Dersfeldcr A11 zeig e r.
Nr. TZ. Hersfeld, den 18. März. L8S».
5^^ Bestellungen auf den „Hersfelder Anzeiger" für das mit dem 1. April beginnende zweite Quartal können jetzt schon bei allen Poststellen gemacht werden. — Neu hinzutre, tende Abonnenten erhalten die Nummern des laufenden Monats dom Tage der Bestellung an umsonst.
.Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Hofrathe von Starck zu Horzowitz, das Prädikat „Äehcime Kammerrath» zu ertheilen.
Der Wasserträger.
Erzählung von der Alhambra.
(Fortsetzung.)
Er hob also den Mauren auf seinen Esel und trieb denselben in langsamen Schritt nach Granada hinab. Der arme Muselmann war so schwach, daß es Peregil für nothwendig fand, denselben zu unterstützen, damit der Kranke nicht von dem Thiere Herabfalle. Als sie unten in der'Stadt angekommen waren, fragte der Wasserträger den Fremden: wohin er ihn führen sollte.
„Ah," sagte der Maure mit' schwacher Stimme, „ich habe hier weder eine Wohnung noch eine Herberge ~. ich bin ganz und gar hier fremd. Gestatte mir, daß tch heute Nacht mein Haupt unter Deinem Dache niederlege mrd Du sollst reichlich belohnt werden."
Meister Peregil sah, daß er 'ganz »»vermuthet an euren mcht unverdächtiges Gast gerathen war, den er wieder los zu werden keine Hoffnung hatte. Er besaß r ? HD N mitleidiges Herz, um einen Mitmenschen, obglerch derselbe eure Maure war, unter den obwalten- den Umständen ein Nachtlager zu verweigern. Außerdem sollte er ja auch bezahlt werden. Er seufzte also, mdeß er an seine Peregilla gedachte und schlug den Weg nach feinem kleinen Hause ein.
Seine Kinder, welche vor die Thür herausstürzten, sie den trippelnden wohlbekannten Hufschlag des Elelv horterz, liefen bei dem Anblicke des beturbanten Fremden schreiend wieder zurück und berichteten das leX«1^ '^^ Zufällig sich zu Hause befin-
„Du wagst es," rief diese, „zu dieser späten Stunde einen Fremden, einen kranken Fremden, einen Ungläubigen sogar, in unser Haus zu bringen, damit wir der heiligen Inquisition in die Hände gerathen?"
„Sei ruhig ■ Frau," antwortete Peregil. „Sollte ich den Armen denn auf der Straße unter freiem Himmel umkommen lassen?"
Er schüttelte seinen Treiberstecken, und Peregilla, welche wußte, daß ihr Mann unter gewissen Umstände« ebenso hartnäckig war, wie sein Esel und durchaus keinen Spaß verstand, schwieg.
Dem Mauren ward von Peregil ein bequemes Lager bereitet und der Wasserträger gab sich alle Mühe, ihm etwas Essen und Trinken aufzunöthigen. Mit dankendem Blicke verweigerte dies der Maure. Er be- kam einen gefährlichen Krampfanfall und sagte, als er sich ein wenig erholt hatte:
„Ich glaube, daß mein Ende da ist. Wenn ich sterbe, so nimm dies Kästchen als eine Belohnung Deiner mitleidigen Gastfreundschaft."
Damit schlug er feinen Albornoz oder Mantel zurück und zog ein kleines Kästchen von Sandelholz hervor.
„Gott wolle beschließen, daß Ihr noch lange Jahre lebt, um Euch Eures Schatzes zu erfreuen, mag dieser bestehen, worin er will!" sagte der würdige kleine Was- terträger.
Der Maure schüttelte ' den Kopf und legte die Hand auf das Kästchen, als wollte er hinsichtlich des Inhalts desselben noch eine Mittheilung machen. Aber seine Krämpfe und Zuckungen kehrten bald mit vergrößerter Heftigkeit zurück und nach einigen Augenblicken war der Fremde eine Leiche.
Peregil's Ehegenossin war gang außer sich.
„Das kommt," schrie sie, „von Deiner vermaledeiten, einfältigen Gutmüthigkeit. Du steckst Dich in alle möglichen Klemmen, um Anderen für nichts dienstfertig zu sein. Was soll aus uns werden, wenn diese Leiche hier in unserem Hause gefunden wird? Wir werden als