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Anblick noch verstärkte, bis es Wuthgebrüll ward, ging dem Weißen durch Mark und Bein, denn es war ja das Prognostikum seines Schicksals. Aeußerlich blieb er jedoch ruhig unv unerschütterlich, und ließ seine tiefen blauen Augen den Kreis der Wilden durchlaufen, bis sie auf einem jungen, schonen Siourmädchen haften blieben, welches von' außerordentlicher Schönheit war, vaß er bei diesem Anblick seine kritische Lage fast vergaß. In diesem Mädchen verschmolz sich die Lieblichkeit des Kindes innig mit der Klugheit unv der Würde ves Weibes und sie stand unter diesen rohen widerlichen Gestalten wie die Königin, welche sie beherrschen sollte, aber bald verschwand auch diese Erscheinung in dem Gewühle, um einer andern Platz zu machen, nämlich die Wittwe des getödteten Häuptlings, welche unter Geschrei und schrecklichen Geberden auf ihn zuschritt, sich die Haare aus- raufte und eine Art schwang. Als sie herangekommen war, versetzte sie ihrem^Feinve milder Schärfe derselben einen Schlag auf die Schulter und sog unter Triumphgeschrei das daraus hervorquellende Blut ein, um dann unter Gelächter wieder in die Reihen der Wilden zu- rückzukehren. Der Weiße, jetzt zu Marmor erbleicht, wußte, daß er durch diese Ceremonie dem Tvd geweiht war, er ließ es daher ohne Widerstand geschehen, daß man seine Bande fester zog unv ihn zu seinem Kerker, einer festem Hütte, als vie übrigen waren, führte, wo er die Nacht unter den schmerzlichsten Gefühlen zubrachte.
Gegen Morgen, als das Tageslichl seine Strahlen durch einige Risse in der Lehmwand sandte, suchte er durch dieselben zu erspähen, was draußen vorging unv erblickte einige Häuptlinge, die dem Walde zuschrulen. Er vermuthete, daß sie die Anordnungen zu seiner Hinrichtung treffen würden und bereitete sich zum Tode vor. Während er der Lieben in der Heimath dachte und der vielen Hoffnungen, die in diesem Leben unerfüllt geblieben waren, kam eine tiefeWehmuth über ihn und er bemerkte kaum, daß sich ein ©tücf in der Mauer verschob und das Mädchen, welches gestern seine Aufmerksamkeit gefesselt hatte, hindurchkroch.
Glücklicherweise verstand er so viel von der Sprache der Siour, um sich verständigen zu können, und erfuhr von ihr, daß sie die Tochter des Häuptlings sei, dem nach dem Tode des andern die Herrschaft über den Stamm zufiel, sowie, daß sie erlauscht hatte, daß er zum Feuertode verurtheilt war.
Sie kam, ihn zu retten, wenn er versprechen wollte, sie milzunebmen und vor der Rache ihrer Landsleule zu ichützen. Als er dies freudig versprach, zerschnitt sie mit dem Messer, welches sie im Gürtel trug, seine Banven und hieß ihn ihr folgen.
Hierauf that sie einen Pfiff, das Dach der Hütte wurde hinweg geschoben, ein Indianer steckte Kopf und Arme herein, um den Flüchtlingen hinauszuhelfen, denn vas Loch in der Mauer ging in die Hütte des Häuptlings, und als sie das Freie erreicht hatten, warteten noch zwei Indianer mit Speise und Trank, auch holten
sie unter einem Hausen Baumzweige die Flinte und die anvern Waffen deS Fremden hervor und legten sie ihm an. Als dies geschehen war, schritten sie so rasch als möglich dem Walde zu und wanderten, ohne sich einen Augenblick Ruhe zu gönnen, bis zum Einbruch der Nacht.
AIs sie den Wald curchschrilten und vas Freie jenseits desselben erreicht hatten, verließen sie die Indianer reich beschenkt, nachdem sie ihnen noch den Weg nach der nächsten Elüppeweenieverlassung gezeigt hatten, denen sie sich als ein feindlicher Stamm nicht nähern wollten, während die von ben^Siour Verfolgten bei ihnen gewiß Schutz fanden. Sie hatten sich auch nicht getäuscht, man wies dem Fremden eine Hülle an unv sie gewannen ihn und sein Märchen bald sehr lieb, da er sie in vielen Dingen unterrichten und ihnen sehr nützlich sein konnte^
<so waren Monate verflossen, der junge Mann sehnte sich oft zurück nach den Ohiostaaten, aber er be- reuete nicht seine Verbindung mit der schönen Indianerin, als Missionäre in die Gegenv kamen, von denen er das Mädchen taufen unv sich mit ihr trauen ließ. Als dies geschehen war, wollte er seine neuen Freunde verlassen, sie* konnten ihn nicht länger aufhalten und einige versprachen, ihn zu begleiten, was er auch annahm.
So vorsichtig sie auch im Anfänge waren, so ließen sie sich doch einmal durch die Jagdlust verleiten, einem Büffel nachzusetzen unv habet die Sicherheit aus den Augen zu lassen. Während nämlich einige Chippewee bei' der jungen Frau auf einem freien Platze hielten, waren die andern mit dem Bleichgesicht in das Dickicht vorgcvrungen uns waren von einer Horde Siour überfallen und gebunden worden. Ehe die andern, durch ihr langes Außenbleiben ängstlich geworden, ihre Spur finden konnten, waren sie schon au* dem Lager ihrer Feinde geschleppt worden, unv als sie sahen, daß sie ihnen nichts nützen konnten, wollten sie vie Frau bereden, mit ihnen umzukehren, was sie jedoch verweigerte.
Sie scheuele weder Gefahr noch Strapazen, erreichte das Lager ihres Vaters, wo sie ihren Mann bestimmt zu finden hoffte und kam an, als der wilde Kriesgesang. an ihre Ohren schlug.
Sie raffte ihre letzten Kräfte zusammen, denn eine bange Ahnung out erschauerte sie, daß dies dem Tore ihres Mannes vorangehe und kam an, als er, an einen Pfahl gebunren, feinen Tod erwartete. Seine Freunde hatten schon geendet und der Häuptling schwang über seinem Haupte den Tomahawk, um ihn nach Beendigung des Gesanges fallen zu lassen. Sie stieß einen lauten Schrei aus, der Gesang verstummte und aller Augen wendeten sich nach ihr hin, ja ihr Vater ließ die Art fallen. Sie schoß daher wie ein Pfeil aus dem Bogen des Schützen und umschlang ihren Mann', um mit ihm zu sterben. Er nahm Abschied von ihr, machte ihr sanfte Vorwürfe, daß sie sich dieser Gefahr ausgesetzt hatte und schob sie mit flehender Geberde in die Arme ihres Vaters. Ueber die Züge desselben glitt ein Anflug