ShV 14> Hersfeld, den 18. Februar. 18LV.
Der ,,H ersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt No. 587)' pro Quartal 7, Sgr. 6 Hllr.; bei den P'ostanstaltenNowmt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und^die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Revisoratsgehülfen Carl Die der ich zum Revisor bei der Ober-Zoll-Dircetion,
den Hauptsteueramts - Controleur Georg Sofft! zu Hau au zum Rendanten bei dem Hauptsteueramte zu CarlShafen,
den Assistenten Johannes Nuhn bei dem Provinzialsteuer- Amte zu Caffel zum Controleur bei demselben,
den Hauptzollamts-Assistenten"Magnus Rang zu Carlshh- fen zum Erheber bei dem Nebensteueramte zu Eschwege und
den Nebenzollerheber Heinrich Schröder zu Haste zum Erheber bei dem Nebenste»eran(te zu Nenndorf, und zwar Ersteren provisorisch, zu ernennen,
den Canzlisten Ferdinand Braun bei der Commission für die Ablösungen in gleicher Eigenschaft zur Obersinanzkammer und
den Revierförster Georg Philipp Arnold Hunrath zu Lohra in den Ruhestand zu versetzen,
die erledigte zweite Pfarrerstelle zu Wi^enhausttt dem außerordentlichen Pfarrer Friedrich Ritter aus Dudenrode zu übertragen, ■ ' -'
den Stcuervcvisoratsgehülfen Georg Opper zu Caffel zum Leihhausverwalter bei dem Leihhause zu Hanau provisorisch zu ernennen,
der Gattin des Kurfürstlichen außerordentlichen Gesandtem und bevollmächtigten Ministers in Paris, Kammerherrn von Baumbach, Felicitas gebornen Freiin v. Gumppenberg die Erlaubniß zur Anlegung des von Ihrer Majestät der Königin von Bayern ihr verliehenen Theresien-Ordens, zu ertheilen,
dem Königlich Preußischen Oberstlieutenant und Bataillons- CvMmandeur im 11.Infanterie-Regiment, von Böhn, das Ait- terkreuz des Kurfürstlichen Wilhelms-Ordens zu verleihen.
Das geOenftige NferH.
(Fortsetzung.)
Wenige Enge später kam der Graf nach dem Schlosse der Marquise, ihr einen Gegenbesuch zu machen, und bevor er wieder ging, wurde er von ihr in ihrer kleinen, ober schönen Besitzung umhergeführt, deren Annehmlichkeiten er mit aufmerksamem Auge betrachtete.
Als er sich von ihr trennte, theilte er ihr mit, daß ?r genöthigt sei, nach Paris zurückzukehren, aber, so bald
es ihm möglich sein werde, wieder auf das Land zu eilen gedenke, um die Bekanntschaft fortzusetzen, welche ihm sein Glücksstern habe machen lassen.
pointiert war ein junger und bezaubernder Mann von geachteter Familie; die Marquise war noch jung und Wittwe; — was sollen wir uns also wundern, wenn sie bald nach des Grafen Abreise das Leben auf ihrem Schlosse höchst einsam fand und von dem lebhaften Wunsche ergriffen wurde, ebenfalls sich nach Paris zu begrbcn?
Als ihre Kutsche über die Boulevards fuhr, bemerkte sie einen glänzenden Haufen von Eoelleuten zu Pferde, welche ihr entgegen kamen und eine prachtvolle, von vier Schimmeln gezogene Kutsche begleiteten.^ In dieser Kutsche saß ein Herr von äußerst abgelebtem Aussehen, der offenbar über das mittlere Lebensalter hinaus war, aber noch die ganze Lebhaftigkeit unv Lebendigkeit seines Geistes üewahrt zu haben. schien. Es war der Herzog von Orleans, ein Better tes Königs, der später während der Revolutionszeit unter dem Namen Egalite berüchtigt wurde. Damals aber dauerten noch die Tage seiner Ueppigkeit, seines Prunkes und seiner sorglosen Liebes- hänoel.
Zur Rechten des Herzogs ritt der Graf von Foin- velt auf seinem schwarz und weißen Pferve und bildete offenbar die hervorstechendste und anziehendste Erscheinung der ganzen Gruppe. Er zog seinen Hut und verbeugte sich tief, als er seiner reizenden Nachbarin ansichtig wurde. Die Marquise lächelte, erröthete und erwiderte die Begrüßung.
„Nun! was bedeutet denn das?" fragte der Herzog. „Herr voy Fomvett, habest Sie etwas angerichlet? Und wer war die Dame?"
«Die Marquise von Beauvoisin, deren Landhaus -ganz nahe dem meinigen ist, Hoheit," antwortete der Graf. -
„Und die Nachbarn vom Lande begegnen sich in der Stadt?" fragte der Herzog weiter, indem er einen durchdringenden Blick auf den jungen Hofmann richtete. „Si! eil Herr von Foinvert erröthet."