Einzelbild herunterladen
 

- 326 -

zuletzt mit dem Geständuiß seines Aufenthaltes im Klei­derschränke. »Nun wahrlich!" sagte der Befehlshaber, sich einen Augenblick vergessend und mit Lächeln, »unter solchen Umständen mag auch der Bravste dazukommen, einmal im Kleiderschränke zu stecken, obwohl," setzte er gleich darauf ernster hinzu, «eS immer besser sein dürfte, wenn dies nicht geschieht."

Eine lange Pause folgte. Der General schritt nach- denkend aus und nieder; Bülow ftm, trübe vor sich hinstarrenv, am Schreiblische. Endlich trat jener dicht vor ihn hin und sprach: »Besorgen Sie, daß morgen früh 4 Uhr der Pater Fabricius im Cisterzienserkloster verhaftet werde. Zu dem Bürgermeister aber begeben Sie sich bei guter Zeit und bestellen ihn um 10 Uhr Vormittags zu mir in's Haus. Zu gleicher Zeit soll ein Commanvo von 20 Mann mit geladenem Gewehr im Hofe dieses Hauses bereit stehen und nun gute Nachr, Herr Haupimann!" Er nahm bei diesen Worten eine Kerze vom Tische, um in sein Schlafcabinet zu ge­hen: doch in der Thür sich noch einmal zurückwenvenv, sprach er im sanftesten Tone:Ich lege den Befehl, den Bürgermeister zu mir zu bescheiden, in Ihre Hanv, mein lieber Bülow, ich glaube mich auf Sie verlassen zu können." Der Hauptmann ging; er wünschte sich in in das Gewühl der Schlacht und meinte, es müsse unter dem Donner der Kanonen, im dichtesten Kugelregen, ihm wohler sein, als in der Stille dieser peinlichen Nacht, deren Stunden im ruhelosen Nachsinnen über manche Pläne unv Vorsätze ihm lang genug wurden und doch auch wieder allzuschnell vorüber schwanden. Mit dem frühesten Morgen ward ihm die Kunde, Pater Fabricius sei nicht im Kloster zu finden, sondern abwesend ver­muthlich im österreichischen Lager. Eine Wache war im Kloster zurück geblieben, welche jeden Verkehr mit der Stadt streng verwehrte. Es war nur einige Stunden später, als Bülow, trübe und düster hinüber schritt nach der Wohnung des Bürgermeisters. Ihm stockte der Athem in der Brust, als er die Thür öffnete und der helle Klingelzug den Besuch durch die Stille des weiten Hauses ankündlgle. Er weilte im Hintern Hausraume und stand plötzlich vor Marie, welche die Stiege von des Vaters Zimmer herabkommend, ihn mit sichtlichem Erbangen entgegen trat. Sie sah verweint und leivend aus, denn sie war sich der Ahnung dessen, was verging, immer deutlicher bewußt geworden. Des Vaters ge- heimnißvolleS Treiben in den letzten Tagen, sein sonder­bar gespanntes ^Lescn, Bülow'S dunkle Worte, waren schwer aus ihre Seele gefallen. Traurige und schrecken- volle Bilder hatten sich ihrer Einbildungskraft bemäch­tigt, und von ihrem Lager in der verwichenen Nacht den Schlummer gescheucht. »Ich wünsche," sagte Bülow mit fast tonloser' Lttmme, und ceö Mädchens Hanv ergrei­fend, »Deinen Beuer zu sprechen; wo find' ich ihn?" «In seinem Zimmer," antwortete Marie, auf die Thür zeigend,aber o Gott im Himmel, was ist Dir?!

Bülow, was ist Dir was geht vor was willst

Du bei dem Vater?!"Ich komme im Auftrage des Generals!" war seine Antwort; dann sie näher an sich ziehend, sprach er leise:Maria, theures Mädchen, fasse Dich! Was auch immer kommen möge, vertraue mir und halte fest an Liebe und Glauben!" Mit diesen Worten hinwegeilenv, stand er nach wenigen Au­genblicken im Gemach deS Bürgermeisters, welcher am Schreibtische saß, und bei des' Hauptmanns Eintritt nicht ohne Ueberraschung sich erhob und ihm entgegen!» schritt.Ich komme," sprach dieser, ihn ernst grüßend, im Auftrage des Commanvanten, unv soll Sie, Her» Bürgermeister, heute Bormittag um 10 Uhr zu ihm bc» sebciven."Ich werve mich einfinven," war vie Ant­wort.Haben ver Herr Hauvtmann mir sonst noch etwas zu sagen?" fragte er als dieser noch zögern» stand. Bülow aber erwiederte gedehnt und mit scharf auf ihn geheftetem Blicke: »Wo wohnen denn, Herr Bürgermeister, die beiden Gildeältesten Mittmann unv Siebers? Auch an diese habe ich Aufträge, und der Schwertfeger Hergaß, wohnt er nicht bei St. Eli­sabeth? Ich muß mir meine Klinge bei dem Mann schleifen lassen. Es soll ja wie in einem Zeughause bei ihm aussehen; da wirv man wohl noch andere Waffen haben können?!" Behrend ward immer bleicher, so wie diese Fragen auf einander folgten, und behielt kaum Fassung genug, sie zu beantworten. Aber der Haupt- mand schaute ihn unverwandt an, und schritt dann, ihn zum Abschied grüßend, aus Dem Zimmer. Kaum hatte er sich entfernt, als Behrcnv von der Ahnung durch- schauert, daß seine Absichten entdeckt seien, hinweg und auf Umwegen nach dem Cisterzienserkloster eilte, mit dem Pater Fabricius sich zu berathen. Die Wache wies ihn am Eingänge zurück und seine Ahnung ward zur Ge­wißheit. (Schluß folgst)

Verwischtes.

In einer Menagerie, die sich gegenwärtig in Til­sit, befindet, hat sich der Unglückösall ereignet, daß ei­ner der Besucher, welcher einem Bären ein Stück Brod in den Käfich reichte, von diesem gepackt und dermaßen zerfleischt wurde daß sofort eine Amputation der linken Hand erfolgen mußte.

Im Holzarten zu Coburg wurde dieser Tage an einer Fichte, .in der Höhe von 18 Fuß, ein junger gänz­lich unbekannter Mann erhängt gefunden. Am Fuße deS Baumes waren seine eleganten Stiefeln, Glaceehanv- schuh, Hut und ein kleines Likörfläschchen nievergelegt. Bei ihm fand sich nichts, was Auskunft über ihn hätte geben können.

K§* ES kursiren falsche baierische Halbgulvenstücke mit c er Jahreszahl 1848 aus Neusilber, kennbar an ih­rer in's Gelbe gehenden Farbe und an der schlechten Gravirung der Kopfseite.