Hersfelder Anzeiger.
Nr. VS. Hersfeld, den 8. September. 1855*
Der »Hers seid er Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Erpe« dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 S-r. 6 Hllr.; bei den Postanstaltcn kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
Den pensionirten Major Riesch zum Etappen-Commandant von Oldendorf zu ernennen,
dem Maschinisten Hoffmann bei dem Hoftheater die aller« unterthänigst nachgesuchte Dienst-Entlassung zu bewilligen und den Maschinisten Tettenborn zu Hamburg provisorisch zum Maschinisten des Hoftheaters zu ernennen.
Historische Erinnerungen.
Mitgetheilt von I. M. Roqquerol.
L
Ein Hochzeits-Bouquet.
Eine Leidenschaft Napoleons I. war Heirathen zu stiften und derlei Angelegenheiten mit beispielloser Eilfertigkeit zu schlichten und zu Ende zu führen. Leider fielen nicht alle die von ihm geschlossenen Partiten so glücklich aus, als er gewünscht hatte, obwohl er selbst Sorge trüg, die Paare großmüthig und glänzend auszu- statten. —
Das gewöhnliche Hochzeitsgeschenk, welches er der Braut zu überreichen, sich jederzeit selbst vorbehielt, gab er mit so seinem Geschmacke und mit jener Zartheit, welche seiner vertraulichen Handlungsweise eigen war. Am Vorabend der Hochzeit desjenigen seiner Kampfgenossen, welchen er vielleicht am herzlichsten liebte, näm- lick des Generals Rupp, — hatte dieser Okfizier eben den Dienst bei der Person des geliebten Helden. Napoleon sagte zu ihm Abends beim Schlafengehen, nachdem er ihm die Ordre, nämlich die letzte Parole des Tages gegeben, im scherzhaften Tone:
»Nun hoffe ich, baß Du nicht vergessen wirst, daß Du morgen heirathest!"
»O gewiß nicht, Sir!"
»Ich gebe Dir einen Urlaub von 24 Stunden, weil doch Jeder seine Geschäfte zu ordnen hat; allein übermorgen erwarte ich, daß Du Deinen Dienst bei mir wieder antretest. — Du wirst mir dann auch Deine Frau vorstellen. Apropos! Unter Andern, bald hätte ich vergessen; nimm, gieb ihr dieses Bouquet; es ist mein Hochzeitsstrauß! Sage Deiner Braul daß er von einem
Deiner besten Freunde sei; Du wirst hinzufügen, daß wenn er keine natürlichen Blumen erwählt, — er es nur gethan habe, damit das Bouquet sich um so länger erhalte. Und bevor Du Dich zur Ruhe begiebst, erkundige Dich, ob die Wachstuben meiner alten Könighasen gut geheizt seien, ob Wasser in den Behältern sei; es friert heute: die administrirenden Aufseher der Wärm- anstalten machen Alles verkehrt; ich werde dem Unternehmer den Kopf waschen lassen. — Guten Abend!"
AIs die junge Neuvermählte am andern Tage diese kunstreichen Blumen bewunderte, die an Frische und Zartheit denen der Natur nahe kamen, entwickelte sie das Papier, in dem sie umhüllt waren, und sah, daß dieses fürstliche Siräußchen an einer Kette hing, die aus zahllosen feinen Perlen bestand, welche in gewissen Zwiichen- räumen von großen Brillanten in Türkisen und Rubinen des Orientes gefaßt, gesondert waren; es war der eleganteste, kostbarste Schmuck, den man sich denken konnte: allein Rupp war mehr als von dem reichen und prachtvollen Geschenk für seine Gemahlin von den liebevollen Worten des Helden Napoleon gerührt, die er Abends vorher zu ihm gesprochen: „sage Deiner Verlobten, daß es von einem Deiner besten Freunde komme." Das war für den General sein eigentlich bestes Hoch« zeilSgeschenk.
David and Goliath.
Ballade.
Am Hange des Hügels im Eichengrund, Die Schaar der Streiter Jsrael's stunv. Und jenseits vom Berge klang Kampfesgeschrei, Am Berge trüben in äkampfesreih' Gerüstet hielt der Philister. x
Noch ruhte am Schwert die zuckende Hand, Noch glomm in der Brust nur der Schlachtenbrand, Noch zögerten sie, da kam vom Heer Der Philister ein Kämpe, schritt fest einher Und stellte sich zwischen die Streiter.
Sein Leib war breit und riesig gestreckt, Mit schuppigem Panzer ringsum bedeckt,