Hersfeldcr A nzciger.
Nv. Los. Hersftld, den 22. December. 1855.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst ^erubet:
' ten Uhrmacher Heinrich K » chendorfer jun. zu Lasset zum Hof.Uhrmacher zu ernennen,
auf den Antrag des Erblandpostmeisters, Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zu der nachgesuchien Dienstentlassung des Postverwalters Schmitt zu Schwarzeufels die allerhöchste Genehmigung zu ertheilen,
den, auf erfolgte Präsentation von dem Senate der freien Stadt Frankfurt zum Assistenten bei dem dortigen Hauptsteuer, amte ernannten LtcueramlS - Controleur Nudolph Hose zu Schmalkalden auS dem Staatsdienste zu entlassen,
den Forstinfpector Messet zu Marburg zur Forstinspection Frankenberg, sowie
den Forstinfpector von Gehren in Frankenberg zur Forst- inspection Marburg und
den Reviersörster Kleeberger zu Hombressen zum Forst- revier Niederbeisheim
in gleicher Eigenschaft zu versetzen,
die erledigte Landbaumeisterstelle für den Kreis Hanau dem Landbaumeister Johann Philipp Lichtenberg zu Schmalkalden zu übertragen,
den Bauconducteur Adam Heinrich Ludwig Böck el zu Cas- set zum Vorstand des technischen Büreau's der Oberbaucommis- ston, unter Beilegung des PrädieatS „Bauinspector" provisorisch zu ernennen,
den Obervorsteher des Hospitals Haina, Carl Friedrich von L engerke, in den Ruhestand zu versetzen.
Die ewige Brarrt von KandeF.
Erzählung von
Adolph Görling.
(Fortsetzung.)
Voran dem kriegerischen Zuge ritt auf einem frurt» gen Schimmelh engste ein Geistlicher, welcher mit vollendeter Gewandtheit sein Roß bändigte. Dies war der Bischof von Tyrol: ein schöner, fetter Mann »oti dreißig Jahren höchstens. Er schien mit dem Vorsätze gekommen zu sein, sich länger auf Burg Landeck aufzuhalten und das lange nicht besagte Jagdrevier der Burg
gründlich abzusuchen. Er trug auf seiner segenspenden- den Rechten einen grauen Falken und hatte Jäger und Falkoniere im Gefolge. Dicht hinter ihm kam der Herr von Schroffenstein in schwarzer Rüstung, der übermüthig, seine lange Lanze um den Kopf schwang. Neben diesem erschien die Riesengestalt des Herrn von der Nellenburg mit rothem Heimbusch und den Führern folgte eine glänzende Schaar von wüthigen, lebens- und'kampflustigen Rittern. Dann kamen die bischöflichen Wehrmänner mit ihren heiligen Fahnen und ein langer Zug von berittenen Knappen und Knechten machte den Beschluß.
„Es ist himmelschreiende Sünde dieser Verrath!" schluchzte Margarethe, „Nie kann dieser Mann, der sich einen Priester nennt, sein Bubenstück verantworten."
Der Bischof war vor dem Trutzthurme angekommen und zeigte lacheno aus Die geöffnete Pforte.
»Wir hätten gedacht," lachte er, „daß unser schönes Beichtkind droben besser ihre Schätze bewachen gelernt hätte. Was Landeck betrifft: so scheint sie gar nicht so spröde zu sein, wie Herr von Schroffenstein uns glauben machen will. Reitet Ihr nur immer zuerst, Ihr Herren," fügte er dann hinzu, »ich trage keine Stahlstiche, gleich Euch, und da möchte mir ein scharfer Armbruslbol- zen nicht eben wohl bekommen."
Der äußere Hof füllte sich mit Bewaffneten und noch immer waren alle Feinde nicht eingerückt.
ES erging jegt die Aufforderung zur Uebergabe der Burg. Rüdiger und Margarethe erschienen auf der Zinne des viereckigen Thurms und das Edelfräulein erhob jetzt die Hand, um bei der erfolgenden lautlosen Stille, mit heller, fester Stimme nach dem Recht zu fragen, weshalb ohne Febveerklärung ihre Burg durch Hinterlist mit Feinden gefüllt sei.
Bei meinem Schutzpatron!" sagte der Bischof, welcher unverwandt die liebliche Gestalt Margarethens betrachtete, „der Schroffensteiner ist wegen des Verseiftes dieser Perle zu beklagen. Kanzler Pancraiius, 'wollt Ihr den Leuten da oben unsern Befehl und unser Recht zu wissen thun."
Ein alter Herr kam auf einem Maulthiere herbei