pcrsseldcr Anzelger.
MV. 1^ Hersfeld, den 28. Februar. 285?.
Der „Hersselber A n zeig er" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Erpevition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei
Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kur.fürst haben allergnädigst geruhet:
den Assessor Adalbert Schaffer auf dem Messinghofe bei Lasset, zum Badeverwalker am Bade Nauheim zu ernennen, sowie dem Kanzlisten Friedrich Conrad Cornelius bei der Direktion der Haupt-Staatskasse und
dem Kanzlisten Friedrich Carl Geister beim Ober-Steucr- Kollegium das Prädical «Registrator" beizulegen,
die nengegründete evangelische Pfarrei zu Hünield dem Pfarrverweser Joseph Weinrich aus Kassel zu übertragen,
den Landbaumeister Lichtenberg zu Hanau zum Baurath und Baureferenten bei der Regierung zu 6a|pl zu bestellen,
den bei der General-Intendantur des Hostheaters provisorisch angestellten Seerelar Wilhelm Lpnker nunmehr definitiv zu bestellen.
^kusschreiven
der Ministerien des Innern und der Finanzen, vorn 23. Februar 1857, die Ausfuhr von Pferden betreffend.
Mit allerhöchster Muehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Kurfürsten wird das, mittelst des Ansschrei- ben der Minisserien des Innern und der Finanzen vom 6. v. M. erlassene Verbot der Ausfuhr von Pferden über die Grenze gegen das Zollvereins-Ausland hierdurch außer Wirksamkeit gesetzt.
Cassel am 23. Februar 1857.
Die Kurfürstlichen Ministerien des der
Jnnnern. Finanzen.
Kraft allerhöchsten Auftrags:
S ch e s f e r. R o h d e.
Die Rettung Hersfelds durch Lingg.
Während im nimmer ruhenden Strome der Zeiten Ereignisse sich fortwährend an Ereignisse reihen, bald
auftanchend aus den rastlos dahin fließenden Wellen, und bald durch andere wieder verdrängt, überfluthet und in Vergessenheit zerrinnend, bleibet: einzelne Epochen in der Geschichte der Staaten, der Städte, der Menschen, gleich den hellleuchtenden Sternen am blauen Himmelsgewölbe, noch der späten Nachwelt sichtbar und und ihrer Erinnerung aufbewahrt.
Nur das Wahre, das Gute, das Schöne ist bleibend, alles Andre wandert hinab in den Orkus und in Vergessenheit.
So leuchtet in der Geschichte unserer Vaterstadt Hersfeld die Erinnerung an deren Rettung vor Plünderung und Vernichtung, vollbracht durch den unvergeßlichen, edlen deutschen Mann, Lingg von Linggen- feld, am 20. Februar 1807, als ein strahlendes Gestirn hervor, und wird noch der späten Nachwelt Anerkennung und Bewunderung abgewinnen.
Zwar ist über dies Ereigniß, veranlaßt durch die Festlichkeiten, welche nach Verlauf von 50 Jahren, am 20. Februar d. J., zu seiner Erinnerung in Hersfeld stattfanden, schon viel geredet und geschrieben worden. Doch dürfte die Mittheilung der nachfolgenden Beschreibung Vielen nicht ohne Interesse sein, da versichert wird, daß die einzelnen Thatsachen, als verbürgte Wahrheiten aus zuverlässigen Quellen geschöpft, und treu wiedergegeben sind.
Nachdem der Kaiser der Franzosen, Napoleon I., Kurhessen im Jahre 1806 durch den Marschall Mortier und dessen Armeecorps occupirt, und den Kurfürsten Wilhelm I. seiner Staaten für verlustig erklärt hatte, war Hersfeld die erste Stadt in dem von den Franzosen eroberten Hessenlande, welche dreiTage lang mit den Soldaten des Mortier'schen Corps angefüllt war.
Wiewohl wir von dieser überhäuften Einquartirung viel zu leiden hatten, wiewohl jedem braven Hersselder und Hessen das Herz blutete bei dem Gedanken, daß sein geliebter Kurfürst aus seiner Residenzstadt, aus seinem Lande verjagt worden war, und dieses als eine