sersscl de r Anzeiger.
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Hersfeld/ den 10. Januar.
1851t
Der „Hersselber Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. -7- Preis desselben bei der Erpevition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen unMie Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
MuSfchreive«
der Ministerien des Innern und ver Finanzen, vom 6- Januar 1857, die Ausfuhr von Pferden betreffend-
Nachdem mit allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Kurfürsten, auf den Grund des §. 3 des Zollgesetzes vom 28. December 1837, die Ausfuhr von Pferden über die Grenze gegen das Zollvereins- AuSland bis aus Weiteres verboten worden ist; so hat sich Jeder, welchen es angeht hiernach zu achten. Cassel am 6. Januar 1857.
Die Kurfürstlichen Ministerien des der
Innern. Finalen.
Kraft allerhöchsten AuftragS r
* S ch e f s e r.' R 0 h v e-
Winter.
Erzählung von S'—v —t.
(Fortsetzung.)
2.
Der Müller.
Der Mühlenmeister Schröder war ein Mann von fünfzig Jahren; klein, etwas dick und pockennarbig. Sein Reichlhum, sein Eigensinn und seine Hartnäckigkeit, so wie die glücklichen Erfolge, durch welche er fast alle seine Unternehmungen gefrönt sah, halten ihm in der ganzen Umgegend den Beinamen „der kleine Napoleon" eingetragen.
Vor etwa dreißig Jahren war er, als ein armer Müllergcscllc, mit einem Rock und einen Gott, in die hiesige Gegend eingewanoert. Als Bescheiver auf der Grunvmühlt, welche damals noch dem alten Amtmann Kettlitz gehörte, hatte er sich ein bedeutendes Vermögen erspart, so daß er dem Amtmanne mehrfach aus großen Verlegenheiten helfen konnte.
Der alte Amtmann Kettlitz war ein spekulativer Kopf; nur leider etwas unglücklich in seinen Spekulativ neu. Seine großartigen Versuche zur Verbesserung der Bodenkultur, seine Gestüte, seine Brauerei- und Brennerei-Anlagen, seine Glashütte und selbst seine Ziegelei hatten ibm stets mehr gekostet, als sie ihm einbrachien.
Die Söhne sind in der Regel das Gegentheil vom Vater.
Der Sohn und zukünftige Erbe des alten Amtmannes sah nicht allein mit Gleichgiltigkeit auf alles das herab, was ländliche Speculanon und Bodenkultur hieß, sondern er war auch, im Rückblick auf die unglücklichen Erfolge seines Vaters, mit einer ungerechtfertigten Verachtung dagegen erfüllt. Er war ein Verschwender ganz anderer und weil schlimmerer Art.
Der alte Amrmann Kettlitz nämlich hatte die einzige Möglichkeit, sein Erbe ungeschmälert zu erhalten, in einer reichen Heirarh seines Lohnes gesehen. Das Aeußere des jungen Kettlitz war auch vollständig dazu angethan, ihn zum Lieblinge der Damen zu machen. Er war ein schöner, kräftiger, junger Mann und der liebenswürdigste Gesellschafter, dessen angenehme Manieren und musikalische Talente, verbunden mit einer schönen Stimme, ihn überall gern gesehen sein ließen.
Darauf baute der alte Amtmann seine Rechnung.
Aber indem er seinen Sohn mit allen Mitteln aus- rüstete, um ihn glänzend te der großen Ltaet erscheinen zu lassen, brächte er dessen innerste Neigungen so zur Entwickelung, caß sie vielleicht nur in dem gänzlichen Ruin desselben wieder ihre Schranken sinoen konnten. Concerte, Lbeater, Bälle und Vergnügungen aller Art wurden dem jungen Manne bald zum elften Lebensbedürfnisse. Kostspielige Gelage, steter und vertrauter Umgang mit kilneswegs reichen^ aber sehr galanten und sehr theuren Damen und eine Leidenschaft für hobeS ^piel, die zu einer wahren Spielwuth ausartete, waren die nächsten und natürlichen Folgen von der unglücklichen Spekulation des alten Amtmannes Kettlitz, seine Sohn auf eigene Hand in den großen Städten nach t< er reichen Frau suchen zu lassen.