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Es war an einem Sonntage. Die Menschen feie rrten mit der Natur eine heilige Sadbatruhe. Speyer lag in so friedlicher Stille im Schooße des erwachenden Frühlings, daß man fast keine Ahnung davon hatte, daß hier ein französischer Waffenplatz mit zahlreicher Besaz- zung sei; daß die empörendste Willkür ihr gottloses Spiel mit den heiligen Rechten der Menschen treibe; daß jedes Geschäft darniederliege, alle Betriebsamkei, erlahmt und der letzte Rest von Wohlstand aus der Neige sei, da sich die Erpressungen und Kriegssteuern endlos erneuerten. Es war nicht zu ahnen, weich' ein ungeheurer Kummer auf den Herzen der Bürger lag, die nach so langen Leiden kaum mehr auf Rettung und bessere Tage zu hoffen wagten.
Der Bürgermeister Burkhard unterhielt sich mit Marien von den'Tagesereignissen — als Beide von einem Besuche überrascht wurden, der ihnen nichts weniger als willkommen war. Es trat nämlich Erdmann in Harpt« Mannsuniform ein grüßte mit militärischem Anstande und nahm den angebotenen tot$ bereitwillig an.
„Was verschafft mir die Ehre Eures Besuches, Herr Hauptmann?" redete ihn der Bürgermeister mit schlecht verhehltem Unwillen an.
„Mein Besuch ist zunächst die Folge des Anstandes, der mir gebietet, dem Stabtvorstanve in meiner neuen Würde meine Aufwartung zu machen; denn heute zum ersten Male trage ich die Hauptmannsuniform meines großen Königs."
„Eures Königs?" sagte Marie mit einem Blicke, der zugleich den bittersten Hohn und die tiefste Verach- tung verrieh.
„Mein Gönner, der Herr General, beschenkte mich im Namen des Königs^ mit dem Öfsicierspatente und gab mir die Versicherung, mich bei der nächsten Auszeichnung noch weiter zu bevenken."
„Gut für Euch, daß Ihr in so hoher Gunst steht," sagte das kühne Mädchen. „Aber was gebt vas uns an? Oder glaubt Ihr etwa, diese Kunde erfreue uns?"
„Ich glaubie zu dieser Hoffnung berechtigt zu sein. War ich nicht ehemals Euer Gespiele, und gehörten wir nicht einem Vaterlande an?"
„Das Ihr verrathen habt!" erwiderte Marie mit Bitterkeit.
„Sind wir nicht wieder Landsleute? Habt ihr nicht unsern großen Ludwig als rechtmäßigen Herrn an« erkannt?"
„Lassen wir das, Herr Hauptmann!" sagte der Bürgermeister, der das Gespräch abbrechen wollte. „Sagt, was Ihr uns noch bringet. Habt Ihr etwa einen Auftrag vom Herrn General, der unsere etabt angeht?"
„Nicht auf Befehl des Herrn Generals bin ich hier, sondern auf sein Anrathen. Euer Sohn ist todt!"
„Leider!" sagte der betrübte Vater.
„Es schmerzt mich," fuhr der Heuchler fort, „daß ich diese Saite berühren muß, denn auch ich habe den
jungen Mann geliebt, und hätte ihn nicht ein unerwarteter Tod hinweggerafft, so wären wir gewiß Freunde geworden. Aber es sollte nicht sein, und wir müssen unS in das Unvermeidliche fügen."
„Ich danke Euch für Eure Theilnahme. Aber wozu dient es, daß Ihr die Wunde, die bereits zu vernarben angefangen, wieder ausreißet? — Kommt zur Sache, ich bitte Euch darum!"
„Herr Bürgermeister!" sagte der freche Bursche, „wir sind Drive in hiesiger Stadt geboren; meine Ael- tern waren brave Bürger und verwendeten viel auf meine Erziehung. Ich verlebte glückliche Kinderjahre, denn wir wohnten in der Nähe des Doms, und ich hatte dadurch Gelegenheit, des Domglöckners Töchlerlein oft zu sehen und uno mit ihm zu spielen. Marie war ein liebes Kiuv und verrieth schon frühzeitig einen sel'enen Verstand, der uns Alle überflügelte. Wie das Kind, so die Jungfrau! Ich sah sie heranwachsen; die herrliche Knospe entfaltete sich zur schönsten Blume und — sie ward mir theuer!"
(Fortsetzung folgt.)
Vermischte S.
Aus Paris meldet die „Köln. Ztg," daß der Prinz Jerome (ehemaliger König von Westpfahlen) dem Tode nahe sei; die Lungenenlzünvunng hat Fortschritte gemacht und seinen Zustand verschlimmert.
In Odessa sieht es traurig aus, täglich stirbt eine erschreckende Menschenzahl am Typhus, dem hauptsächlich jüngere Leute unterworfen sind, über 20,000 Soldaten sollen in den Hospitälern liegen. Geschwollene Drüsen am Halse und unter den Armen begleiten die Krankheit und an den Leichen zeigen sich dunkelblaue Flecken. Auch 16 Aerzte sind in einer Woche ein Opfer der Krankheit geworden. Dazu kommt die bei einer großen Anzahl 'von Familien herrschende entsetzliche Armuth; die Trödler allein befinden sich wohl dabei, denn bei ihnen findet man Gegenstände aus den anständigsten Familien, welche aus Noth, wie zu denken, verkauft werden mußten, wahrscheinlich um Spottpreise.
In Berlin hat der wirkliche Geheime Oberregie« rungsrath Dr. G. W. v. Räumer, Director im Ministerium des Königl. Hauses, am 12. d. Nachts seinem Leben in gewaltsamer Weise ein Ende gemacht. Man bringt diesen Vorgang mit dem beklagenswctthen Duell in einen ursächlichen Zusammenhang, der jedoch noch nicht näher bezeichnet wird.
Aus Berlin wird ein neues Duell mit einem tödt- lichem Ausgange gemeldet, welches ist Potsdam stattge- funden; das Opfer derselben ist ein Graf Canitz, Kammerherr der Königin. Nach dem preuß. Strafge-