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Hers selber Anzeiger.

Nr. 63^ Hersfeld/ den 22. August. 1855+

Der »Hers selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Erp«. dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Oberfinanzrath Wiederhold bei der Direktion der Hauptstaatskasse zum »ertragenden Rathe im Finanzministerium, und den Vorstand der Rechnung« - Commission, Oberfinanzrath ». Wille, zum Mitgliede der Direktion der Hauptstaatskasse zu ernennen.

* Hersfeld, 21. August, Das Geburtsfest Sr. Königlichen Hoheit, unseres erlauchten Landesherr«, wird wohl in keinem Orte des KurstaateS in mit jedem Jahre mehr steigenden Beweisen treuester Anhänglichkeit und Liebe gefeiert, als in Hersfeld.

Am 19. d. Abends 6 Uhr bezeichneten das Geläute der großen Osterglocke und hiernach ein auf dem Thurm der Stadtkirche vorgetragener Choral, während Kanonen- salven inlonirten, später aber eine sehr gut ausgeführte Musik auf dem Marktplätze den Vorabend des von allen treuen Hessen froh begrüßten Festes.

Schon am frühen Morgen des 20., dem eigentlichen Festtage, versammelte das Geläute aller Glocken, dem abermals ein Choral und Kanonendonner folgte, eine zahlreiche und froh bewegte Bevölkerung auf dem Markt­platz. Vor 8 Uhr Morgens versammelten sich die Kinder der städtischen Bürger- und Freischule im großen Saale des Schulhauses. Um 8 Uhr wurden dann im Beisein des Schulvorstandes einige der Bedeutung des Festes entsprechende Lseber gesungen und von dem Recwr der Stadtschule, Herrn Dr. Heuser, eine auf die hohe Geburtsfeier bezügliche Ansprache gehalten.

Gegen 10 Uhr Vormittags begannen bei einem zahlreichen Auditorium die durch ein Programm veröf­fentlichten Feierlichkeiten durch Reden, Gesänge rc. im hiesigen Gymnasium, und der Mittag versammelte in dem recht sinnig ausgeschmückten Vereins-Saale eine große Anzahl hiesiger und auswärtiger StaatSdiener, Bürger, Oekonomen rc. zu einem heiteren Festessen, in dessen Mitte ein dreifaches donnerndes Lebehoch! auf Se. Königl. Hoheit, unter Kanonensalven, ausgebracht wurde. Abends 6 Uhr ertönte nochmals das feierliche Geläute sämmtlicher Glocken; und solenne Bälle im Ver­ein, aus den FelsenkeUern, Kanonendonner auf dem Marktplatze und eine glänzende Illumination schloffen ein Fest, dessen noch recht vieljährige Wiederkehr von je­

dem treuen Hessen heiß ersehnt wird. Gott erhalte Friedrich Wilhelm, unseren erlauchten Landesherr» und Sein erhabenes Geschlecht!

Selbstverleugnung.

Einen Beweis von Liebe und Selbstverleugnung, nach dem wir gewiß bei unsern civilisirten Damen lange suchen müßten, finden wir in dem Tagebuch eines Rei­senden an dem Miami. Er erzählt folgende Geschichte:

Bei meinen Wanderungen an dem waldigen Ufer stieß ich mehrere Male auf einen alten indianischen Greis, welcher wahnsinnig war und mit dem Ausdruck des tiefsten Jammers fein Kind suchte und der Iankee, der mich begleitete, erzählte mir die Ursache seines Wahnsinns.

Ein junger schöner Europäer war bei seinen Sirei- fereien von seinen Gefährten abgekommen, und nachdem er lange umhergcirrt war, erreichte er eine jener Hütten, welche sich hier und da finden, um den Jägern, die zu weit von ihren Ansiedelungen entfernt find, ein Obdach zu bieten. Auch er begrüßte dieses Asyl mit Freuden, genoß Speise und Trank aus seiner Jagdtasche und wollte einige Stunden Ruhe suchen. Doch plötzlich brach eine Horde Indianer aus dem Walde hervor und bezeich­nete ihn durch ihr Kriegsgeschrei als ihren Feind. Ob- schon er gut bewaffnet war, so sah er doch ein, daß er bald der Uebermacht würde weichen müssen, er beschloß jedoch sein Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Er ward daher endlich, nachdem er den Häuptling der­selben getödtet und mehrere verwundet hatte, gebunden und mit fortgeichleppt. Zu seinem Schrecken bemerkte er, daß ihr Weg der untergehenden Sonne nachgivg, er sich also immer mehr von dem Orte entfernte, wo er seine Freunde zurückgelassen hatte, von denen allein er Befreiung erwarten konnte. Endlich am andern Tage, nach einem langen beschwerlichen Marsche erreichten 'sie ein Dorf, welches er sogleich als eine Besitzung der wilden Siour erkannte, welche durch vorausgeschickte Bo­ten, benachrichtigt, ihnen unter Geheul und Klagegeschrei entgegen kamen. Auf einem freien Platze ward Halt gemacht, der Todte und die Verwundeten in ihr Wihg- wams gebracht und das Geschrei, welches sich bei tufqp