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persfclder Anzeiger.

Nr. Sr. Hersfeld, den 5. December. 1855.

Der ,,Hexsfe lder Anzeiger- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend-. Preis desselben bei der Expe­dition lNeumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hilr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeige« «ller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Vermischte S.

littet Beleuchtung.

»Licht mehr Licht!« erschallt und zwar nicht wie einst aus dem Munde eines sterbenden großen Dichters sondern in den schönsten Gcsellschaflsräu- men w^HA,.dazüMabackdampf mit Miniralölqualm um die W»ÜS'ÄNdurchdringIiche Nebel bereiten, jfgi häu­fig aus dem Munde polinsirenoer, zum Ueberfluß eisen- bahnisirender lichtfreundlicher Gesillschaftsgliever. Nicht von einem, sondern von mehreren Orten her vernimmt man (wie Reisende versichern) dergl. Belcuchtu ngs- Lamento, schier als hätte man mit dem Fürsten der Finsterniß einen Vkidustcrungs-Contract abgeschlossen. Aber hoffen wir! Wie das geistige Licht sich überall hin durch Nacht und Nebel Bahn bricht, trotz aller Widerstrebungen und Ränke feiner ewigen Feinde, wird auch unsere ölgeborene Flamme nach fortgesetzten Versu» chen uns endlich wohl mit Hellem Scheine erfreuen! Und hiermit« wären wir, beim Oese^ angerommen, wo­von hier eigentlich die Rede sein sollte.

Unbegreiflich kommt uns zwar das Steigen der Rapsölpreise vor, da man doch von allen Seilen her von guter Ernte im Wintersaamen gehört hat. Aber ist nicht'manch Anderes auch gerathen Weizen, Gerste, Kartoffeln, Obst rr. und doch in so Hohem Preis? Nun es hat eben Alles seinen Grund, meinte ja selbst neulich eine Sandverkäuferin, als sie 1 Gr. mehr verlangte, »der Sand ist heuer schlecht gerathen!" Sie meinte aber eigentlich nicht den Sand, sondern unsere Miniatur-Groschenbrödchen und drückte sich nur falsch aus.--Lassen wir noch andere täglich hörbare bittere Klagen hier bei Seite liegen, z. B. daß unser Brennholz fortwährend nach Osten, unsere Kartoffeln nach Westen auf der Eisenbahn fliegen, unc bleiben wir beim Oele stehen, so kann es nur als ein erfreuliches Werk der forschreiienben Chemie angesehen werden, daß wir setzt unser Brennöl wie auch Ket-e» aus Stein­kohlen, Braunkohlen und Torf bereiten können, denn dies ist das Rohmaterial, woraus das jetzt in Handel gebrachte Mineralöl oder Photogene, so wie das Paraffin bereitet wird vor der Hand in der Fabrik der neuen Beleuchtungsgesellschasl in Ham­burg, sowie in der Fabrik von Wiesmann u. C. zu

Bonn und von Dennis und Höch bei Ludwigshafen. Erstere Fabrik gewinnt namentlich aus einer schottischen Kännclkohle^das s. g. Hydrokarbür, eine dem ge­wöhnlichen Steinöl sehr ähnliche Flüssigkeit, welche aber den solchen Dcstlllationsproducten eigenthümlichen unangenehmen Geruch nur in geringem Grade besitzt u d namentlich frei von Schwefel ist, wodurch sie sich vor allen ähnlichen Fabrikaten sehr vortheilhaft un­terscheidet und zur Benutzung in geschlossenen Räu­men sich besonders eignet, während das Pbotogene ziem­lich viel Schwefelkohlenstoff enthält, eine Verunreinigung, die unter Umständen in geschlossenen Räumen sehr un­angenehm weiden kann, daher eine unausgesetzte sorg­fältige Beobachtung nöthig macht. Das mit Hydro­karbür erzeugte Licht ist sehr weiß und dem gewöhnlichen Gaslicht ähnlich, dabei die Leuchtkraft von solcher Stärke, daß eine mit Hydrokarbür gespeiste Lampe vier gleiche Oellampen ersetzt. Sei einem Dochtdurchmesser von 9 Linien verbraucht eine Lampe in der Stunde für circa 1^1 Pf. Hydrokarbür, während eine gleichgroße Oel- lampe für 2|| Pf. Rüböl verzehrt. Auch hat es, was bei der Benutzung im Freien wichtig ist, den Vor­theil, daß es stets flüssig bleibt und in der Kälte nicht gerinnt.

Brennen wir also, um Lichtstärke und Reinheit der Luft zu erzielen, falls wir fein Rüb-Oel mehr brennen wollen, Hüdrokarbürl Das obengenannte Pa - rafft n wird aus dem am wenigsten flüchtigen und bei der Destillation zuletzt übcrgehcnden Oele gewonnen, das dann mittelst einer Ccntrifugalmaschine vom Oele voll­ständig abforbirt, geschmolzen, gepreßt, mit 50 pCt. con# centrirter Schwefelsäure behandelt, mit Aetzkali gewaschen und so zur Kerzcnfabrikaiion verwendet wird, welche krystallinisch, fettglänzend erscheinen, und geschmack- und geruchlos sind.

Das baiersche Regierungsblatt enthält eine Verord­nung, das Verbot der Zahlung mit fremden Pa­piergeld in Stücken unter 10 Thlr. betr-, nach welcher bestimmt wird, daß in Bezug auf den Schlußsatz der aller. Verordnung vom 21. Nop., von dem darin aus­gesprochenen Circulationsverbote auswärtiger Papiersor- len die k. preußischen und k. sächsiischen Kassescheine aus­genommen fein sollen.