Sersfelder Anzelger.
Rv. 8Z. Hersfeld/ den 13. Oktober. 1855+
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Die Belagerung von Breslan.
Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbc.
(Fortsetzung.)
Bülow, obgleich sonst nicht der Mann, sich zu verstecken, konnte doch nicht wünschen, sich hier antreffen zu lassen. Von der Geliebten gedrängt, von ihrer Angst beschworen, und den schweren Schritt deS Alten schon aus dem Gange hörend, blieb ihm nur eben noch die Zeit, in einen mächtigen Kleiderschrank zu schlüpfen, vor Dessen halbgeöffnete Thür Maria mit schneller Fassung so lange stehen blieb, bis der Bürgermeister mit seinen Begleitern hereintrat, wo sie dann, als habe sie etwas verrichtet, den Schlüssel abzichend, jurücftrat- und sich entfernte. Der Bürgermeister nahm nun mit seinen Genossen unfern des Schrankes Platz, und Bülow vernahm in seinem Versteck eine Unterredung, wobei wohl eher alles Andere, jals die Gegenwart eines so gefährlichen Zeugen für möglich gehalten wurde. Er hörte, daß Alles veranstaltet war, um in der nächstfolgenden Nacht einen Sturm aus die etabt von Außen mit einen Aufstande der Bürger und Gefangenen von innen zusammen- treffen zu lassen. Der Schwertfeger Hergaß wurde als der Aufbewahrer der Waffen, die Gildemeister Milt- mann und «ieberts als Anführer der von ihnen in das Verschwörung!)- Complot gezogenen Bürger genannt. Der Sammelplatz war der Salzring; Nachts ein Uhr die Stunde des Ausbruchs. — Die Empfindungen, welche bei diesen unerhörten Mittheilungen in Bülow's Seele wechselten, möchten schwerlich zu schllcnn versucht werden. — So war denn die böse Ahnung zur Gewißheit geworden, welche bisher dunkel und Unheil verkündend in unbestimmter Gestalt vor seiner Seele schwebte! Es war gewiß, er "Durfte nicht mehr zweifeln. Einjsellsamcs Geschick hatte ihn erkoren, ein Unrecht zu entdecken, das er verabscheute; seine Liebe selbst mußte hier das Mittel werden; aber ach, sie schien auch der Preis, um welchen es ihm vergönnt war, jenen Frevel abzuwenden! Er sah klar das Opfer, welches hier die Pflicht von ihm forderte, und, nicht gewohnt, mit dieser zu Handeln, bedurfte es hier kaum eines Entschlusses, ob auch sein Herz darüber verblute. Mit angestrengter Aufmerksamkeit dem Gespräche der Beiden folgend, blieb
ihm jedoch unmöglich, zu errathen, wer der Begleiter des Bürgermeisters sei, der mit mächtiger Beredtsamkeit und dem ganzen Gewicht patriotisch-religiöser Beweggründe diesen bearbeitete, und seinen, wie es schien, noch nicht ganz sicheren Entschluß zu befestigen suchie. Nirgend ließ ein Spalt, eine Oeffnung ihn einen Blick auf die Sprechenden thun, und vergebens mühte sich der Hauptmann, aus dem Zusammenhänge des Gesprächs einigen Aufschluß über dessen Persönlichkeit zu gewinnen. Doch sonderbarer Weise mußte die Liebe auch hierin ihm behilflich sein. Maria war in der Nähe geblieben. Die Angst, daß Bülow, in dem engen Verstecke eingesperrt, sich doch durch das Bedürfniß, Luft zu schöpfen, bald werde verrathen müssen, ließ ihr nicht Ruhe. Als aber dies nicht erfolgte, Alles still blieb, bemächtigte sich ihrer Einbildungskraft die Vorstclluug, daß, der Bräutigam, um die Ehre der Geliebten nicht auf's' Spiel zu setzen, sich nicht verrathen, und wie sie ähnliches aus allen Geschichten gehört zu haben, sich erinnerte, eher sterben, als sich kund geben werde. Jmmermehr gewann diese Vorstellung Wahrscheinlichkeit bei dem geängstigten Mädchen, ja sie ward zuletzt so mächtig, daß sie, von der heftigsten Angst getrieben, sich endlich entschloß 'geradezu hineinzu- gehen, um unter dem Verwände, ein nothwendiges Kleidungsstück zu holen, den Schränk öffnen und sich überzeugen zu können, wie cd um Bülow stehe. Die List gelang. Der Geliebte stand noch wohlbehalten zwischen Gewändern verborgen auf einer Stille, wäbrcnd dieser durch Die halbgeöffnete Thür, in 'dem zweiten Anwesenden den Pater Fabricius von dem Zisterziensern erkannte. Maria schloß die Thür wieder zu. Doch der Vater befahl ihr jetzt, in dem Gemache zurückzubleiben, indem er selbst Hand in Hand mit dem Pater heraus- ging, dielen bis zur Hausthür hinauSzugeleiten.
Kaum war Bülow dem Schranke entstiegen, als er die Geliebte mit Heftigkeit an Das Herz zog und in höchster Bewegung ausrief: »Maria! geliebtes Mädchen! — was ich in dieser Stunde Dir zu sagen hatte, das drängt sich jetzt in wenige Worte zusammen, in die Bitte, mich niemals zu verkennen!! O, sprich! willst Du mir dies gewähren? Es ist die letzte Gunst vielleicht, die ich mir je von Dir erbitten darf!" — Maria, seine ungewöhnliche Bewegung, welche er doch nicht ganz zu verbergen vermochte, wahrnchmend, sah ihn ungewiß an,