Hersfelder Anzeiger.
Nr. 83. Hersfeld, den 17. Oktober. L8SS.
Der „Hersfelder Anzeiqer» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstallen kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. bercchnet.js
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst 'üben allergnädigst geruhet:
den bisher provisorisch bei dem Oberhofmarschall-Amte ange- stellten Calenlator Gustav B r a n d a u nunmehr definitiv zu bestellen,
dem Premierlieutenant »an derHoeven vom 1. (Leib-) Husaren-Regiment den allerunterthänigst nachgesuchten Abschied zu bewilligen,
den Hauptmann » o n Soden st er n, Provinzkommandant der Landgendarmerie zu Marburg mit Pension aus scheiden zu lassen,
den Premierlieutenant von Bork v»m Leibgarde-Regiment demselben zu aggregiren,
den Seeondlieutenant von Loßbevg vom Leibgarde-Regi- ment zum Premierlieutenant in demselben.
den Seeondlieutenant von Gilsa vom 2. Infanterie-Regiment zum Premierlieutenanr im 1. Infanterie-Regiment (Kurfürst) zu ernennen, sowie
die Secondlieutenants von Lengerke vom 1sten Infanterie-Regiment (Kurfürst) und von Diemar vom 3. Infanterie- Regiment zum Leibgarde-Regiment zu »ersetzen,
den Amts-Affessor Jean Reul in Hanau zum ordentlichen EriminalgerichS-Asseffor bei dem Criminalgerichte in Fulda zu bestellen,
dem außerordentlichen Pfarrer und bisherigen Pfarr-Assisten- ten zu Berneburg, Eeuard Wilhelm S ch u ch a r d t aus Slcindach- Hallenberg, die erledigte Pfarrei Böikershaufe», in der Klaffe Eschwege,
dem außerordentlichen Pfarrer und bisherigen Pfarr-Assistcn- ten zu Leckringhausen, Reinhard Wehr aus Caffel, die erledigte Pfarrei Röhrda, in der Klasse Eschwege,
dem außerordentlichen Pfarrer und bisherigen Pfarreiver- weser zu Densberg, Ernst Schwer heil aus Loshausen, die erledigte Pfarrei Sachsenhausen, in der Klaffe Trepsa,
dem Pfarrer Schmidt zu Allendorf a. L. zugleich die erledigte VicariatSpfarrci Rommershausen in der Klasse Trcysa zu übertragen,
den RegierungS-Referendar Theodor Wunderlp in Hanau zum Regierungs- Assessor und ordentlichen Referenten bei der Regierung in Caffel, und
den praktischen Arzt Dr. griekrich Wild zu Caffel zum Arzt und Wundarzt des reformirikn Waisenhauses daselbst,
Beide provisorisch zu bestellen,
den Consistorial-Cassirer Appel zu Caffel in den Ruhestand zu versehen,
dem Ober-Buchhalter Becker bei der Abtheilung des Fl- »anzministeriunis für die Domänen daS Prädikat „RechnungS- rath" zu verleihen,
den Forst-Inspections-Accessisten Ernst Wilhelm Israel jU Rotenburg zum Revierförster des Forstreviers Michelsrombach provisorisch zu ernennen, und
den HaüptzollawtS-Controlem WöriShoffer zu Witzen- Haufeu in den Ruhestand zu »ersetzen.
Die Belagerung von Breslau.
Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbe.
(Fortsetzung.)
»Alles ist vorbereitet. Dix Bürger sind gut kaiser- sich gesinnt und werden mit Euch gemeinsame Sache machen, morgen Nacht, f Uhr die Preußen zu Überfälle!» und zu besarmiren. Zu gleicher Zeit werden wir mit stürmender Hand einen Angriff machen und Euch von Außen her zu Hülfe kommen. Nehm' Er also nur seine Maßregeln so daß Alles mit dem Glockenschlage Eins bereit ist, die Wache zu überfallen. Es kann nicht mißlingen, falls Ihr nur Muth habt und Euch brav schlaget. v. Platz."
„Es ist entschieven!" rief der Hauptmann, „ich darf nicht länger zögern." — Katharina aber sank zu seinen Füßen, unv bat um die Bergünstigung, hier hleiben und Hoffmann's Schicksal, wie es auch falle, mit ihm theilen zu dürfen.— „Steh' auf, armes Kind!" sprach er mit Rührung, „und trockne Deine Thränen. Es kann wohl Alles noch für Dich gut werden. Wollte Gott, auch für Alle!" Bülow eilte nun zum Commandanten. Er bat um eine Unterredung ohne Zeugen, und theilte dem erstaunten Feldherrn mit was er erfahren. Bewunde- rung, Zorn und Freude wechselten bei diesem; doch konnte ihm des Hauptmanns ungewöhnliche Bewegung nicht entgehen. Er sah ihn mehrmals während der Mit- lheilung die Farbe wechseln, sah, wie innere Anstrengung ihm fast den Athem hemmen wollte. Jmmermehr stieg sein Erstaunen, und in höchster Spannung fragt er endlich am Schlüsse des Berichts: „Aber Herr Haupimann ich bitte Sie, woher wissen Sie dieses V1 lies ?" — „Das," entgegnele Bülow, zum erstenmal stockend, —> „das — Herr General, ist das Geheimniß meines Herzens!" — „Ihres Herzens," lachte Tauenzien, „nun wahrlich, ich sollte meinen, die beiden Pole wären kaum weiter von einander entfernt, als deö Hauptmanns Bü- low's Herz von der Verrätherei. Was hat Ihr Herz damit zu schaffen?" — „Und dennoch," seufzte der Hauptmann, „ist es sehr nahe davon berührt!"
Er setzte nun, von der Nothwendigkeit, Alles sagen zu müssen, überzeugt, so rücksichtslos als offen sein Ber- hüliniß mit Maria dem General auseinander, und schloß