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Hers selber Anzeiger.

Nr. W

Hersfeld, den 1. (September,

1855

Der »Hers selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe­dition (Ncumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechyet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst gerubet:

den Referenten im Ministerium des Kurfürstlichen Hauses und der auSwäreigen Angclegenheieen, sie. ationSrath Levin Wer- ner Friedrich von Trott auf fein aller,interthänigstes Nachsu­chen in Leu Ruhestand zu versehen.

Die Rebhuhn Wastete -Kaiser «KarlS V.

Eine spanische Sage.

(Fortsetzung.)

Zosas wünschte im Süllen, der Hidalgo hätte den Wein nicht so gut gesunden, und ihm noch ein Restchen davon in der Flasche gelassen; allein das Versprechen, daß jener sein Glück begründen wolle, tröstete den Maul- thiertreiber, und er lehnte sich gedankenvoll an den Stamm eines Baums, stierte in die Äsche seines Feuer- chcns, und grübelte über seine künftige Stellung als be­rufener erster. Wundkoch des großen Kaiser Karls V.

Im Rösten von Zwiebeln nehme- ich es mit Je­dem auf," sprach er vor sich hin;was die Rebhühner anbelangt, so bin bin ich freilich meiner Sache nicht lo ganz gewiß, aber wahrscheinlich sind noch andere Köche in ecS Kaisers Küche; die laß ich eben die Arbeit für mich thun, und streiche den Gehalt dafür ein, werde ein vornehmer Herr und heirathe Rosinea- Einen Mundkoch des Kaisers kann sie nicht ausschlagen!"

Mit der Ahnung deS hohen Respectes, welchen ihm alsdann ganz San Martins mit Einbegriff des Wein­schenken und seiner Tochter zollen würde, ließ , Josas den Kopf an den Baum zurücksinken und schlief ein. Glücklicherweise kam keine Viper des Weges daher, und war kein Wolf in der Nähe; sondern als die Abendsonne bereits ihre rothen Strahlen durch die Baumgipfel her- niedersandte, weckte der alte Baltasar, der seit mehr denn 30 Jahren die Holziauben gehütet und für die Ordens­brüder vom heiligen Hieronymus Holz gehauen und den Wald beaufsichtig! halte, unsern Maulthiertreiber mit ei­nem tüchtigen Rütteln auf, und rieth ihm freundlich, sich auf die Strümpfe zu machen, denn an den Ufern der Vera falle ein starker Thau, der leicht Fieber und Flüsse in den Gliedern erzeuge: er lud ihn ein, mit ihm in seine Hütte zu kommen, wo ihm der Thau weniger an-

haben würde. Josas nahm die rauhe, aber wohlge­meinte Einladung an, und folgte dem Holzhauer nach seiner Wohnung. Dies war eine Hülle von Holz, mit Schindeln gedeckt, Dach und Wände von einem prächti­gen Wcinstock umrankt, ein freundliches bescheidenes Waldhülcrhäuschcn auf einer grasigen Lichtung mitten im Holze. Hinter dem Häuschen standen einige Oel- bäume, vor demselben lag ein Gerstenfeld. Hier lebten der alte Baltasar und seine Tochter Antonia glücklich und zufrieden in geschäftiger Stille mit ihrem großen Hund Simmo, ihren beiden Kühen und einer Heerde halbwilder Schweine, die sie für das Kloster hielten. Kluge Spanier wurden in jenen halbmaurischen Zeiten unter gleichen Umständen mit Baltasar vielleicht gezögert haben, einen Fremden in ihr Haus aufzunehmen, aber der alte Waldhüter und seine Tochter waren allzu be­scheiden und harmlos für derartige Erwägungen und Schicklichkeit. Antonia half das Gerstenfeld bestellen und die Oliven einsammeln, versorgte die Kühe und sah nach den Schweinen der 'Mönches und saß eben jetzt spinnend vor der Thür des Häuschens, ein stämmiges, dralles Mädchen in ihrem groben Kittel und engen Mie­der, himinortveil verschieden von Rosinda. Sie hieß den Gast ihres Vaters willkommen, obschon sein Appetit, den er bei der Abendmahlzeit am Brotlaib und Schin­ken an den Tag legte, sie einigermaßen in Erstaunen versetzte. Reisende waren in dieser Gegend selten, und es war daher eine sehr günstige Gelegenheit für den Waldhüter und seine Tochter, daß sie nun ihre Neuig­keiten an den Mann bringen konnten, um so mehr als Josas keine milbrachtc; sie erzählten ihm also, wie die Klosterkirche ganz mit schwarzem Stoff behängen und mit 300 Wachskerzen bestücktet werde, während des Kaisers Leichenbegängniß zum Heil seiner Seele gefeiert werden sollte, zu welcher ernsten Festlichkeit sich morgen Hunderte von adeligen Herren und 9iittern auS den be­nachbarten Provinzen einfinren würden. Josas wollte sich eben anschicken, seinen Wirthen seinerseits die Summe seiner Hoffnungen und Don Guilelmo'S Versprechungen milzuiheilen, denn er meiste wohl, daß sie ihn für einen ungeschlachten Bauermölpel hielten, der nichts von dem vornehmen Wesen verstand, als Simmo, der vor dem knisternden Feuer lag, plötzlich auffuhr und ein freudiges lautes Bellen gegen die Thür hin vernehmen ließ. Gleich