Herösclder Anzeiger.
Stv. 81. Hersfeld/ den 10. Oktober. 18SL.
Der „HerSfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend». — Preis desselben bei der Expe- dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Pofianstaltcn kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, b^i Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den bisher provisorisch «»gestellten Hofgärtner Carl Boden- b end er zu Fasanerie bei Hanau nunmehr definitiv zu bestellen, den Generalmajor von Bardeleben, Commandeur der Cavallerie-Brigade, von der Stelle eines isten Commandanten von Cassel zu entbinden, und
den Generalmajor von Hapnau zum interimistischen Commandanten von Cassel zu ernennen,
den bisher provisorisch bei der Hofkämmerei angestellten Controleur Otto nunmehr definitiv zu bestellen.
Die Belagerung von BreSlan.
Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbe.
(Fortsetzung.)
„Was bringen Sie noch so spät, lieber Bülow?" .fragte im freundlichsten Tone der General von Tauen, jten, als dieser dato darauf zu ihm in's Cabinet trat, ,wo der General hinter ausgebreiteten Karten saß, eben beschäftigt, wie es schien, den muthmaßlichen Marsch des Prinzen Heinrich und die schwache Möglichkeit eines Entsatzes zu berechnen. — Bülow berichtete mit kurzen und klaren Worten den Vorgang, und schloß mit der Andeutung, wie es vielleicht nicht unthunlich sei, dieses Ereigniß zur ferneren Erforschung der Pläne des Feindes zu benutzen. — „Ich muß es loben, Herr -paupt* wann," sagte am Schlüsse des Berichtes der sonst mit Lobsprüchen eben nicht freigebige Commandant, „daß Sie bei Ihrer rühmenswenhen Thätigkeit in den größeren Angelegenheiten des Dienstes auch so wachsam auf das kleine und unbeteutend Scheinende sind. Ein solcher Sinn gehört zum Wesen des Soldaten. Aber^ich hätte das Mädchen gern selbst gesprochen!" — „Sie ist im Vorzimmer!" war Bülow's Antwort und er ging, sie vor den Feldherrn zu führen, besten lakonischer, aber sehr nachdrücklicher Berevisamkeil es leicht gelang, die 'Bedrängte zu dem Versprechen zu bewegen,' im österreichischen Hauptquartier Alles zu verschweigen und fernerhin Briefe zu tragen. Es galt das Leben des Geliebten, dessen Begnadigung der General im fernen Hintergrund blicken ließ, wogegen auf der andern Seite die
Worte Hochverrath und Todesstrafe keinen Zweifel übrig ließen, welches im Weigerungsfälle das Loos Hoffmann's sein würde. — Katharina verstand sich still ergeben zu Allem. Sie folgte dem Hauptmann zum zwei« ten Male in seine Wohnung, wo sie den Rest der Nacht zubrachte, und kaum dämmerte der Morgen, als sie Hoffmann's Antworlöfchreiben aus's Neue in den Flechten ihres Haares verborgen und von dem Hauptmann aus's Genaueste in der Rolle unterrichtet, auch durch sein Zureden ermutigt, leisen Schrittes aus dem Hause schlich. — Vergebens drangen um einige Stunden später der Flöte süß ^vcrlaiigeudd Töne aus 'des Hauptmann's Wohnung. Sonst warb Maria von den vertrauten Klängen an das offene Fenster gelockt, wo bann ein stummer Morgengruß oft Beibe für den ganzen Tag beseligt hatte; jetzt blieben die Fenster gegenüber dicht verhangen, und der Hauptmann, die Ursache wohl ahnend und von der Sorge bedrängt, daß auch ihr Vater den feindlichen Verlockungen Gehör geben möchte, griff zu der Feder, Maria um eine geheime Unterredung zu bitten.— Der Umstand, daß Katharina auch an den Vater seiner Geliebten einen Brief gebracht, war ihm mit schwerer Ahnung auf daS Herz gefallen. Zwar schien Bohrend ihn nicht beantwortet zu haben; aber der Umstand blieb immer bedenklich, und Bülow, durste er gleich eine vollständige Millheiluug des Verdacht erregenden Vorfalles nicht geben, wollte doch einige Winke'fallen lasten, welche Maria auf die Lage ihres Vaters aufmerksam mache. Zugleich hoffte er, der Macht der Liebe vertrauend, ihren Glauben an ihn, wie auch der Anschein ihn verklagen mochte, auf's Neue zu befestigen. Es waren wenige, aber beflügelte Worte, womit er bat, ihm einige Augenblicke Gehör zu schenken, und bald kamen sie auch auf vertrautem Wege in die Hände der Zürnenden; aber — sie blieben unbeantwortet, und er mußte na® peinlichen Harren, doppelte Unruhe im Busen, endlich an seine Dienstgeschäfte gehen. — Maria hatte in der verflossenen Nacht kein Auge geschlossen. Mit unruhigen Schritten den Raum ihres Zimmers messend,
..tcn Elick von Zeit zu Zeit nach Bülow's Fenster hinüber. Aber der bedachtsame Diener Halle während der Abwesenheit seines Herrn die Vorhänge her abgezogen, seine Gefangene um so sicherer hüten zu können. Maria sah nichts mehr; als jedoch der Diener mit