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Hersfelder Anzelger.

^y* 85> Hersfeld/ den 24. October» 1855*

Der »Hersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Exve- dition tNeumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Premierlieutenant von Baumbach vom Leibgarde- Regiment zum 1. (Leib-) Husaren-Regiment zu versehen.

St. Florent.

(1789.)

Von Adolf Stern.

Den Park umfängt Oktobernacht; die Herbsteswind« ziehen;

^m Saal doch zu Versailles rauschts von Gretry's Melodien,

au eines Festmahls buntem Glanz etklingt es hundert- tönig,

Und wiederhallt an goldner Wand;O Richard, o mein König!"

Verbrüdert beim Burgunderwein sind Führer heut nnd Garden,

Da schmückt man jubelnd Hut und Brust mit Lilien und Cocarven,

indessen man mit Füßen tritt, auf der Portale Schwellen, Die neuen Farben von Pa,ns, die Farben der Rebellen.

Da svrickt der Zorn aus jedem Mund, da glüht vor allen Andern

Sr Morent, der das Banner trägt des Regimentes

° Flandern;

Er spricht im Rausch, doch ist'ö kein Rausch, wie er dem Wein entstammte,

Der seinen Reden Flügel leiht, in seinen Augen flammte:

Nein, der Begeistrung heil'ge Gluth vereint sich seinen Worten,

Sie treibt vom Sitz ihn, als es schallt: »Der König!" an den Pforten,

Sie ift'S, die ihn vergessen lehrt der Sitte strenge Schranken,

Er drängt sich bis zum KöniMaar, versunken in Ge­danken.

Der König überschaut das Fest mit Blicken, hastig, scheuen,

Doch siegesstolz erglänzt das Aug' der Königin den Treuen,

Und St. Florent, er beugt sein Haupt, die hohe Frau zu grüßen,

Dann aber sinkt er auf die Knie, dem Könige zu Füßen!

Er ruft, vom Staunen unbeirrt, mit flehender Geberde: »Ein Wort, mein König, sprich ein Wort, so steigt Dein Heer zu Pferde,

O, möchtest Du uns gen Paris noch diese Stunde führen, Laß länger nicht am Aufruhrheerv den frechen Taumel schären!"

»Laß morgen weh'n von Notre-Dame auf's neu die Li. lienfaynen,

Mein König führ' uns gen Paris: gedenke Deiner Ahnen!

Zum Sterben sind wir All' bereit; o König, zieh' den Degen,

O gieb Befehl! Zu Roß! Und Gott ertheilt uns seinen Segen!"

Die Königin, sie nickt voll Huld dem jungen, kühnen

, Sprecher,

Im Saale aber braust eS laut, zum Läuten aller Becher: »Auf! gen Paris! Das Schwert es flirrt und unsre Rosse scharren!"

Da spricht der König ruhig, kühl: »Läßt uns bis mor­gen harren!"

Der Unmuth seine Schatten zieht im Kreis auf allen Mienen,

Doch St. Florent wird todtenbleich,und lispelt grimm:

»Zu dienen!"

Dann springt er auf und eilt hinweg aus a ll dem Glanz­gepränge,

Schwer athmet er, als ihn umweht die Luft der Mar­morgänge.

Er preßt die fieberheiße Stirn in seine Hände, grollend

Und ruft, im Tone tiefsten Weh's:O, hätt' gewaltig rollend,

Wie Gottes Donner, König, Dir mein Wort in's Ohr geklungen,