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Hersfelder Anzeiger.

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M-. 1OO* Hersfeld, den 15. December. 18LL.

Der »Hersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und SonnarendS. Preis diffelben bek der Erp«. dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Szr. 6 Htlr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeige» «Her Art werden ausgenommen uud die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hür. berechnet.

Verordnung vom 6ten December 1855, das Ver­bot der Zahlungen mit fremden Papiergeld unter Zehn Thalern betreffend.

Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Wil­helm der Iste, Kurfürst rc. rc. erlassen, um den Nach­theilen thunlichst vorzubeugen, welche durch das in meh- reren Staaten gegen das auswärtige Papiergeld erlassene Verbot einzutreten drohen, auf den Antrag Unseres Ge- fammt-StaatSministeriumS nachfolgende Verordnung:

§. 1. Fremdes Papiergeld des Vierzehnthalersußes in Stücken unter Zehn Thalern soll als Zahlungsmittel in Kurhessen nicht gebraucht werden.

§. 2. Unter diesem Verbote sind auch die in einem fremden Staate von Korporationen, Gemeinden, Gesell­schaften oder Privaten ausgcgebcnen Kassenscheine und sonstigen, auf den Inhaber lautenden unverzinslichen Schuldverschreibungen begriffen.

§. 3, . Der Umtausch ^fremden Papiergeldes in Stük- fen unter Zehn Thalern gegen im Verkehr zugelassenes Geld bleibt dagegen erlaubt.

§. 4. Zuwiderhandlungen gegen das Verbot in den §.§. 1 und 2 sollen mit polizeilicher Strafe geahndet werden.

§. 5. Diese Verordnung tritt mit dem 1sten Januar 1856 in Kraft.

Urkundlich Unserer Allerhöchsteigenhändigen Unter­schrift uud des betgevrücklen Smalösiegelö gegeben zu Kassel am ßten December 1855.

Friedrich Wilhelm.

(St. S.)

Vt. v. Stiernberg. Vt. Wiederholn.

Seine Königliche Hoheit der Kurfirst haben allergnädigst geruhet:

den Landbaumeister S ch ut^ zu Hanau in gleicher Eigen­schaft nach Hünsetd zu versetzen,

den Salzrentmeister Feist inSooden auf sein alleruntertha- nigsteS Rachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.

Die ewige Braut von Ban-eck. Erzählung

»an Adolph Gorling,

(Fortsetzung.)

Es lag nicht viel Besatzung in der Burg und die Erbtochter wußte vor der drohenden Gefahr keinen an­dern Rath, als sich an einen Vetter ihrer Mutter, einen Herrn von Zill zu wenden, welcher Obrister der Mann­schaft deS Bischofs von,Tyrol war. Er versprach, daß er sich bei Clemens Andreas von Schecklingen für Mar­garethe verwenden und überdem baldmöglichst selbst kom­men wolle.

Es waran einem hellen Herbsttage, als derThurm- wart auf Lanteck ins Horn stieß, um eine Gesellschaft von sechs geharnischten Reitern anzumelden. Sie tru­gen weiß und ^rothe Feldbinven und auf den Schildern einen rothen Löwen mit goldener Krone, der.ein Kreffz in der Pranke hält. Die Reisigen waren also Solduer des Bischofs von Tyrol.

Voran ritt eine lange, hagere Gestalt in reich mit Silber garnirier Rüstung. Er hatte sein Visir zurück­geschlagen und man sah daher vollkommen ein gebräun­tes Kriegergesicht mit dichten schwarzen Augenbraunen und langer Habichtsnase, dessen finsterer Ausdruck nicht besonders viel Gutes versprach. Die Leute, welche ihm folgten, waren weniger kostbar, aber eben so derb be­waffnet. Alle führten Stoßstangen, Strcitärte und Schwer­ter und ihre Hünengestalten und entschlossenen Gesichter ließen schließen, daß sie dieselben vortrefflich handhaben konnten.

Der Führer setzte sein Horn an den Mund und be­antwortete das Signal deS Thurmwachters.

»Wer zieht heran gegen Lanvcck^" rief der Wäch­ter mit hallender Stimme.

»Der Ritter Hans von Zill mit fünf von den Mannen des Herrn Bischofs von Innsbruck begehrt von dem sehr edlen und hochangesehenen Fräulein Margare­the von Landeck Einlaß und sreundpetterlicher Au'nahme. Möchte sich auch wohl freudig seines Einreitens versehen."

Nach einigen Minuten ward die Pforte gecssuet und auf dem beschriebenen Wege ritten die Reiter in die in­nere Burg, wo der schloßcasteUan und ein schöner sun-