MN. 13t Hersfeld/ den 14, Februar. L8S-.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Erpedition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den PostanstalteEkommt der übliche Postaufschlag hinzm — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und^vie Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wieverholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Sicchtspraklikanten Carl Reinhard Schirm er zu Ober, aula zum Advokaten bei den Justizämtern Neukirchen, Oberaula, Ziegenhain und Trepsa, mit dem Wohnsitz in Neukirchen, zu bestellen,
^ . . dem Königlich Preußischen Legationsrath im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, Dr. Lenibke, das Ritterkreuz des Mdfürstllchen Wilhelmsordens zu verleihen,
dem Dr. med. Franz Kind aus Burghaun die Praxis als Arzt, Wundarzt erster Classe und Geburtshelfer mit dem Wohn- W in Neuhof allergnädigst zu gestalten.
Das gespenstige Wfer-.
(Fortsetzung.)
Sie gingen in das Haus und traten in ein Zimmer, welches sich unmittelbar nach der Hausflur öffnete. Der Graf stellte einen >VIuhl vor vaS Fenster, nöthigte die Marquise, auf demselben Platz zu nehmen und setzte sich dann selbst ihr gegenüber, um zu vernehmen, waS sie ihm zu sagen hätte. Der Ernst, welchen er dabei bewies, versetzte die Marquise in eine große Verlegenheit und zwar um so mehr, als sie sich vollkommen bewußt war, daß ihr Besuch lediglich von der Neugierde veranlaßt sei, und manche der Fragen, welche sie beabsich« tigte, vorlaut und gewagt scheinen könnte.
„Ich bin ungemein gespannt, mein Herr," begann sie, „von Ihnen zu erfahren, «wer in der vergangenen Nacht von seinem Pferde gestürzt ist."
„Von seinem Pferde gestürzt, meine Dame! — Wie? — wann? — wb?" fragte der Graf überrascht.
„Um von Ihnen die Antwort auf diese Fragen zu erhalten, bin ich hierher gekommen," entgegnen die Marquise. «Es war ein großes, schwarzes Pferd, welches der verunglückte Herr geritten hatte, und der Unfall hat sich irgendwo in unserer nächsten Nachbarschaft begeben."
„Ich hatte bis jetzt noch gar nichts davon gehört," antwortete der Graf, indem er die schöne Besucherin mit einem eigenthümlichen Lächeln anblickte, welches ebenso
wohl auf Verwunderung, wie auf ganz andere Empfindungen deuten konnte. „Ungemein leid thut es mir, daß ich Ihnen keine Antwort auf Ihre Fragen zu geben vermag, aber Sie werden mir deshalb nicht böse werden, Denn ich versichere Vie, daß ich selbst in der That nicht das Mindeste weiß."
„Möglich," versetzte die Marquise, „allein Ihr Groom muß jedenfalls Näheres wissen."
„Mein Groom ist feit zwei Tagen nicht aus dem Hause gekommen, und folglich ist es undenkbar, daß er etwas von dem wissen sollte, was während der vergangenen Nacht in unserer Nachbarschaft vorgefallen ist."
„Aber Ihre sonstige Dienerschaft?"
„Ist ohne^Ausnahme in Paris zurückgeblieben."
»Wie! <sie sind nur mit einem einzigen Groom hier?"
«Nur mit einem einzigen Groom, gnädige Frau, da ich nur noeb-beute-ffffer zu verweilen und morgen wieder abzureisen gedenke."
„Sehr schön, mein Herr. Aber entschuldigen Sie meine Fragen. Ich sagte Ihnen gleich von vorn herein, daß dieselben unbescheiden sein könnten. Thatsache ist, daß einer von meiner Dienerschaft in der letzten Nacht ein Pferd sah, welches gelöffelt und gezäumt durch jene Gasse dort galoppirte, als hätte es seinen Reiter abgeworfen und wäre alsdann davon gelaufen. Dieses Er- , eigniß aber hat einen solchen Eindruck auf mich hervorgebracht, daß ich seitdem an gar nichts Anderes habe denken können."
»Die bei Ihnen erweckte Besorgniß macht Ihrem theilnehmenden Herzen alle Ehre," entgegnete der Graf. — «Ich versichere Sie, daß es mir unendlich leid thut, nicht selbst von meinem Pferde abgeworfen zu sein, weil ich dann fähig gewesen wäre, Ihre Fragen zu beantworten und zugleich die Ehre und das Vergnügen gehabt hätte, von Ihnen bemitleidet zu werden.
Diese Worte wurden mit großer Artigkeit ausgesprochen, und die Marquise vermochte nicht, ein leichtes Erröthen zu unterdrücken. Dabei war sie jedoch in fortwährender Bewegung auf ihrem Stuhle, denn sie wurde