Sersfeldcr Anzeiger.
Nr. 5» Hersfeld, den 17. Januar. 185V.
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^ Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben dem Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig von Hessen und bei Rhein und dem Prinzen Heinrich von Hessen und bei Rbrin, Großheizoglichen Hoheiten, den Kurfürstlichen goldenen Löwen-Orden verliehen.
Winter.
Erzählung von S —v —t.
(Fortsetzung.)
4.
_ Ein Diener seines He >'»° n.
Riekchen, die schöne Müllerstochler saß noch immer in ihrem Kämmerchen und suchle ihrem angstgcpreßlcn Herzen durch Thränen Erleichicrung zu vcifchaffen. Äeormals war Der Entschluß in ihr aufgistiegen, ihrem Medien Veucr Heinrich entgegen zu gehen, um ihn aufzuluchen, aber eben so oft hatte sie wieder darauf verzichten müssen, da der Tag noch zu hell war, und sie surrten mußte, von ihrem Vater gesehen zu werden.
So weil ihr Auge reichte, überblickte sie die schneebedeckten. Felder und Wege, ohne irgend eine Spur zu entdecken, welche die Ankunft deS Geliebten verkündet hätte, dessen unbegreistich langes Außenbleiben gerade heute ihr ganz,« Innere mit einer seltsamen Angst und Besorgniß erfüllte.
Der Mühlenmeister Schrader war im großen Wohnzimmer allein geblieben.
Der Gedanke an seinen Tod hatte ihn noch nicht verlassen und unwillkürlich war er beim Verfolgen dieses Gedankens auf seinen Vetter Heinrich zmückgekommen.
Alle die vielen vorzüglichen Eigenschaften deS jungen Mannes traten jetzt vor seine Seele unv er bedauerte schon im Herzen, demselben — wenn auch in der Abwe-
fenbeit und in gereizter Stimmung — vielleicht Unrecht gethan zu haben.
Da trat der Diener des jungen Amtmanns Kettlitz tNS Zimmer.
Der Eintritt desselben brächte den Müller Schrader sofort auf andere Gedanken.
»Na, Steffen," rief er demselben entgegen; „es ist gut daß Ihr Euch sehen laßt. Bringt Ihr mir meine Schnepfen?"
»Ne," lallte Steffen, der schwankend in's Zimmer getreten war; «ick bringe mißt; ick will wal boienf"
«Sind denn heute keine Schnepfen geschossen worden?" —
»Ja...."
»Und Ihr bringt mir keine?" »Nee...."
»Aber es war doch große Jagd?" »Ja."
»Unv^der junge Herr hat Euch nicht befohlen, mir ein paar Schnepfen zu bringen?"
^Ite....." >
Der Müller schwieg.
Seit dem Beginne der diesjährigen Jagd hatte er noch keine Schnepfe vom Amthofe erhalten, obgleich man dort recht gut wissen mußte, das Schnepfen (eine Viet- lingölcckcrbisscn waren. Zwar wäie er durch nicDs in der Welt zu bewegen geweirn, sich Diese lheucien Leckerbissen für fein eigenes Geld zu Düsen, was er bei seinem anerkannten Reichthume roch sehr gut gekonnt hätte. Dazu achtete er sein Geld viel zu sehr. ' Dagegen glaubte er diese Aufmerksamkeit von Seiten des Xtrüu.anme und seines Sohnes beanspruchen zu dürfen, uno er ia. d in der Nichbeachtung seiner kleinen Schwäche um so mt^r eine beleidigende Vernachlässigung, als es ihm nicht unbekannt sein konnte, daß heute auf Dem Amihose ein großes Gastmahl gegeben wuive, bei welchem zu erschei- nen ihn nur sein Poeagra vei hindert hatte.
Barsch fuhr er daher den Diener an: »Und was wollt Ihr dann?"
»Ick will Jelv holen," antwortete Steffen.