Hcrsfeldek Anzeiger.
9tr* MU Hersfeld, den 5. September. L855.
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Die Rebhuhn Mästete -Kaiser «Karl s V., Eine spanische Sage.
(Fortsetzung und Schluß.)
Kaiser Karl regierte zu San Juste, wie er vordem niemals in Deutichland, Spanien und Indien gethan. Es gab hier keine protestantischen Ketzerfürsten, die seinem Willen trotzten, kein Luther reizte ihn, kein Franz I. wetteiferte hier mit ihm. Der Abt deS Klosters rühmte vom Kaiser: sein frommer Wandel und seine treffliche Küche gereichten dem ganzen Kloster zur Erbauung. Die großen Herren und Vornehmen aus allen Gegenden Spaniens beeiferten sich, ihm kostbare Leckerbissen zu senden, welche der hohe Herr sich trotz der Gicht und trotz Dr. Matheoso's Warnungen weidlich munden ließ; daneben versäumte er keinen Gottesdienst und keine Andacht, betete und fastete trotz einem Klosterbruder, und ließ sein ganzes Gefolge mit Ausnahme derer von edler Geburt, die Mönchskutte tragen. Das ganze Kloster war wenigstens einen Monat hindurch nur'mit den Zu- rüstungen der Begräbnißfeier beschäftigt, welche der Kaiser für sich selber angeordnet hatte. Am Vorabend dieser Feierlichkeit war dem mächtigen Kaiser Karl ein noch ernsterer Unfall begegnet, als die Gicht und der stets verwarnende, strenge Arzt für ihn waren. Sein erster Mundkoch lag tövtlich krank und der andere war am frühen Morgen davongelaufen, wie es hieß aus Heimweh, denn er war ein Deutscher, und gerade an diesem Morgen, eine Stunde nach dem Verschwinden des zweiten Mundkochs, war ein Korb mit leckeren Rebhühnern eingetroffen, welche ein andalusischer Grande eigens für den Kaiser mit einem Teig aus zerstoßenen Mandeln hatte mästen lassen. Derartig gemästete Rebhühner aber galten damals für einen fürstlichen Leckerbissen, und Kaiser Karl hatte sie zu einer Pastete bestimmt, welche am Abend nach dem Begräbniß aufgetragen werden sollte, um den Kaiser selbst und seine Vertrauten für die langen Fasten und die magere kasteiende Kost der vorangegangenen Wochen zu entschädigen.
Man hatte schon drei Eilboten nach eben so vielen Städten der Nachbarschaft ausgesandt, um einen Koch aufzutreiben, der solche Rebhühner zubereiten konnte; allein die Furcht, daß keiner derselben zeitig genug zu- rückkommen werde, verstimmte den ganzen kaiserliche«
Haushalt und die Laune des Kaisers selbst, bis Don Guileimo ve la Malo die Hoffnung wieder auf'S Neue anfachte. Der Geheimschreiber war zwar ein Adeliger durch Geburt und ein Gelehrter durch Studium; allein noch Niemand hatte ihn je mit seinem kaiserlichen Gebieter in solch vertraulicher Weise sich unterhalten sehen, als an diesem Tage nach der None, und das Ergebniß davon war, daß als die Vesper herankam und noch immer kein Anzeichen auf die Rückkehr eines der Eilboten deutele, der Geheimschreiber den Befehl bekam, den im Walde angetroffenen Koch herbeizuschaffen.
»Ha, Bruder Pedro!" rief der Kaiser Karl und hielt in seinem Gesang inne, — »dieses Gekreisch würde die Musik der Engel verderben. — Ist dies der junge Mann?" fuhr er fort, als Don Guilelmo seinen Platz an der vierten Ecke des Prunkbettes eingenommen. Jo- sas aber trat auf des Kaisers Wink unter Bücklingen heran. Der Maulthiertreiber wußte zwar nicht, auf wie viel Schlachtfeldern und Rathöversammlungen dieser Blick des großen Kaisers schon gehaftet hatte; aber es wurde ihm doch etwas schwül um das Herz, als ihn der Sieger von Pavia vom Kopf bis zum Fuße maß und dann anhub: »Du sollst Dich etwas auf Rebhühner verstehen, junger Mann, wie wir gehört haben, und hast einen edlen Meister in Deiner Kunst gehabt. Der erlauchte Stand und Abkunft des Don Senaro sind zwar meinem Gedächnisse entfallen, das durch Alter und Krankheit von Tag zu Tage schwächer wird; allein sonder Zweifel war er ein großer Meister in seiner Kunst, sintemalen er dem Rufe nach auch meinem Geheimschrei- bcr bekannt. Sag' an, junger Mensch, auf Dein Gewissen, hat Don Senaro die Rebhühner in Valenciawein oder Kanariensekt grkocht?»
»In Valenciawein," versetzte Josas, der für diesen Wein eine besondere Vorliebe hatte.
Besprengte er sie mit Safran oder Knoblauch?" fragte Karl V., weiter.
„Mit Beioem," gab Josas zur Antwort.
„Gut denn, er verstand sich auf seire Kunst!" sprach der Kaiser. „Wir wollen Dir unsere trefflichen Rebhühner anvertrauen, junger Mann! Laß sie morgen nach der Festlichkeit auf Unserer Tafel erscheinen in einer Pastete, die Du nach Deines Lehrers besten Vorschriften bereiten willst. Das Amt unsers ersten Muudkvchs