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Hers selber Anzeiger.

Np* 74> Hersfeld/ den 15. September. 1@55>

DerHersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal,-Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe­dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Die Belagerung von BreSlan.

Eine Erzählung aus dem siebenjährigen Kriege, von Eugen von Sobbe.

Ein schwuler Abend folgte einem der heißesten Tage am Ende Juli 1760. Schwer und beengend lag die At­mosphäre auf den Umgebungen von Breslau, über welche mächtige Wolkenmassen, von den Gipfeln des Riesenge- birgeS herab, verdunkelnd und sturmverkünvend heran- zogen. Im Innern der volkreichen Stadt herrschte dieselbe bange Stille, wie in der Natur, und gleich Die» ser schien sie vie Vorläuferin naher Kämpfe unv drohen­der Ungeteilter zu sein; denn immer näher unv näher kamen Lauvon's rasch verrückende Truppen, immer enger ward Schlesiens Hauptstadt umschlossen, und vie nächsten Tage mußten wichtige Entscheidungen berbeifüh- ren. Eben war vom St. Elisabcihthurm Der zehnte Stundenschlag verhallt, als der Hauptmann von Bülow über Den Ring schrill unv seiner Wohnung in Der Schwciv- mtzer-Gasse zueilte, soeben erst entlassen aus angestreng­ten Dienstgeschäfien bei seinem Chef, Dem General-Major von Tauenzien, Befehlshaber Der königlichen Garde und zeitigem Commandanten von Breslau, Dessen erster Adjutant er war. In seiner Wohnung angelangt, kam ihm, von anhaltender Kopfarbeit erhitzt, Die enge ein» benlust nur um so drückender entgegen. Er riß Die Fenster auf und schauele gedankenvoll hinaus. Die sonst so belebte Straße, Die an Den schönen Sommer- abenden von fröhlichen Menschen zu wimmeln pflegte, war leer und still; alle Häuser und Läden verschlossen. Nur gegenüber im Hause des Bürgermeisters Behrend war noch Licht und glaubte der Hauptmann, einzelne Laute eines sehr lebhaften Gesprächs zu vernehmen. Er seufzte lief und schmerzlich auf, verließ das Fenster unv trat nach mehrmaligen Auf- und Niedergehen in sein Schlasgemach, welches vie Aussicht auf einen kleinen Garten bot, unv auch hier die Fenster öffnend, versuchte er einige Kühlung zu finden- Aber Die Luft des Gärt- chens zwischen hohen Sleinwanren eingeklemmt, schien fast noch drückender als auf der Straße, unv Der Blick in das Labyrinth von Giebeln, Dächern und Schorn­steinen vermehrte noch das Gefühl von Beklemmung unv Eingeschlossenheit. Er trat zurück unv zog eine Flöte hervor, seine treue Begleiterin aus allen Felczügen,

welche oft. die Vertraute seiner innersten Empfindung war, und deren Klängen ein leises Ohr, ein liebende Herz in der Nähe, wie er wohl wußte, zu lausche, pflegte. Aber kaum hatte die bange Empfindung, well heute, er wußte selbst nicht wie, sein sonst so kras" Gemüth umfing, in innigenJ$meI}enDen Tönen sich tun gegeben, als die Thür sich öffnete und Graf Th ürheim's lange Gestalt herein huschte. Er war Hauptmann in der königlichen Leibgarde und mit Bülow, trotz man­cher Verschiedenheit in ihrer Sinnesart und geistigen Richtung, doch seit Jahren befreundet. Gegenüber im Hause ves Bürgermeisters cinquartiert, pflegten die Freunde oft die späteren Abendstunden bei einander zu- zubringen.

So munter noch mein Brüderchen?" war seine Anrede.Mich haben Deine Flötentöne herüber gelockt und da die schwüle Gewitternacht uns Beiden wohl nicht viel vom Schlaf gönnen wird, so laß uns noch ein Stündchen mit einander verplaudern!,, Recht gern," war Bülow's Antwort; ich glaubte Dich bei Deinem Hauswirthe. Man ist, so scheint eS, dort noch sehr mun­ter."So ist!" sagte Thürheim;doch war ich nicht dabei. Wer weiß, sie feiern wohl am Ende der schönen Maria Verlobung!" Er rieb sich bei Diesen Worten auf komische Weife vie Hände, und lachte näckisch und possenhaft.Was Verlobung," fuhr Bülow auf und erbleichtemit Deinen Possen!" setzte er dann leiser und erröthend hinzu, als Thürheim ihm gleich darauf die Hanv reichte und im gutmüthigsten Tone von der Welt ausrief:Es war nur Spaß, Herr Bruder, reiner Spaß, und noch dazu ein schlechter, wenn er Dir weh gethan! Es ist so eine Unart von mir, aber ich kann es nun einmal nicht lassen, Dich mit der ernsten Liebschaft ein wenig zu necken. Doch aufrichtig zu re­den, so möchten sie wohl drüben allerlei Heimlichkeiten schmieden, Die uns eben nicht ersprießlich sind, Denn Viele der Herren vom Rathe und der angesehensten Bürger­schaft sah ich heute bei dem Bürgermeister sich versam­meln. Doch sage mir, Du kommst vom Commandanten, wie steht es dort?"Gut," antwortete Bülow gelas­sen; es ist ihm klar, daß wir auf nichts zu rechnen haben, als auf uns selbst!"Das ist," entgegnete Thürheim,ein zwar sehr achtbarer, aber für diesmal doch etwes sehr schwächliche! Verlaß!"Wie man's