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Sersfelder Anzelgcr.

Mp. 103* Hersfeld, den 29. December. L8SS.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Rittmeister von Schenck zu Schweinsberg vom 1. (Leib-) Husaren-Regiment mit Pension auSscheiden zu lassen, und demselben den Charakter als Major zu ertheilen,

. den Nechtspracticanten Heinrich Heuser in Jesberg zum Actuar bei dem Justizamte I in Marburg provisorisch zu bestellen,

zur Ernennung des seitherigen Berwesers der katholischen Pfarrei Ulmbach, Landkapitels Ncuhos, Franz Kind zum wirk­lichen Pfarrer daselbst die allerhöchst landesherrliche Genchmt- gung zu ertheilen,

den praktischen Thierarzt Hermann Lambert zu Felsberg zum Kreisthierarzt für den Kreis Schlüchtern provrsorisch zu de- fteüen, und-.

den Hauptzollamts-Praktikanten Heinrich Andreas zum Controleur bei dem Steueramte zu Schmalkalden provisorisch zu ernennen,

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Die ewige Braut von Kandeek.

Erzählung von

Adolph Görling.

V (Schluß.)

Von einem Dörfchen an der Grenze aus machte Rüdiger hierauf unter verschiedenen Verkleidungen seine Streifereien in der Umgegend von Landeck. Er war reichlich mit Kostbarkeiten' und Geld versehen gewesen, als er das Schloß verließ, und er wandle seinen Schatz an,, um die Landleute der Gegend und einige tapfere Busch- und Heerstraßenritier zu einem Zuge gegen Lan­des zu gewinnen. Er konnte bald auf etwa dreihundert Mann zählen, die gut bewaffnet und von dem besten Willen beseelt waren.

Der Bischof resivirte noch immer in Landeck und seine vornehmen Gäste waren ebenfalls noch da, obgleich das Kriegsvolk, mit Ausnahme der Soldaten des Jnnö- hruckers, entlasten worden war. Es waren fahrende Schauspieler und Gaukler aus Nürnberg in Landeck an- gekdmMen und die Herren und Damen schienen das

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Ende ihrer Lustbarkeiten nicht finden zu können. Die Bauern der Lanbecker waren bereits mit Steuern scho­nungslos in Anspruch genommen, was sie um so mehr erbitterte, als sie seither höchst glimpflich behandelt wur­den. Als der Druck zu einer bedeutenden Höhe gestiegen war, erkannte Rüdiger, daß seine Zeit für die Ausfüh­rung, seines Plans gekommen sei.

Es handelte sich nur noch darum, einen Waghals aufzufinden, der einen Streich ausführte, wobei er muth- maßlich sein Leben einbüßen würbe. Und hierzu wollte sich Niemand verstehen.

Bon ungefähr traf Rüdiger mit einem aus Rom kommenden bärtigen Pilger zusammen, der nach den Na­men der verschiedenen Burgen der Umgegend fragte, auf Leuen, er Aufnahme zu finden hoffen'konnte. Rüdiger nannte ihm Landeck uuLmmhMMMPM. lustige Wirth-

Pfui!" sagte der ernste Mönch entrüstet.Dahin gehöre ich nicht; aber die Strafe des Himmels für sol­chen Frevel eines Priesters wird glicht ausbleiben. Ich kenne diesen Bischof und seine Spießgesellen, sage ich Euch, denn ich bin, wie ich Euch nicht verbergen will, in Botzner Bisthum geboren, mag aber meinen Namen nicht nennen, bevor ich mich nicht an meinen Feinden gerächt habe."

Ihr seid Matthias von Landeck!" rief Rüdiger laut aus.

Nein, mein Freund, aber er war mein Waffen­bruder und könnte ich etwas für ihn ober für seine Tochter thun, mein Leben wollte ich daran setzen."

Ist daS Ernst? Ich werde Euch beim Wort halten."

Thuts doch."

Nach einem feierlichen Gclöbniß des Schweigens eröffnete Rüdiger seinen Anschlag und der Pilger ging sofort nach Schroffcnstein ab. Am andren und folgen­den Tage bestellte Rüdiger seine Hülfsgenossen, zum An­griff auf Landeck sich die folgende Nacht bereit zu hal­ten. Die Leute erschienen fast alle uno die Hausen ord­neten sich am Fuße des Burgberges, während oben noch