Hersfelder Anzeiger.
Rv. 17. Hersfeld, den 26. September. 1855.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allerznädigst geruhet:
dem außerordentlichen Pfarrer Johann Heinrich Conrad Hatt end orf aus Kreuzriehe die erledigte Pfarrei Steinbach. Hallenberg, in der Jnspectur Schmalkalden, z« übertragen,
dem zu der erledigten Pfarrei Hohnhorst, in der Diöces« Rinteln, präsentirten tsten Pfarrer und Stifisprediger Christian Philipp August Meine zu Obernkirchen unb
dem zu der erledigten Stelle des 2ien Pfarrers und Diaconus zu Trepsa präsentirten außerordentlichen Pfarrer Franz » o « R o q u es daselbst
die landesherrliche Bestätigung, sowie
dem Pfarrer der französisch-reformirten Gemeinde in Kassel, Johann Christoph Philipp Knöpfel, die erbetene Entlassung vom Pfurramte zu ertheilen,
dem Regierungsrath König in Cassel zugleich die Stelle des landesherrlichen Commissars bei dem israelitischen Vorsteher- ernte für die Provinz Niederbeffen und
dem Regierungs-Affessor Althaus zu Marburg zugleich die Stelle des landesherrlichen Kommissars bei dem israelitischen Vorsteheramte für die Provinz Ooerhepen zu übertragen, sowie
dem Dr. med. Carl Franz Führer in Marburg die Praxis als Arzt und Gedurtshelier in Frankenberg zu gestatten,
den Fvrstinfpcctor, Oberso stmeister von Osterhausen zu Hersield in den Ruhestand zu versehen,
den Probater W lhelm Qu e niin bei der RechnungS-Com- misfion zum Rentmeister in Frankenberg,, .
den Forstmspections-Acccssisten Carl Ferdinand von 4-r u m» bach zu Homberg zum Revierförster des ForgrevierS Ltruih, und den Forstaufseher Georg Gies zu Ehringen zum Revierfor- fter des Forstreviers Bimbach, provisorisch zu ernennen,
die außerordentlichen Criminalgerichts-Assefforen
Theodor Wagner in Marburg und
Johann Adam Hartmann in Hanau
zu ordentlichen Criminalgerichts-Assefforen zn bestellen; sowie
den Justizbeamten Wilhelm Henkel von Bockenheim in gleicher Eigenschaft zum Justizamte in Bischhausen und
den Actuar-Gehülfcn bei dem Justizamte I. in Hanau, Johann George Friedrich Ernst Klein, in den Ruhestand zu ver- setzen; auch
dem Untergerichts-Anwalt Wilhelm Jffland zu ^xeysadie Advokatur bei dem Justizamte in Oderaula zu gestalten.
Die Belagerung von Breslau.
Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbe.
(Fortsetzung.)
In seinem Arbeitszimmer befand sich am frühen Vormittage des folgenden Tages, General Tauenzien mit seinen Officieren, welche schweigend und erwartungsvoll den ergrauten Befehlshaber umstanden. Er hatte so eben ein Schreiben des General Sauten verlesen, welches die Aufforderung enthielt, die Stadt zu überge- den. In etwas grellen Farben zwar, doch ziemlich der Wahrheit getreu, war dabei die überlegene Macht der anrückenven verbündeten Heere, sammt der unwahrscheinlichen Aussicht welche Friedrich's erschöpfte Lage für die Hoffnung eines Ersatzes übrig ließ, dargcsteUk, und auf geschickte Weise darauf hingedeutet, daß man aus Rücksicht für die Hauptstadt einer ehemals kaiserlichen Provinz, und um dieser ein besserte Schicksal zu sichern, als bei einer Eroberung sich hoffen laße, nicht abgeneigt sei, dem Befehlshaber gute Bedingungen zu bewilligen, falls er sich entschließe, die Stadt dem österreichischen Heersführer zu übergeben. »Ihnen, meine Herren!" so schloß der General seine Miltbeilung, „als kriegskundi- gen Officieren, muß ich Sochkenntniß genug zutrauen, um aus eigener Ansicht ein richtiges Urtheil über unsere Lage zu haben. Eben so sicher aber darf ich darauf zählen, daß demungeachlet Sie dem Entschluß, unsern Platz zu behaupten und die Aufforderung ccs Feindes verneinend zu beantworten, mit mir eines Sinnes sein werden!" — „Das versteht siw! Wir vertheidigen unS bis auf den letzten Mann!" war der Osficiere einstimmige Antwort. — „Recht so, meine Herren, das war auch meine Meinung!" rief Tauenzien, „ich wußte dies voraus und meine Antwort an Sauten liegt bereits fertig. Aber es ist dieS nicht Alles, was ich Ihnen zu sagen habe. Ich mag es Ihnen nicht verbergen," fuhr er ernster werdend fort, „daß wir wenig Hoffnung haben, in unserer Vertheidigung, wie einmüthig wir auch dabei