Hersfe! der Anzcfgcr.
MP. 40* Hersfeld, den 17. Mai. 185S.
Der „Hers selber Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend«. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeige» aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem 2. Pfarrer zu Spangenberg Alexius D k m ich die erledigte Pfarrei Oberngeis in der Jnspeclur Hersfeld,
dem Rektor der Stadtschule zu Sachseubagen Ludwig August Stünkel die erledigte Pfarrerstelle daselbst zu übertragen,
zur Versetzung der katholischen Pfarrer Heinrich Görge von Hofbieber, Landcapitels Margrethenhaun nach Marbach, Lands- capitels Hünfeld, und Peter Gnau von Marbach nach Hofbieber die landesherliche Genehmigung zu erteilen,
den Landrath zu Kirchhain Regierungsrath/Uloth an die erledigte Landrathsstelle für den Kreis Witzenhausen zu versetzen,
den Assessor der Polizei-Direction zu Caffel Carl Rohde zum Landrath für den Kreis Kirchhain zu ernennen,
den provisorischen Hilfslehrer am Gymnasium zu Fulda Dr. Christian Ostcrmann zum ordentlichen Lehrer an demselben,
den bisherigen StiftSkämmcrei - Verweser Friedrich Schulz zu Rotenburg zum Stiftskämmerer daselbst, diese beide provisorisch, zu bestellen,
die Kreisthierärzte D ed ekirdvon Eschwege nach Rüttelnund G ipp er von Rinteln nach Eschwege zu versetzen,
den Rechtspraetikanten Eduard Schwarzenrerg, dermalen in Schmalkalden, zum Unterstaats-Procurator dgselbst provisorisch zu bestellen,
den Probater E uard Franke bei der Direktion derHaupt- staatSkaffe zum Rentmeister in Neukirchen zu ernennen.
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Dev Schiffbkuch SeS „John Rutledge".
Die amerikanischen Blätter enthalten ausführliche Berichte über Den Untergang des New Dorkers wchiffes „John Nutlevge". Dasselbe halte 1006 Donnen Tragfähigkeit und war für 64,000 Dollars versichert. Der Werth seiner zum großen Theil in New-Iort versicherten Ladung wird auf 75,000—100,000Dollars geschätzt und hatte Liverpool am 16. Januar mit 120 Passagieren und einer 16 Persomn starken Schiffsmannschaft verlassen. Am 18. Februar gerieth das Schiff nicht weit von Newfounvlanv in's Eis und ward am folgenden Tage durch den Zusammenstoß mit einem Eisberge zum Wrack gemacht. Die an Bord befindlichen Menschen suchten sich auf fünf Booten zu retten. Das letzte derselben hatte erst 13 Menschen ausgenommen, als es durch eine gewaltige Welle von dem Schiffe, auf welchem noch ungefähr 35 Personen zurückgeblieben waren, getrennt wurde und nun ohne Compaß zwischen den Eis
schollen dahin trieb. Die Zurückgebliebenen versanken wahrscheinlich sehr bald nachher mit dem Schiffe. Was die Dreizehn im Boote betrifft, so ward nur ein Einziger unter ihnen, ein 19 Jahre alter Matrose NamenS Nye, der seine seemännische Laufbahn erst vor KO-zem angetreten hatte, neun Tage später von Dem Schiffe Germania lebend aufgefischt. Alle seine Gefährten und Gefährtinnen — die Zahl der Letzteren betrugen 5 — waren der Kälte, dem Hunger und Durste erlegen. Das Boot hatte kaum das Wrack verlassen, als die Nacht hereinbrach, und welche trostlose Nacht! Die Lebensmittel, über welche die Unglücklichen zu verfügen hatten, beschränkten sich auf eine Gallone Wasser und 6—8 Pfund Brod. Das Bewußtsein der furchtbaren Gefahr trat, sofort in widerwärtigen Aeußerungen der Selbstsucht hervor. Die Frau des Bootsmannes, ein großes und starkes Weib, ergriff Besitz von dem das Wasser enthaltenden Trinkgefäße und theilte den Inhalt desselben fast ausschließlich mit einem einzigen ihrer Genossen. Nye konnte blos zwei bis drei Schluck erobern. Die Matrosen waren warm gekleidet, die Passagiere nur leicht, und sie litten deshalb seh^ von der Kälte. Die erste Nacht verging in düsterem Schweigen; dann tagte ein Morgen nach dem andern und weckte einen trügerischen Hoffnungsschimmer, der mit einbrechenver Finsterniß einer Dumpfen Verzweiflung Platz machte. Am dritten Tage erlag einer Der Dulder, reffen Dünne Bekleidung ihm keinen hinreichenden Schutz gegen die rauhe Witterung gewährte, den vereinigten Wükungen der Kälte und des Hungers. Seine Leiche waro von den Ueberlebenden den Fluchen übergeben. Ihm folgte bald darauf eine Frau, Die in den Armen ihres Gemahls und ihres Töchterchens starb. Der vierte Tag kam heran und mit ihm dieselbe wilde See, derselbe bleifarbene Himmel; kein Hoffnungöstrabl ringsum zu erspähen! Die Kälte war grimmig, kein Tropfen Wassers war vorhanden, und von Brod blieb nur noch ein geringer Rest übrig. Die menschliche Natur schien der Wuth der Elemente und dem Mangel kaum länger Trotz bieten zu können. Da leuchtete plötzlich mitten in der Nacht der Verzweiflung das weiße Segel einer Brigg herein. Sie war nicht sehr weit entfernt; mit allen Kräften ruderte man auf sie los und suchte sich, so gut es ging, durch Signale bemerklich zu machen. Einige Zeit lang1 glaubte