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Sersfeldcr Anzelger.

srv. 87. Hersfeld, den 31. October. 185».

DerHers selb er Anzeiger- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe­dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Szr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Kriegsrath Ludwig Spangenberg, SectionS-Chef im Kriegsministerium, seinem Ansuchen gemäß in den Ruhestand zu versetzen,

den Unterstaats-Procurator Carl Ledderhosc in Schmal- kalden zum Justizbeamten bei dem Justizamte in Bockenheim,

den Nechtspracticanten Carl Schmid in Fulda zum außer­ordentlichen Criminalgerichts-Affeffor bei tem Criminalgerichte in Fritzlar,

den Nechtspracticanten Eugen Lappe in Ziegenhain zum Seeretar bei dem Criminalgerichte in Schmalkalden, letztern provisorisch,

den Obergerichts-Referendar Heinrich Du y sing in Lasset zum Advokaten bei den Justizämtern Bischhansen, Lichtenau, Svntra und Netra mit dem Wohnsitz in Bischhansen, und

den Obergerichts-Referendar Georg Schwarz in Cassel zum Advokaten bei den Justizämtern Weisungen, Spangenberg und Felsberg mit dem Wohnsitze in Weisungen,

zu bestellen, sodann

dem UmergenchtSanwalt Wilhelm Manns in Amvneburg die Verlegung seines Wohnsitzes von da nach Kirchhain zu ge­statten, auch

den vorhinnkgen Obergerichts-Pedellen Philipp Werner zu Marburg in den Ruhestand zu versetzen,

den Probaiur-Gehülfen Johann Carl Hetzer zum Probater bei der RechnungS-Commission provisorisch zu ernennen.

Bilder auS Amerika.

Bearbeitet von F. Becker.

Der Pflanzer von Paramaribo.

Es war gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, als ein großes Schiff auS Amsterdam in Paramaribo seine Reisenden an's Land setzte, unter denen sich der junge Jansen Hactwyn befand- Arm und mittellos hatte er sein Vaterland verlassen, um hier sein Glück zu suchen. In jener Zeit war es nicht schwer, in den Colonien sein Glück zu machen, und jeder Sohn einer guten Mutter, der den Muth in sich fühlte, nach der neuen Welt zu reisen, oder den eine kluge Familie da­hin schickte, um seine Jugendsünden abzubüßen, mußte ein großer Dummkopf sein, wenn es ihm nicht gelang, hier sein Glück zu finden. Heutzutage geht es freilich

ganz anders zu. Wer von diesem Augenblicke an Jan­sen Hactwyn nicht mehr sah, sondern erst Nach zwölf Jahren wieder traf, würde ihn schwerlich in dem reichen Plantagenbesitzer der Canewine, dem Eigenthümer von fünfzehnhundert Sklaven, dem Mitgliede des Justizeolle- giums der Colonie wiedererkannt haben, der mit seinen prächtigen Pferden und Equipagen die stolzesten Pflanzer verdunkelte; er würde in diesem hochmüthigen Glücksrit­ter nicht mehr den bescheidenen jungen Menschen erkannt haben, der sich damals glücklich schätzte, die Stelle eines Unteraufsehers in derselben Plantage zu erhalten, deren Besitzer er später wurde. Zwei Jahre lang war es ihm freilich hart ergangen in seinem Dienste, wenn er vom ersten Sonnenstrahle bis in die Nacht die Neger beauf­sichtigen mußte, im Winter den süudfluthähnlichen Re­gengüssen, jm Sommer der brennenden Hitze ausgesetzt, von Fieber und von Moskitos gepeinigt, und noch dazu bei magerer Kost und geringem 'Lohn.' Allein bald that er sich durch Diensteifer und Sachkenntniß hervor, wurde Aufseher, dann Buchhalter, dann Oberverwalter mit zehntausend Gulden Gehalt und endlich zuletzt nach dem Tode seines Herrn Eigenthümer der Plantage.

So hatte Jansen Hactwyn mehr und mehr an Reich­thum und Ehren zugenommen, aber zu gleicher Zeit war auch, wie er sich etwa ausgedrückt haben würde, seine Rechnung dort oben gewaltig angewachsen, und es war wohl kein Tag von jenen zwölf Jahren vergangen, wo nicht die Klage eines gepeitschten oder verstümmelten Sclaven zum Himmel ausstieg. Allein das Leben des Pflanzers ward hienieden ganz anders beurtheilt. Die Weißen beneideten ihn um seinen Reichthum und schätz­ten es sich zur größten Ehre, zu seinen Festen geladen zu werden. Seine Stimme gab in den Berathungen stets den Ausschlag, und ein Kopfnicken von ihm war von großem Gewicht. Und wer sollte sich nicht auch Hinzugevrängt haben zu den Festen des reichen Jansen Hactwyn, die so glanzvoll und überschwenglich waren. In Krystall und Gold tranken seine Gäste die Capweine, den Traubensaft Frankreichs, Griechenlands und der kanarischen Inseln: junge Sklavinnen, unter den schön­sten ausgesucht, bedienten bei Tisch und kühlten die Schläfe der Gäste mit kostbaren Fächern. So verstri­chen die Tage in der Stadt, und wenn er sich auf seine Plantagen begabt so fand er hier Tafeln und andere