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zwei Minuten ist unser Leib so dicht mit Pfeilen gespickt, als das Kissen einer Näbterin mit Nadeln."
„Wenn wir aber den Faß ans Land setzen, werden sie unS massakriren," versetzte Daniel, „unv meiner Treu, zwischen diesen beiden Tobtesarten . . ."
„Es sind Black-Foot, welche wahrscheinlich von St. Louis zurückkommen," entgegnete Davidson; „ich spreche ihre Sprache — und werde sie Vernunft lehren. Es ist doch eine Chance, und wohl die einzige die uns bleibt."
Während die beiden Unglücklichen diese Worte aus- tauschten, gaben ihnen die Indianer Zeichen, daß sie landen sollten, da jedoch Daniel, trotz Davidsons Rath, immer noch fliehen wollte, pfiff ihm ein Pfeil am Ohr vorbei und ein zweiter zischle in seine Schulter. Er stieß einen Schrei aus und stürzte in der Piroque zu Boden. Davidson ergriff die Ruder und trieb ans Land.
Die Indianer bemächtigten sich sogleich seiner und banden ihm Arme und Beine, obgleich er sie seiner freuncllchen Gesinnungen versicherte. Den unglücklichen Daniel, dessen Blut in Strömen auf dem Boden des Kanotö floß, ergriffen sie und warfen ihn in den Fluß, wo er nach einigen vergeblichen Versuchen, das Ufer zu gewinnen, den Tod fand. Davidson, der Zeuge vieles AkteS der Barbarei war, konnte das traurige LooS, das ihn erwartete, ahnen.
Es war ihm jedoch nicht entgangen, daß die Indianer, ehe sie sich Daniels auf so einfache Weise entledigten, seine Wunde genau untersucht hatten: er glaubte, daß sie einen unglücklichen Kameraden auS Furcht ins Wasser geworfen, er möchte ihnen auf dem langen Weg bis zu ihrem Dorfe, das weiter nördlich am Fuße deS Felsengebirges lag, beschwerlich fallen.
Zwei Indianer luden Davidson auf ihre Schultern und trugen ihn zwei bis dreihundert Lchritte tiefer in das Gehölz, wo sie in einer Lichtung sich gelagert hatten. Der unglückliche Gefangene rourt>e_ zu den Füßen des Häuptlings Stu MickS o TukS (Lüffilhörnerfett), welcher vor seinem Wigwam saß und seine Pfeife mit der Behaglichkeit eines Orientalen rauchte, nierergelegt.
Nachdem er die Geschichte der Gefangennehmung Davidsons vernommen, sann Stu MickS o Saks einen Augenblick nach, stand dann auf unv heftete einen fot- schenden Blick auf den Gefangenen, ver einen Eiöschauer über feinen Köiper rieseln fühlte.
Davivson, der mit den Sitten der Rothhäute vertraut war, schöpfte einige Hoffnung aus dieser Aufnahme des Häuptlings, welcher seinen Tomahawk ergreifen und ihm ohne weiteren Prozeß den Kopf hätte spalten können.
„Es ist vielleicht nur aufgeschoben," doch e der Jäger, „aber es ist doch Zeit gewonnen für mich; in meiner Lage kann ich nicht mehr verlangen."
Ohne die geringste innere Bewegung zu verrathen und mit fester Stimme versicherte Davidson von neuem Stu-Micks-o-Sucks seiner freundschaftlichen Gesinnungen.
Der Häuptling betrachtete ihn noch einmal mit
forschendem Blick und trat dann wieder in seine« Wigwam, wohin ihm etwa zehn indianische Krieger folgten. Der Rest der kleinen Truppe ließ sich auf die Erde nieder und bildete einen Kreis um den Gefangenen, dessen Arme noch immer fest gebunden waren.
Nach Verfluß von ungefähr einer Viertelstunde kam Stu Micks o Sucks aus seinem Wigwam. Der Häuptling halte sich indessen in seine Staats- und Ceremonieniracht geworfen.
Diese bestand aus einer Tunika von drei zusammen- genähten Damhirschfellen. Die Nähte waren mit Goldtressen besetzt. An den Treffen herab hing eine Garnitur von schwarzen Haaren, welche von den Feinden stammten, die Stu Micks o Sucks in verschiedenen Kämpfen gerödtet. Diese Trophäen haben bei den Indianern einen sehr hohen Werth. Ueber diese Tunika trug er eine Art Mantel von Büffelhaut. Seine Mocassin'e oder Stiefeln waren gleichfalls von Damhirschhaul und mit Feinves- Haaren geschmückt. Aus dem Kopfe trug er eine Mütze von Hermelinhaut, mit zwei Büffelhörnern, ein Privelr- gium der Krieger, die sich den Beinamen der „Tapfersten" erworben haben. Außer den Haarflechten, die im vollen Sinn deS Worts seine Tracht bedeckten, trug Stu MickS o SuckS um seine Hüfte ein halbes Dutzend «chädethäuie, es waren dies gleichfalls Trophäen, die er von den nach dem Siege fealpirten Feinden besaß. (Forts. folgt.)
Vermischtes.
In Sebastopol ereignete sich am 5. v. M. ein schreckliches Unglück. Acht Matrosen vom Christophe Colomb spazierten auf den Ruinen von Sebastopol. Sie fanden in der Nähe des Malakofftburmes eine Bombe, die nicht zerplatzt war. Ein Mairose hatte die bevaucrnSwcrthe Jvee, diesebe mit seiner Cigarre anzu- zünden, invem er glaubte, sie würde nicht loSgehen. Die Bombe fing aber Feuer. Zwei Matrosen blieben auf der Stelle todt und die übrigen wurden schwer verwundet.—Sebastopol soll übrigens wieder aufgebaut werden und der Plan dazu schon fertig sein.
Eine Gesellschaft in Worms hat den Vorschlag in Anregung gebracht, zum Andenken an Luther bei seinem Auftreten in Worms daselbst eine gothische Kapelle mit einer Kanzel zu erbauen. Der Beitrag für dies Unternehmen soll nicht über 3 Kr. betragen.
In Frankfurt a. M. soll bei der Ankunft der Kaiserin von Rußland das Gedränge in der Nähe der Bahnhöfe so groß gewesen sein, daß trotz der umsichtigsten polizeilichen Anordnungen ein Koffer von der kaiserl. Equipage entwendet werden konnte. Die Polizei suchte die ganze Nacht, bis der Koffer endlich in der Gegend der Mainlust erbrochen, aber mit unversehrtem Inhalt