder in’8 Gefängniß geschleppt und wenn wir sa wieder loskommen, was sehr zweifelhaft ist, so sind wir doch durch die Advokaten und Alguazil's auf ewig ruinirt."
Der arme Wasserträger sah ein, daß seine Frau dasmal im Rechte war und sing bereits an, seine gute That zu bereuen . .-, Am Ende fiel ihm ein Rettungsmittel ein..
. „Es wird noch Lunte nicht Tag," sagte er, „und ich kann mit der Leiche ganz unbemerkt mich aus der Stadt stöhlen und sie im Sande des Xemistusses begraben. Niemand hat es gesehen, daß der Maure in unser Haus gekommen ist.. . . Wie wollte also Jemand vermuthen, daß wir hier seine Leiche haben?"
Gesagt, gethan. Mit Hilfe seiner Frau ward der Maure gleich einem Ballen Waare in die Matte eingerollt und eingeschnürt, auf welcher er gestorben war; sodann legten die Eheleute den Todten quer über den Esel und Peregil trieb das Thier aus die Straße hinaus.
Es war indeß ein schlimmer Umstand, daß dem Wasserträger gerade gegenüber ein Barbier, Namens Pedrillo Pedruzo, wohnte, welcher von keinem seiner Collegen an Schwatzhaftigkeit, Neugier und Lust an Intriguen üb erhoffen wurde. Dieser ruchlose Bursche hatte gehört, daß Peregil zu ungewöhnlich später Stunde nach Hause gekommen und von seiner Frau und seinen Kindern mit Keifen und Geschrei empfangen worden war. Er steckte sofort vorsichtig seine Nase durch das Fenstergitter und sah, wie Peregil "einen Mann in maurischer Tracht in sein Hans führte.
Dies war ein so unerhörter, ganz und gar unerklärlicher Vorfall, daß Pedrillo Pedruzo darüber voll- konimen um seinen Schlaf gebracht wurde. Er mußte sich zwar auf den ernsten Befehl seiner Frau niederlegen, aber er fand eine Ursache nach der andern, um alle fünf Minuten wieder aufzustehen und aus seinem Fenster zu lugen, welche Entwickelung das Ereigniß drüben bei seinem Nachbar nehmen werde. Es verstand sich von selbst, daß der rastlose Barbier den Augenblick nicht verfehlte, als Peregil sich mit seinem Esel und der Leiche auf den Weg machte. Er hatte ganz genau diesen ungeheuer langen Ballen gesehen, welcher über Pe- regilfs Esel lag und bemerkt, daß das Thier nur mit Mühe die' Last zu tragen vermochte, zerbrach sich aber vergebens den, Kopf, um herauszubringen, was in aller Welt der Nachbar in die Strohmatte eingewickelt haben möge.
Nachdem er eine dunkle Ahnung davon zu haben glaubte, daß er seinen Verstand verlieren werde, wenn er Peregil's Geheimniß nicht ergründe, schlüpfte er in seine Kleider, schlich, sich zum Hause hinaus und folgte bem Wasserträger vorsichtig in einiger Entfernung, bis derselbe endlich am Ufer des Lenilflusses Hackt machte, ein Loch in den Sand grub und einen Gegenstand be
grub, welcher große Aehnlichkeit mit einem menschlichen Körper zeigte.
Zufrieden mit dieser Entdeckung eilte Pedrillo nach seiner Wohnung zurück, wo er saunt den Anbrnch des Tages erwarten konnte. Früher/ als er jemals zu gehen pflegte, trat er jetzt, mit seinem Becken in der Hand und dem Scheerbeutel unter dem Arme, seine Geschäftswege an und lief vor allen Dingen zu seinem vornehmsten Kunden, dem Alealven.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes,
In Coburg hat sich dieser Tage ein junger in allgemeiner ^Achtung stehender Mann, Wundarzt beim 2. Bataillon, in der dastgen Kaserne durch einen Pistolenschuß entleibt.
Bei Jsserstadt ist abermals vor kurzem durch frevelhafte Hand aus einem Gemeindeflecken ein Stück junges Kiefernholz, 1 Acker haltend, in Brand gesteckt worden. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.
Bei der ungeheuren Kälte, welche in diesem Win- ter in Amerika herrschte, sind viele Reisende, welche von Kalifornien uub Oregon kamen, auch viele Soldaten die als Grenzwache gegen die Indianer ausgestellt waren, durch bib furchtbaren Schneestürme umgekommen; auch einige Mormonenzüge, die nach dem Salzsee wanderten, kamen durch die Kälte und Mangel an Lebensmitteln um. h ,
Kissingeu ist großer Gefahr entgangen. Am 6. b. früh nach 2 Uhr brach nahe an der Kirche Feuer aus, welches mit solcher Heftigkeit um sich griff, daß 10 Wohngebäude und 8 Scheunen gänzlich zerstört und die Spitze des Kirchthurms eingeäschert wurde. Um 10$ Uhr Vormittags war man des Feuers so weit Herr, daß keine weitere Gefahr Ä zu befürchten stand. Der Schaden, wird auf 60—80,000 fl. geschätzt.
Am 11. März haben die Kartoffeln ihr 100jähri- ges Jubiläum in Weimar gefeiert. An jenem Tage 1757 ließ Herzog Ernst August Konstantin bekannt machen: „wer in dem gegenwärtigen Jahre. die meisten Tartusfeln, besonders von der weißen Arth erbauen und solches durch Mtestata von seiner Ortsobrigkeit dociren wird, soll eine Belohnung von 40 Reichsthäler, der nächste 30 u. s. w. erhalten."
Die Dorfzeitung schreibt: In Vevey ist der Hamburger Senator Ionisch gestorben und hat 12 Millionen und kein Kind^ Hiterlässen. Seine nächste Erbin, die 15jährige Tochter seiner Schwester, der Gräfin Re- bern in Berlin, starb vor wenigen Monaten,