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verwundet lag. „Friedrich mein Lebensretter, wie geht es Dir?" fuhr er dann zu dem preußischen Soldaten fort, der bei ihm war.
„Ich habe nur einen Streifschuß bekommen und werde bald wieder der Alte sein,« war die Antwort. „Dann kann's wieder tapfer darauf losgchen."
„Weiß Gott," sprach Eggen, „daß mein Haß gegen die Franzosen sich plötzlich vermindert hat. Es ist, als habe mich der Allmächtige demüthigen wollen, weil ich die Kerle immer so verwünscht habe. Durch diese Wuth gegen sie habe ich mir auch in dieser Schlacht meine Wunde zugezogen."
„Dafür haben sie auch^Mpfer gekämpft, Herr Un# terofficier," sagte Friedrich.
„Lange noch nicht tapfer genug; die Kerle müßten gleich Alle von der Erde vertilgt werden, damit sie nicht mehr anderen Ländern den Frieden und das Eigenthum nehmen. O wie freute ich mich, als ich höite, daß unser Kaiser sich mit Preußen und Rußland verbunden hätte! Ja, so hatte ich's gewünscht, nun konnte ich tapfer kämpfen für den Frieden, für daS Rechte. Ich kann meinen Zorn immer noch nicht unterdrücken, wenn ich an die Unmenschen denke, und wahrlich, eS kann mir nicht verdacht werden."
„Haben sie Ihnen besonders webe gethan?"
„Ach," seufzte Eggen, „sehr, mein häusliches Glück ist durch sie zerstört! — Friedrich, Du bist eine treue Seele, ich bin Dir ewig Dank schuldig, Du sollst mein Schicksal erfahren."
Friedrich machte zuvor noch einen neuen Verband um Eggens und seine Wunde mit den Worten: „Hoffentlich wird der Chirurg bald kommen," und ließ sich sodann auf das Stroh neben dem Unterofficier nieder, welcher also erzählte:
„Ich war Besitzer eines schönen und einträglichen Landgutes in Oesterreich, und genoß mit meiner Gattin ein stilles häusliches Gluck. O meine theure Anna! Ja, wir lebten glücklich, wenigstens so glücklich, wie es Menschen sein können. Doch bald sollte die schöne, traute Harmonie zerstört werden. Der Krieg drohete und kam zum Ausbruch. In dem für Oesterreich so unglücklichen Jahre 1809 mußte auch ich Alles aufopfern. Die ganze Gegend war von den Feinden besetzt, deren Betragen ein rohes, unmenschlichrs war. Die größten Gräuel wurden verübt. Alles verwüstet. Eines Tages ließen mich nothwendige Geschäfte nicht zu Hause, mit trüber Vorahnung umarmte ich meine geliebte Gattin zum Abschied, jetzt drückte ich noch einen Kuß auf ihre Rosenlippen ach! den letzten, und ging, um sie vielleicht nie wieder zu sbhen. Als ich am Abend heimkehrte, waren die Gebäude in Schutthaufen verwandelt und mein theures Weib mit unserm einjährigen Kinde war nicht zu finden. O welcher Schmerz war da in meinen Herzen! Jedoch was Halsö? Sei ein Mann, sprach ich zu mir, und übergieb dein Schicksal dem himmlischen Vater, er wird Alles zum Besten kehren. Noch einen
Blick des Jammers warf ich zu dem zerstörten Meini- gen hin, und nun vorwärts mit Gott! Da gewahrte ich ein goldenes Medaillon, ach! ich erkannte es bald wieder; dasselbe, unsrer Beiden Bildniß enthaltend, hatte ich als Bräutigam einst meiner geliebten Anna geschenkt. Als ein Heiligthum verwahre ich es und habe es immer an meinen Herzen. Dort kann ich stets das holde Antlitz sehen, sowie es als Engel mir vor der Seele schwebt. O weh, dachte ich, "wenn deine Lieben ihr Grab in den Flammen gefunden hätten! Ich schauderte und suchte den Gedanken zu unterdrücken. WaS aus meiner Frau und dem Knaben geworden, konnte ich aber nirgends erfahren.
Wie ein Blitz kam es mir ein, Soldat zu werden. Ich wanderte nach Wien und bald hatte ich wieder den bunten Rock an, wie damals vor zehn Jahren."
„Konnten Sie nicht Officier werden?" fragte Friedrich unterbrechend.
„Ich hatte keine Connerionen," antwortete Eggen. „So lange man reich ist und immer tüchtig geben kann, ist man angesehen, wendet sich aber das Schicksal, dann bleibt von ven sonst so vielen guten Freunden selten Einer. — Ich wurde also Soldat und wollte mich rächen an den Barbaren. Du willst das Vaterland vertheidigen, dachte ich, und den Frieden erkämpfen, damit wieder Ordnung herrschen und das Vaterland sich des edlen Friedens erfreuen kann; dann kannst du wieder froh statt des Säbels den Pflug ergreifen. — So lange hat mich der Herr glücklich durchgeholfen, bis ich hier bet Leipzig verwundet wurde, und ich glaube nicht, daß ich durchgekommen wäre, hättest Du Dich nicht, treuer Friedrich, mir Hülfreich gezeigt."
„Sie beteten so ergreifend, Herr Unterofficier.«
„Ach, ich sah' meinen einzigen, geliebten Bruder, von einer Kugel getrosten, vom Pferde sinken- So sterben denn Alle die Deinigen, sagte ich zu mir, nur du allein sollst sie betrauernd übrig bleiben. Heftig brannte meine Wunde. Bald dachte ich, wirst du alle die Geliebten Wiedersehen und innig flehte ich zu Gott, daß er sich meiner erbarmen und'mich aus dem Kriege zum ewigen Frieden nehmen möge. Doch der Wille des Höchsten scheint ein anderer zu sein; denn meine Wunde heilt, und bald werde ick mich wieder in den Reihen der Krieger befinden. Nun, wie Gott will."
Eggen schwieg, als ein Militär-Arzt eintrat. Er besichtigte des Unterofficiers und Friedrichs Wunde, rieb sie mit einer Salbe ein .und verband sie ordentlich, worauf er sich entfernte. Er war noch nicht 50 Schritte gegangen, als ein Adjutant von beiläufig 20 Jahren mit einem blonden Bärtchen ihn anrief: „Ist der Un- terosficier Eggen von unserm Bataillon geblieben, oder lebt er noch? Viel verloren, auf Ehre!" — „Derselbe gehört zu meinen Patienten," war die Antwort. „Ich glaube wenigstens, daß es der ist, welcher in jenem Häuschens dort liegt, woher ich eben komme. Er war