Hersfelder Anzeiger.
Mp. 5G. Hersfeld/ den 22. September. 1855+
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Secondlieutenant DcscoudreS vom HusAen aren- Regiment den nachgesuchten Abschied zu bewilligen.
Die Belagerung von BreSlan.
Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbc.
(Fortsetzung.)
Nach einer solchen Entscheidung hatten die Liebenden keine andere Hoffnung, als die in solchen Fällen gewönliche auf die Zukunft und bestere Zeiten; und Bülow mußte noch ein schmeichelhaftes Vertrauen in seine Rechtlichkeit darin ersehen, daß der Alte die Tochter nicht strenger hütete, als bisher. Dies geschah nicht, entweder aus dem angeführten Grunde, «wer weil er das nahe Ende des unwillkommenen LiebeShanvelö ohnehin vorauszusehen glaubte, "und deshalb alle Aufsehen erregenden Schritte um so lieber zu vermeiden entschlossen war. Bülow fand daher Mittel, die Geliebte in einen entlegenen Garten der Vorstadt zuweilen zu sprechen, obwohl dieS doch nicht allzuoft geschah, und der Drang der Umstände diese sparsamen Zusammenkünfte ohnehin bald ganz und gar unmöglich zu machen drohte. Tief im verschwiegenen Dunkel der Gartenlaube saßen eines Tages die Liebenden, des kurzen Beisammenseins sich noch einmal erfreuend. Bülow hatte dem Dienste einige Momente abzugewinnen gewußt, um die Geliebte am vertrauten Orte zu sprechen, ehe das Fortschreilen der Kriegsereignisse jede Möglichkeit hierzu abschnitl. Laudon's Schaaren rückten, dem Lavastrome gleich, immer näher; die Vorstädte waren hart bedroht, und dir vertraute Stelle, heute noch der Zufluchtsort bedrängter Liebe, war vielleicht morgen schon der Schauplatz blutiger Zerstörung und aller Gräuel des Krieges. — Maria lag trauernd an des Geliebten Brust, der so schonend
als möglich aber doch ohne Rückhalt, die Lage der Sachen ihr dargestellt, und die Zagende zu ermuthigen und auf das, was wahrscheinlicher Weise kommen konnte, vorzubereiten gesucht hatte. Er durfte endlich nicht länger verweilen; seine Kraft zusammen nehmend, und sanft sich aus Manen's umschlingenden Armen lösend, stand er wortlos, aber mit dem Ausdrucke der innigsten Liebe vor der Trauernden. Sie fürchtete, daß sie sich vielleicht zum letzten M-le sahen; aber sie preßte den Schmerz in die Brust zurück und zeigte dem Geliebten ein durch Thränen lächelndes Antlitz. Doch als der nun zum Lebewohl jirin die Arme schloß, da bebte auch ihm das Herz in der eisernen Brust, zwei große Thränen perlten über die früh gebräunten Wangen und mit den leisen Worten: „Dein bis in den Tool" riß er sich los, und stand sich wieder sammelnd wenige Augenblicke darauf am Ausgange des Gärtchens.
Eine Stunde später schlich auch Maria auf dem Heimwege durch die Gassen der Vorstadt, in denen eine sonderbare Unruhe herrschte. Truppweise standen die Bewohner, meist Gärtner und Ackerbürger, im heftigen Gespräch bei einander; die Weiber weinend, die Kinder sich ängstlich an einander schmiegend. Andere trugen Hausgeräth, Kisten und Betten zusammen, oder trieben ihr Vieh vor sich her, welches verstört und brüllend die Rückkehr in die verlassenen Ställe suchte. — Bald erblickte das geängstigte Mädchen Osficicre, von Mannschaften begleitet, die verschiedene ihr unbekannte Werkzeuge trugen, und bald hier, bald dort, stillstehend, Zeichen an den Häusern machten oder hineingingen. Es waren die Vorbereitungen zu einer der traurigsten Maßregeln, welche im Lause kriegerischer Drangsale über friedliche Bürger verhängt werden mögen: zu dem Ab- brennen der Vorstädte, die Tauenzien, fest entschlossen, sich muthvoll zu vertheidigten, auf die letztersolgte Nachricht von Laudons Vordringen beschlossen und bereits angeordnet hatte. — Die armen Vorstädter bestürmten, als Maria im Vaterhause ankam, in Haufen das bedrängte Oberhaupt des Rathes mit Klagen und Bitten,