Hers seid er Anzeiger.
Nr. 66* Hersfeld/ den 18. August. 1855«
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Geheime Regierungrath von Specht zu Rinteln die erbetene Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner ÄHjcM >K< König von Hannover demselben verliehenen RjtterkreuM Hes Guelphen-OrdenS zu ertheilen.
DaS Muttergottesbild der Marienburg.
Eine historische Erzählung aus dem Jahre 1338.
(Fortsetzung und Schluß.)
Umsonst hatte Gotthilf selbst während dieser anstrengenden Beschäftigung gegen seine heiße hoffnungslose Neigung zu Jutta gesümpft; er fand sie meistens, wenn er spät am Abende heimkehrte, mit der Pflege und Unterhaltung seiner guten Mutter beschäftigt; täglich offenbarte sich ihm ein schöner Zug ihres guten Herzens, entfaltete sich ihm mehr und mehr ihre Liebenswürdigkeit. und entzündete sein Herz in immer stärkerer Glut. Auch das Herz der Jungfrau war gegen oie vielen geistigen und körperlichen Vorzüge ihres Lebensretters und Jugendgespielen nicht unempfindlich geblieben; es glimmte in beiden verborgen der Funken der reinsten Liebe, und es bedurfte nur eines leisen Luithauches, um ihn zur hellen Flamme anzufachen. Dieser Anlaß fand sich bald. Es kam nämlich der bestimmte Bräutigam Jutta's, ein häßlicher roher und wüster Bursche an^ um sich der Auserwähllen vorzustellen und mit den Schwiegerältern den Hochzeitstag zu besprechen. Bei seinem widerlichen Anblicke wurde auch Jutta sich ihrer Gefühle für Gotthilf deutlich bewußt; die allmächtige Liebe besiegte die jungfräuliche Scham, und in einer traulichen Stunde sprach sich erst durch Blicke, dann durch Worte die unbesiegbare Liebe aus, welche beider Herzen beseelte; und die Jungfrau gelobte: lieber das Kloster, als den verhaßten Freier zu wählen.
War Gotthilf nun auch der Liebe seiner Jutta gewiß, so war ihm Entsagung der Geliebten um so schmerzlicher. Dieses ereignete sich am Tage vorher, der zur Enthüllung deS Standbildes bestimmt war. AIs der Künstler nämlich die im Zimmer ausführbaren Arbeiten vollendet batte, war nach seiner Anordnung ein großes Gerüste vor jener Nische errichtet, welche ihn und
sein Werk gänzlich dem Auge jedes Neugierigen entzog, und verdeckte. Da nun alles vollendet war, wie er'S in feinem Geiste erdacht, bestimmte der Hochmeister, daß das Bild am Morgen des Erntefestes enthüllt und geweiht werden sollte. Gotthilf hatte das Gerüste allenthalben durchsägen und Taue umlegen lassen, welche von einer Menge von Arbeitern gehalten wurden, so daß es nur eines Winkes bedurfte, um das Bild auf einmal in seiner ganzen Größe dem Auge des Beschauers darzustellen. Noch war die Sonne nicht aufgegan- gcn, als sich schon eine unzählbare Volksmenge in festlichen Kleidern zur Feier des erhabenen Festes aus der Nähe und Ferne eingefunben hatte. Endlich erhellte die strahlende Flammenkugel der Sonne die Gegend; der feierliche Morgengesang der Ordensbrüder ertönte aus der nahen Kirche, und bald darauf schritt der Meister voran aus dem geöffneten Thore im fürstlichen Schmucke, gefolgt von den Gebtetigern und Brüdern des Ordens. Eine feierliche Stille verbreitete sich über die versammelte Menge; das verabredete Zeichen wurde gegeben, in einem Augenblick schwand das deckende Gerüste; — und die Gottesmutter mit dem Jesuskinde auf dem Arme, und der Lilie, dem Sinnbilde der Unschuld und des Friedens, in der Rechten, stand durch der Sonne Glanz von überirdischen Demantschimmer umwoben, riesengroß und erhaben vor den Blicken der überraschten Menge, die von der Größe und Erhabenheit der Erscheinung wunderbar ergriffen, von dem funkelnden Glanz seiner Farben geblendet, anbetend in den Staub niedersank.
Auch noch jetzt nach Verlauf von mehren Jahrhunderten, nachdem das Gemüth des Christen kälter geworden, nachdem der kindliche Glaube an Wunder und übernatürliche Erscheinungen entschwunden ist, macht das Bild durch seine Größe (es mißt in seiner Höhe 26 Faß, das Jesuskind aber 6 Fuß) und den mannigfachen, lebendigen Farbenschimmer einen großen, schwer zu beschreibenden Eindruck. Wenn eS jetzt, nachdem es mehre Jahrhunderte den Stürmen und den Wettern ausgescßt, also dadurch gewiß viel verloren hat, noch die Phantasie 1° stark erregen kann: wie unbeschreiblich muß damals der Eindruck auf das Gemüth deS katholischen Christen des 14. Jahrhunderts gewesen sein, als es sich in seiner strahlenden Schöne, in ungetrübter Farbenpracht seinen