pcrsfeldcr Alizelger.
Rp. 84. Hersfeld, den 20. Oktober. 18L5.
Der „Hersfelder Anzeiger- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinz«. __ Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr» berechnet.
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Seine Königliche H oheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den wirklichen Geheimrath Hassen Pflug von der Stelle eines Ministers des Innern und der Justiz,
den Geheimrath Bolmar von der Stelle einer Finanz- Ministers, und
den Geheime LegationSrath von Baumbach von der Stelle eines Ministers des Kurfürstlichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten
auf ihr allcruuterihänigstes Nachsuchen zu entbinden.
den bisher provisorisch im Schlosse zu Philippsruhe augestell- ten Kastellan Heinrich Heisterhagen und
den bisher provisorisch in der Fasanerie in der CarlSaue angestellten Fasanenmeister Anton Diersch
nunmehr definitiv zu bestellen.
Die Belagerung von Bresla«.
Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbe.
(Schluß.)
Noch war der Schlag der neunten Stunde nicht ertönt, als Behrenv, ein Packet Stiften in der Hand, im Vorgemach des Commandanten stand, und in Erwartung der erbetenen Audienz den goldenen Slockknopf in verlegener Haltung zwischen den Fingern drehte. Endlich öffneten sich die Thüren des Arbeitszimmers. Der ernste Befehlshaber saß am Schreibtische, noch beschäftigt, mehrere vor ihm liegende Papiere zu unterzeichnen. 'Adjutanten standen im Hintergründe, unter ihnen der Hauptmann von Bülow. „Meine Herren," sprach mit gebietender Würde der Heerführer, „ich bitte mich allein zu lüften; doch Sie, Haunlmann Bülow bleiben." — Die Anderen gingen. — „Ahnen Sie, Herr Bürgermeister," sprach er dann, sich zu diesem wendend, und auf das Papier deutend, welches er in der rechten Hand hielt, „was ich hier unterzeichnet habe? Ich will es Ihnen vorlesen: „Ein preisliches Commandantur-Gericht wird sogleich die Untersuchung gegen den von mir wegen Hochverrath arrelirten Bürgermeister Behrend und die Gildenäliesten Miltmann und Sieberö eröffnen; es wird sogleich Kriegsgericht über sie gehalten und dasselbe mir binnen 3 Stunden vorgelegt. Zugleich ist ein Cowmando zu bestellen, um sofort die Ercculion zu voll
ziehen." Da sank der Unglückliche erbleichend zusammen und stammelte vor Angst: „Ich flehe um Nachsicht! Ich kam, diese Papiere, die aus dem feindlichen Lager mir durch meinen Beichtvater gebracht wurden, in Ihre Hand zu legen. Daß ich es früher nicht gethan, ist ein Vergehen, welches ich schwer bereue. Ich ward verleitet, einzig nur durch Gründe des Gewissens, der Religion! Erbarmen!" — „Ich weiß," entgegnete um Vieles milder der General, „der Vogel ist ausgeflogen; Ihr solltet ihm zum Werkzeug dienen. Sein Glück ist's, Herr, daß er um mehr als eine Stunde früher kam, als ich Zhu her bestellte. That er es nicht, so möchte er heule noch leicht aus den Sand habe knien müssen. So mag er mit dem Schreck davon kommen" — er zerreißt den Befehl — «und mit einer gelinderen Sirafez die wahrlich eher Belohnung genannt zu werden verdiente. Der Ehrenmann da, dem allein er seine Lebensrettung dankt, der bekommt Seine Tochter, die er seit lange liebt, zur F^au. Und nun Adieu, Herr Bürgermeister, und Sie, lieber Bülow, gehen jetzt gleich zu Ihrer Braut; doch bleiben Sie nicht zu lange, ich bedarf Ihrer!" — Schon eine geraume Zeit waren Beide schweigend neben einander hergeschritten. Endlich, auf das leere Stübchen des RaihskellerS deutend sprach der Haupimann: „Sie sind erschöpft, Herr Bürgermeister! Lassen Sie uns einige Augenblicke hier eintreten, auf daß Sie sich erholen mö- gen!" — Es geschah. Kaum aber waren Sie cingelre- ten, als Bchi end bewegt des Hauptmann's Hand ergriff, und sagte: „Sie haben viel an mir gethan, Herr Haupt- mann vielmehr als ich erwarten konnte, und — ich will es nicht verhehlen — um Sie verdient habe; wie ver- gclt lch das?" — „Es ist vergolten," erwiederte sehr ernst der Hauptmann; „denn eS ist gelungen. Doch bin ich wohl von Ihnen nicht genug gekannt, um nicht dem Scheine, alS habe mich der Eigennutz geleitet, in Ihren Augen blos gestellt zu sein, und darum ist es nöthig, uns zu verständigen. In dieser Absicht nur bin ich, auf das Geheiß des Commandanten, Ihnen gefolgt. Sie gaben ihm, von Den Umständen veranlaßt und vom Augenblick bedrängt, eine Zusage die mich betrifft. Ich führte Sie hierher, nicht um die Bestätigung jenes Wortes von Ihnen zu empfangen, sondern — um eS Ihnen Zurück zu geben. Nicht der gefahrvollen Lage," fuhr er mit erhoheker Stimme fort, „worin eine unvorsichtige