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pces selber Anzeiger.

Np. ÄÄ. Hersfeld/ den 25. Februar 18LV>

DerHers sei der Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Erpevition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Das gespenstige Ufer-.

(Schluß.)

So trug Jeder der Beraubten seine Klagen vor, während sich die Aufregung der Marqui e mit jedem Augenblicke steigerte,- denn es blieb ihr kein Zweifel mehr, daß das von ihr gesehene gespenstige Pferd dasjenige sei, mit dessen Hilfe der Räuber seine Berbrechen auö- führe.

»Meine Herren," sagte der Herzog, indem er seine Hand nach der Marquise ausstreckle, »diese Dame und Einer von ihren Leuten haben zu drei verschiedenen Ma­len unfern der Gegend, wo Sie beraubt wurden, ein Pferc ohne Reiter gesehen. Man hat sogar dieses Pferd vor Jemandes Thüre stehen bleiben gesehen. Ich bin daher der M inung, daß diese Dame uns wichtige Er­öffnungen machen kann und habe sie herbeirufen lassen, damit Sie ihr Mitleid erregen und sie dadurch veran­lassen mögen, Alles zu offenbaren was sie weiß."

Lies das Pferd auf eine seltsame, unhörbare Weise,Jneine Dame?" fragte Einer der Beraubten.

»So ist es; aber ich weiß nichts von diesen Raubanfällen und hatte nie zuvor etwas von denselben gehört," antwortete die Marquise, welche noch immer ihre Angst nicht zu beherrschen vermochte.

»Vor wessen Thüre blieb das Pferd stehen?" frag­ten die Beraubten alle im Chor. »Nennen Sie uns den Namen, meine Dame."

»Um keinen Preis in der Welt möchte ich einen Verdacht auf einen Mann lenken, der unschuldig sein kann," rief die Marquise aus.

»Verlassen Sie sich darauf, Madame, daß den Un­schuldigen kein Leid betreffen soll. Aber nennen Sie UNS den Namen, wir bitten Sie!"

»Wir müssen Antoine, den Forstwart der Dame, herbeiholcn lassen," nahm der Herzog das Wort, als er sah, daß dir Marquise noch immer zögerte. »Diesen werben wir gewiß mitteilsamer machen."

Er klingelte und zum großen Schrecken der Mar­quise wurde Antoine todtenbleich und am ganzen Körper

zitternd von einer etaar herzoglicher Bedienten in das Zimmer geführt.

Ich hatte Antoine bereits hierher befohlen, Frau Marquise, wie Sie sehen," sagte der Herzog. »Und nun werden wir mehr hören."

Dann verhörte er den verwunderten Antoine, biS er Alles von ihm erfahren hatte, was derselbe über daS gespenstige Pferd wußte. Im Verlaufe des Verhörs er- luhren die sämmtlichen Anwesenden, daß das rathfelhafte Pferd vor dem Landhaufe des Grafen von Foinvert ste­hen geblieben sei.

Kaum hatte Antoine den Namen des Grafen ge­nannt, als derselbe von den Lippen Aller wiederholt wurde:

Foinvert, der Schurke!"

),Foinvert, der eptgbube!"

»Foinvert, der Räuber-!"

Ich dachte mir stets, daß die Beraubung von ei- nem unserer Bekannten ausgehen müßte, denn so oft Jemand von uns besonders glücklich im Spiele gewesen war, so wurde er auch ausgcplündcrt!"

Der Herzog lachte laut auf, denn er fühlte sich er­götzt durch die seltsame Aufregung, welche er herbeigr- führt hatte.

Foinvert wird sogleich hier sein," sagte er,denn ich habe bereits nach ihm geschickt. Ha! meine Herren, wir wollen ihn foltern!"

In diesem Augenblicke trat der Gras mit seiner ge­wöhnlichen nachlässigen und gleichgiltigen Miene in das Zimmer. Dennoch erschrak er, als er einestheils die Marquise und Antoine, anderntheis die Opfer seiner räuberischen Angrissr erkannte und zugleich bemerkte, welche neugierigen Blicke von allen Seiten nach ihm gerichtet wurden.

Schnell faßte er sich jedoch wieder und fragte unter heiterm Lächeln:

»Nun? weshalb haben Monseigneur mich rufen lassen?"

Hören Sie, Foinvert," sagte der Herzog zu ihm, »man hat das Pferd des Räubers nach ihrem Land- hause eilen gesehen, man hat bemerkt, daß daS Pferd