^ erg ü lder Anzttger.
Mp. T. Hersfeld, den 7. Januar. 18LU.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselbe« bei der Erpevilion (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und^die Zeile ober deren Raum mir 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnäcigst geruhet:
den Escadrons.Thi-rarzt 1r Klasse im ersten (Leib-) Husaren- Regiment Paul S cd in c lz zum Kreisthierarzt zu HvfgciSmar prvrisor>sch all.rguädigst zu crnenn-n, somit
den Provinstal' - teueramts-Kontroleur 3ob. Justus Krause zu Kassel zum Dbepfioiitroleur für die inneren inrirellen Abgaben in dem Bezirk Fritzlar mit dem Wohnsitze in ^rißlar zu ernennen.
Winter.
Erzählung von S —v —t.
1.
Die Grundmühle.
»HkmmeldemseLLkLeMmillioncnschock Scheffel!" rief der Müller, Den Daoyoo^Ttr-Tm Lehnstuhle gefesielt hielt. «Ich möchte nur wissen, wo der'Heinrich schon wieder stich! Verteufelte Wirthschaft! Da hat Der Amtmann zwei Mispel Geiste zum Schloten geschickt, unb... nein, es ist rein zum TvUwcrden! ... kein vec» Künftiger Mensch ist im Hause, Der Die Knechte ab fertigen könnte, wie es Ordnung und der Brauch ist! Der Lübrian! der Herumtreiber! Ra, laßt meine Beine..."
Der ticke Müller, der noch eben wüthend mit Dein Krückstock auf Den Boden gestampft hatte, unterbrach sich durch lautes Stöhnen, während er mit Der kläglichsten Geberde die schmerzende Stelle seines kranken Beines strich.
„Kein Mensch denkt mehr an mich! kein Mensch respectirl mich mehr!» fuhr er Dann in einer neuen Anwandlung übler Laune fegt. „Es ist jegt Schnepfenzeil! Zwei Wisp.I Gerste kann der Herr Amtmann zum Schloten schicken, aber wo sind die Schnepfen, Die dazu gehören?! - Ist das Aufmerkiamkell von einem Manne, der mein Schwiegersohn werden will? Schnepfen! Der Mund wäss.rl mir, wenn daS Wort nur über meine Zunge geht! Ich glaube, man könnte mich um Mitter
nacht damit wecken und wieder auf die Beine bringen! Ja, wenn Der Herr Amtmann mein Geld braucht, kann heißt eS Schwiegerpapa hinten Schwiegeip pa vorn; dann möchte er mich auf Den Händen tragen; rann ist er Die Aufmerksamkeit selber; — aber wenn er mein Geld nicht braucht, dann hat er wichtige Geschäfte in der Stadt! . . . Wichtige Ge'chästr! . . . Freittch er muß sein Geld lobtschlagen! Es dürfte ja sonst nicht alle werden!"
Rieckchen, die schöne Tochter des Müllers, welche mit ihrem Nähzeuge neben ihrem Vater am Fenster saß, hatte schweigend Diesen AuSbruch seiner Übeln Laune mit angehöri, Denn sie wußte rech gut, Daß Der Vater in seiner krankhaft gereizten Stimmung feinetlei Widerspruch, nicht einmal eine Unterbrechung ertragen sonnte;
Ueberdics schien auch Die Richtung welche seine Gedanken genommen hatten, der Tochter keimsuegs unangenehm zu fein, denn sie lächelte still vor sich hin, und in ihren Zügen sprach sich bei Den letzten Monen bes Vaters eine gewisse Genugthuung aus.
„Aber ich frage immer noch, wo steckt ber H inrich? begann der Müller von Stemm, ulkemer^lch zu seiner Tochter wendete.
„Liebes Väterchen, Du weißt s ja," antwortete Riekchcn. „Oder hat er es Dir nicht gesagt, ebe er weg ging? Er ist zum Förster, um einen neuen Welloaum auözusuchen, da der alte schadhaft wird, wie Du weißt. Mit jedem Augenblicke kann er zurück sein!"
In den Mienen des jungen Midchens sprach sich jedoch nicht dieselbe Zuversicht aus, Die in ihren Wviten zu liegen schien.
Mit einer gewissen innern Angst und Bcsorgniß überblickte sie die eis- unb schneebedeckte Fläche des SeeS und ein tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust, nährend si'e mit ihren Lippen nur die gefrorenen Fenster,cherven anzuhauchen schien, um besser sehen zu können.
„So?! zum Förster?" miede, volle Der Müller. »WiNN ich noch seine Beine harte, wäre ich in cer Zeit schon dreimal zum Förster gegangen, hatte tret WeU- bäume ausgesucht, gefallt, in Die Mühle gefchaff, .. .."