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Hersfeld/ den 21. Januar.
1851t
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Winter.
Erzählung von S — v — t.
' 4.
E in Diener seines Herrn. .
(Fortsetzung.)
Ja, Riekchen war ein dummes Bauernmädchen, sie war ein einfaches, unverbildetes und unverdorbenes Na- turkinv, mis, unberührt von der zweidrungen Cultur der großen Städle, wie der Fink im Walde durch seinen Gesang, oder wie das Veilchen im Busch durch seinen Duft, das Herz des Menschen erquickt, der ihnen zufällig aus seiner Wanderung begegnet.
Der treue Diener St essen zerknickte die Krempen seines Hui es zwischen' den Fausten.
„Also," wiederhole er, „Sie wollen dem jungen Herrn wirklich keen Jeld nich schicken?!"
„Nein," anlworlelc der Mühlenmeister Schrader. „Uebrigens, wozu braucht denn der junge Here das Geld?"
„Wat jetzt Sie des an?! Darum haben Sie sich jar nischt zu bekümmernd
„Da mögt Ihr Recht haben, Steffen. Wahrscheinlich hat der junge Heil wieder in einem Nachmittage so siel verspielt, als das ganze Amtgut in vier Wochen nicht einbringt? Uno er will Geld haben, um noch mehr zu verspielen?"
„Unv^wenn er das Jeld zum Spiel haben will," erwiderte Steffen ausgebracht, „so jetzt Sie des ooch noch mich! an! Versteh'» Sie mir?!"
„Nun, Siesten, antwortete der Müller ruhig, „dann könnt Ihr gehen!"
„Ick werde aber nich sehen; nich eher, als bis ick Jeld habe!"
„Geld giebt's nicht!" antwortete der Müller noch einmal mit dem bestimmtesten Tone.
Der treue Steffen, cem der Wein und die Nichtachtung seines Heirn bereite in den Kopf gestiegen waren, wurde jetzt noch röther, als zuvor. Sein ganzes
Gesicht glühte und die Zornader auf seiner Stirn b^ gann zu schwellen.
„Lie Lumpenkerl," sagte er zum Müller. „Alö sie auf die Giundmühle einwanderten, wo Sie jetzt den klecnen Napoleon spielen, halten Sie weiter nichis, als einen zerrissenen Rock. Alles was Sie haben, haben Sie dem Herrn Amimann zu verdanken, den Sie um sein Jeld befohlen haben! Und jetzt wollen Sie ihm nicht 'mal Geld schicken, wenn er Sie höflich d'rum er« suchen häßi? ! Sie Lumpenkerl!"
Jetzt wurde auch der Müller seinerseits aufgebracht.
„Schurke!" donnerter er. „Wenn Du nicht auf der Stelle die Mühle verläßt, so soll Dir der Teufel das Genick brechen!"
„I, seh'n Se 'mal!" erwiederte Steffen höhnisch, indem er Jd) dicht vor den Mühienmessrer bin (leiht. „Koofen iste sich erst for Ihr gestohlenes Jeld een Paar jemrive Beene! Lassen Sie des in's Jiuelijenz- Blatt fetzen. Vielleicht finv't sich Eeener, der Ihnen for een paar mal huncerdauscnv Dabler een Paar je# sunde Beenc ablägt! Un denn muß ick erst ooch noch dabei sin, wenn Sie mir 'rausschmeißen wollen! Versteh'» Sie mir, Sie Lumpenkerl, Sie!......"
Mit einem schnellen Griffe pack-e der Mühlenmei- ster den taumelnden Diener des Amtmannes an die Gurgelft führte ihn so zur Thüre uno warf ihn hinaus.
Dann schloß er die Thür, holte tief Athem und warf einen verwunderten und erstaunten Blick auf seine Beine, die der schnelle Zorn geheilt und verjüngt zu haben schien.
Eine solche Kraft hätte er sich niemals mehr zuze- traut, und diese freudige Entdeckung, die er so unerwartet an sich selbst machte, ließ ihn feinen eben gehabten Aerger fast vergessen, und ein heiteres, wohlgefälliges Lächeln spielte auf seinen Zügen.
Da er nun - einmal auf den Beinen war, ging er so lange im Zimmer mit großen Schritten arf und ab, bis die Ermüdung von der ungewohnten A str. rg- ung ihn nöthigte, wieder auf seinem Lehnsessel Platz zu nehmen-