Hersfelder Anzeiger.
sr*. S8. Hersfeld, den 10. Mai. 1856*
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Schreinermeister Carl Friedrich Lauckhardt jun. zu Cassel das Prädikate »Hof-Schreinermeister« zu ertheilen, den zu der erledigten Stelle des Syndikus und Sekretär der Landesuniversität gewählten Obergerichtsrath a. D. Hermann Platner zu Marburg als solchen zu bestätigen, dem vom Erblandpostmeister dem Herrn Fürsten von Thurn »nd Taxis zum Assistenten bei dem Postamte zu Carlshafen in Borschlag gebrachten Postpraktikanten Christian Scheele zu Kassel die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.
Scenen aus Amerika.
Von D i e t l o f.
2. Die Freunde in der Noth.
(Fortsetzung und Schluß.)
Nachdem einige Zeit in behaglicher Ruhe verflossen war, nahm der Fremde folgendermaßen das Wort:
„Liebe Leute, ich bin Euch sehr zu Dank verpflichtet. Ihr seid nicht allein meine Retter aus drohender Lebensgefahr, Ihr kommt mir auch, dem Fremdling, mit Freundschaft und meinem Herzen mit so wohlthucnder Liebe entgegen. Ich bin es Euch gewissermaßen schuldig, Euch meine letzten Lebensschicksale zu erzählen und die Ursache anzugeben, die mich in dieses Land und in diese Berge trieb. So werde ich zugleich mein Herz erleichtern.
Mein Name ist Andre und mein bisheriger Wohnort war New-Orleans in Louisiana. Mein Leben war bis noch vor wenigen Wochen ein ruhiges, ich kann sagen ein glückliches. Ich will Euch mit der Erzählung der Ereignisse meines früheren Leben verschonen sie sind zu gewöhnlich und unbedeutend, als daß sie Euch interessiren könnten.
Mit einem ziemlich bedeutendem Vermögen, das ich besitze, hätte ich recht glücklich leben können, wenn nicht ein widriges Ereigniß dazwischen getreten wäre und mir das Leben verbittert hätte.
Ich machte die Bekanntschaft einer jungen Dame in meiner Vaterstadt Neu Orleanö, deren sanftes, liebenswürdiges Wesen mich so anzog, daß ich fest bei mir beschloß, sie oder keine zu ehelichen. Je länger ich ihren
Umgang genoß, je mehr überzeugte ich mich von ihren Tugenden, von ihrer Herzensgüte, kurz von allen den Eigenschaften eines Weibes, die einen Mann nur glücklich machen können. Mein bisheriges, ruhiges, zufriedenes Leben, das nur Abwechselung fand in den Handelsgeschäften, denen ich oblag, sollte — so träumte ich — durch den Besitz eines reizenden Weibes, wie Henriette war, den Gipfel des Glückes ersteigen. Täglich besuchte ich meine angebetete Braut, und keine Stunde war ersehnter als diejenige, die mich zuHenrictten führte. Jeden Abend, sobald mein Comptoir geschlossen war, wanderte ich vergnügt zu der Wohnung der Geliebten, die mit ihrer Mutter einer Beamtenwittwe eine kleine Wohnung in einer wenig belebten Straße inne hatte. Mutter und Tochter lebten sehr eingeschränkt von einer Pension, die Erstere bezog. — Ohne mich rühmen zu wollen — und wo könnte ich das, da es galt, einem geliebten Wesen zu helfen? — kann ich wohl sagen, daß ich die Umstände der beiden Damen, auf eine Weise, die ihr Zartgefühl nicht verletzte, bald verbesserte und behaglicher machle. Ich selbst befand mich ja wohler und glücklicher, wenn es meiner Henriette nur wohl erging.
Eines Tages bat ich meine Verlobte, mir zu erklären, wenn sie wünsche, daß unsere Verbindung festgesetzt werden sollte. Sie antwortete mir, indem sie so holdselig mich ansah: „Lieber Andre, in zwei Monaten soll des Priesters Hand unsern Bund einsegnen. Ich habe noch manche kleine Einrichtungen für meinen künftigen Ehestand zu machen."
Mir schien, als Liebenden, die Zeit noch ziemlich lange, doch ich geduldete mich gern, da sie es wünschte.
Freunde, ich will mich nun kurz fassen: denn die noch nicht vernarbte Wunde blutet bei der Erinnerung Dessen, was ich nun noch zu erzählen habe. Eines Tages — es war zwei oder drei Wochen vor der festgesetzten Trauungszeit — schließe ich meine Geschäftsstube viel früher alS sonst: — die Liebe trieb mich zu Henrietten. Sie freudig zu überraschen, trat ich zu einer Hinterthür in den kleinen Garten des Hauses, was ich sonst nie gethan hatte. Ich will schnell hindurcheilen, um in daS Haus zu kommen. Da hörte ich in einer von Weinlaub dicht umzogenen Laube etwas flüstern. Neugierig blicke ich durch eine Oeffnung, und was sehe ich? — meine Henriette, meine angebetete Braut, in