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Hers selber Anzeiger.

Rv. T2. Hersfeld, den 19. September. L855.

Der »Hers seid er Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe­dition (Ncumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; »ei den Pestanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst stem und gediegenem Charakter lag. Der kurze Besuch

haben allergnädigst geruhet: war bald abgemacht Doch nicht unlieb war es dem

den zum Präsidenten der 1sten Kammer der Landstände er- Hauptmann, die schöne Nachbarin in den nächstfolgcn-

wählten Erbmarschall Riedesel Freiherr zu Eisen »ach, so- den Tagen zuweilen am offenen Fenster zu erblicken, wo

wie den zum Vicepräsidenten der gedachten Kammer erwMxzz^ dann sein ehrerbietiger Gruß stetS eine verbindliche Er- Abgeordneten Freiherr» Waitz von Eschen, ferner ^>~«»»'1vieocrunß fand, ja eS wollte ihm sogar vorkommen, als den zum Präsidenten der 2kn Kammer der Landstände er- ' " * " - - -

wählten Abgeordneten Zuschlag und den zum Vicepräsidenten der gedachten Kammer erwählten Abgeordneten v. Kuh leben

aus Willershausen zu bestätigen,

den Hauptmann v. Uslar-Gleichen vom 1. Jusanterie- Kegiment (Kurfürst) unter Verleihung »es Charakters als Major mit Pension ausscheiden zu lassen und denselben zum Platzmajor von Hanau zu ernennen, sowie

den Rittmeister v. Vultee vom 2, Hufaren-Regiment mit Pension ausscheiden zu lassen.

Die Belagerung von Breslau.

Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbe.

(Fortsetzung.)

Der Hauptmann von Bülow, seit seinen frühesten Jahren Soldat, unter den Waffen zum Jüngling ent­wickelt und zum Manne gereift, hatte die ganze Kraft eines edlen Gemüthes in unversehrter Frische bewahrt. Das unruhige Kriegerleben, sowie das Studium der ihn diesem Stande erforderlichen Wissenschaften hatten in vollauf beschäftigt, und er bewahrte daher noch immer seine Freiheit, als er mit seinem Chef nach Breelau kam, wo die königliche Leibgarde, um den schweren bei Kollin erlittenen Verlust in Etwas zu ersetzen und wie­der vollzählig zu werden, ihr Kriegequartier erhalten halte. Kaum in seiner Wohnung angelangt, ging er, die Familie seines Wirthes, eines wohlhabenden Kaufmanns zu begrüßen. Er fand zwei schöne junge Mädchen, die Tochter des gegenüber wohnenden Bür­germeister und die seines Hauswirlhes. Bülow, mit der Sitte des feinen Weltlebens vertraut und gewohnt, den Frauen mit Ausland zu begegnen, verfehlte nicht, sich artig gegen die Damen zu erweisen, doch gestaltete die Schüchternheit derselben eben keine Annäherung, welche mit Eifer zu suchen auch nicht in Bülo's ern»

ruhe ihr Blick zuweilen verstohlen auf seinem Fenster, wobei jedoch sein bloßes Erscheinen an demselben hin-

reichte, sie von dem ihrigen zu verscheuchen. Einstens von einem Dienstgeschäfte auö der Vorstadt, der Sand genannt, kommend, und im Begriff über die Oderbrücke zu gehen, ward er von einem Gedränge aufgehalten, das am Ende der Brücke entstand, und von Geschrei und Wehklagen begleitet war. Bülow erfuhr, daß ein ins Wasser gefallener Knabe, Sohn einer armen Obst- verkäuferin, die Veranlassung sei. Der Hause lief nun schreiend und händeringend durcheinander, ohne daß Je­mand Entschlossenheit genug gehabt hätte, die Rettung zu versuchen. Der Hauplmanü, ein geübter Schwimmer ging daher schnell an'S. Ufer, und sprang, seine Ober- kleider rasch abweisend, in die Fluth. Bald gelang eS ihm auch, wenngleich nicht ohne Schwierigkeit, den Kna«

ben der nur noch schwach mit den Wellen

sümpfte, zu als er den

Eben war eine große der Brücke

erfassen, und lauter Jubel empfing ihn, Geretteten in die Arme der Mutter legte, der Gottesdienst im Dome beendigt und Menschenmenge, von dem Vorgänge auf festgehallen, strömte ihm entgegen, als er, den lauten Danksagungen sich zu entziehen, nach der nahen Woh­nung eines Kameraden eilen wollte. Als sein flüchtiger Blick die nächst siebenten streifte, glaubte er den Zügen der schönen Nachbarin zu begegnen, indem sie errölhenv und mit schneller Wendung das Haupt hinter ihre Be­gleiterin barg. Bülow hatte im Laufe des gesät äfl- reichen Tages den ganzen Vorfall fast vergessen, als er aber später in sein Zimmer trat, fand er auf seinem Tischchen einen Rosensteck von seltener Schönheit, wel­cher aus unzähligen vollen Blüthen Wohlgeruch aus- strömte. Ein Gärtnerbursche Halle ihn gebrachl, ohne den Geber zu nennen. Dieses zarte Geschenk, unver­kennbar aus weiblicher yanD kommend, berührte sein Gefühl sehr wohlihuend, und indem er nachsann, fiel ihm

ein, daß er in den letzten Lagen, im Gespräche mit den beiden Mädchen seines Wohlgefallens an Blumen, na-