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verfahren mögen, glücklich zu sein. Zu viele der Schwie­rigkeit liegen in Der Lokalität dieser schlecht befestigten Stadt, in der überlegenen Stärke der Fcinve, durch ein mit Macht anrückenoeS russisches Heer in Kurzem ver­doppelt, in der weiten Entfernung der Unserigen die stärksten aber vielleicht in der Unzuverlässigkeit dieser Bürger, deren Mehrzahl nur allzu gern österreichische Fahnen innerhalb ihrer Ringmauern aufgepflanzt sähen. Muth und Tapferkeit, so viel sie auch vollbringen, kön­nen doch nicht über die Grenzen der Möglichkeit hin­aus, uno müssen der Uebermacht am Ende untei liegen. Sollte es also dahin mit uns kommen, sollte der Feind mit dem Schwerte in der Hand, ehe der König und zu Hülfe eilen kann, in die Stadt dringen, dann wird, wofern Sie alle mit mir eines Sinnes sind, ein Ab­schnitt von den Festungswerken unsere letzte Zuflucht sein. Hier werden wir alle in verzweifelnder Gegen­wehr unser Leben theuer erkaufen müssen, und bis auf den letzten Mann einen rühmlichen Tod finden, auf daß die Welt das unerhörte Schauspiel nicht erlebe, Friec- rich's Leibwache knegsgefangen zu sehen! Sind Sie alle, wie ich nicht zweifeln kann, in dieser Entschließung mit mir einvei standen, so geben Sie mir sämmtlich Ihr Wort in Kriegsehren"Wir geben es einstimmig unverbrüchlich!" so tönte es von allen Seiten her. Wohl," entgegnete der Feldherr,auf eine solche Gesinnung hatte ich gerechnet. Bis es nun dahin kommt, wollen wir, Jeder an seinem Platze, zuvor unsere Schul­digkeit thun. Ihnen sämmtlich, meine Herren, empfehle ich vor allen Tänzen die größte Wachsamkeit. Laudon kennt unsere schwachen Seiten gar zu gut, als daß er nicht suchen sollte, unter den Bürgern Verrath zu spin­nen. Da gilt eS nun die Aufmerksamkeit zu verdoppeln, und nichts entgehe Ihrer Beachtung. Sie aber, Haupt- mann Bülow, folgen mir in mein Cabinet; denn ich habe Sie ersehen, mit meiner Antwort an den feindli­chen Befehlechaoer, in dessen Hauptquartier zu reiten. Auf Wiedersehen, meine Herren!" Bald darauf fand man den Hauptmann von Bülow, das Schreiben seines Befehlshabers in der Tasche, von einem Trompeter be­gleitet, zum Nicolasihore Hinausreiten, und ungefährdet zu dem feindlichen Borposten kommen. Dem Kriegsge- brauche gemäß verband man ihm die Augen und leitete ihn so, zu dem Hauptquartier des General Laudon. Bor der PsarrwoGung angelangt, halfen österreichische Ordon­nanzen rein Parlamantair vom 'Pferde und leiteten ihn in den Hausflur, wo man die Binbe^ von seinen Augen nahm. Im nämlichen Augenblick öffnete sich die Thüre und ein sehr schönes Mädchen in bürgerlicher Tracht trat heraus. Sie eilte schnell an ihm vorüber, aber in­dem ein scheuer B ick den Hanptmann im Vorbeigehen streifte, konnte dieser bemerken, daß sie verweint' und leidend aussah; ja eS hatte vielleicht in Folge des eben geschehenen Ueberganges von Finsterniß zum Licht ober der Umgebungen, die ganze Erscheinung des Mädchens für ihn etwas Auffallendes, der Einbildungskraft sich

Einprägendes. Es blieb ihm jedoch nicht lange Zeit, hierüber nachzudenken, denn eben öffnete sich zum zweiten Male Dieselbe Thüre, die ihm in der Tiefe eines geräumi­gen Zimmers den feindlichen Befehlshaber, umgeben von Adjutanten und einigen Officieren seines Generalstabes, erblicken ließ. Schweigend überreichte. Bülow seine De­pesche, schweigend üdeiflog der General ihren Inhalt, und daS scharfe Auge einige Secunden lang auf den Ueberbringer geheftet, sprach er, das Blatt zusammenfal­tend:Nun wohl, Herr Hauptmann, ich habe dem Herrn General von Tauenzien nichts weiter zu sagen. Die Russen nahen mit 70,000 in Eilmärschen und daß, wenn wir die Stadt, wie unfehlbar der Fall sein wird, mit stürmender Hand erobert haben, alsdann auch an keinen Parcon zu denken ist!"Wir müssen das ab, warten!" war Bülow's ruhige Antwort, incem er dienst­mäßig grüßend, Die entlassende Vernetzung des Feldherrn erwiederte. Stiebt lange, so trabte er wieder mit seinen Begleitern verbundenen Auges auf dem Rückwege, und langte wohlbehalten bei dem Commandant an, wo Schrei­ber'und Ordonnanzen feiner harrend, des Hauptmann's Thätigkeit bald ausd Neue in Anspruch nahmen. Es ging schon gegen Abend, als Bülow endlich seine Ge­schäfte beendigt hatte, und nur noch eine Anordnung des Commandanten, deren richtige Bestellung von Wich­tigkeit war, an der Wache des Schweidnitzer Thores mündlich ausrichten wollte. Hiermit fertig und im Be­griff, sich zu entfernen, sieht er den Thorflügel von der Scbildwacht öffnen und ein Landmävchen,' unter der Angabe, Butter zu bringen, Hereintreten, und in dem Augenblicke, wo sein Weg ihn ganz nahe an ihr vorü­ber'führt, glaubt er mit Ueberraschun^ in der Dirne die Nämliche zu erblicken, Deren Erscheinung im Hausflur des Hauptquartiers ihm so auffallend gewesen. Auch in des Märchens Zügen zuckte, indem er Jbr scharf ins Gesicht sah, in schnellem Erröthen der Schreck Der Er­kennung. Doch nur einen Augenblick, Denn unbefangen, wie es'scheint, setzt sie ihren Weg weiter fort, bis sie endlich in das Haus des Bürgermeisters trat.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

In Lausanne hielt sich seit einigen Wochen ein angeblich circassischer Fürst in der reichen Tracht jenes Landes auf und fand dort bei den angesehensten Fami­lien Eingang. Man fühlte sich durch seine Herablassung nicht wenig geehrt, bis Der hochgeseierte Gast es sich bcikommen'ließ, einem seiner Dortigen Freunde lie Klei­nigkeit von 4000 Francs zu stehlen. Die angebliche Durchlaucht sollen ihres Zeichens ein Wiener Schneider- geselle sein. _

Im Hannöverschen Dorfe Makensen und dem braunschweigschen Dobfe Dassel sind in den letzten Ta­gen nicht weniger als 17 Fälle von Vergiftung vUrty Mutterkorn vorgekommen.