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Hersfelder Anzeiger.» - '------------------------------------------------------------------------ ...... /

Nr. 64* Hersfeld, den 1L August. 18SS.

Der »Hers selber Sinnet der« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expc. bitten (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei des Postanstalten kommt der übliche VostaufMag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 HM berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

der Hofdame und Gouvernante Fräulein Lücke von Bischofs hausen die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung von ihrer Stelle zu bewilligen,

den mit Bersehung der Stelle eines Hofkiefermeisters beauf­tragten Hofbänderknecht Conrad Zimmermann nunmehr zum Hofkiesermeister zu ernennen.

Das MattergoLtesbilS der Marien-urg.

Eine historische Erzählung aus dem Jahre 1338.

^Fortsetzung.)

4.

Nun, waS sagst Du zu meiner lieben Jutta?" fragte die Mutter, als Gott hilf von der Begleitung des holden Mädchens nach dem Stäbchen zurückkehrte.

«Wohl hast Du, liebe Mutter, eine ihr würdige Benennung gewählt, als Du sie vorhin untn Engel nanntest; sie ist'ö im wahren Sinne des Worts," erwie­derte der feurige Jüngling.

Schade," fuhr die Mutter fort, «daß wir das gute Kind vielleicht bald verlieren werden, denn ihr Vater hat sie dem Sohne eines Handelöfreurdes aus Danzig zugesagt, der sie heimführen soll, sobald er von Bremen zürückkehrt, wo er in einem der ersten Handelshäuser sich zum Handelsherrn bildet. Zwar kennen sich die Beiden noch gar nicht, aber die Väter meinen, das sei Nebensache, da die Beide ein bedeutendes Vermögen einander zubringen. Wenn sie uns verläßt, wird es mir so nahe gehen, als wird mir eim geliebte Tochter entrissen!"

Also Braut!" rief Gotthils, heftig vom Ses­sel aufspringend, auf den er sich eben niedergelassen hatte: indem ihm jetzt erst sein Gefühl für die liebenswürdige Nachbarin klar wurde. Es hatteitn bisher kein Mäd- chen gefeffelt und die lieblichen Freuengestalten, die sei­nem Blicke in der Fremde begegnn, waren wie schöne Gemälde, ohne einen bleibenden Endruck auf sein Herz zu machen, an ihm vorübergegengen. Unentweiht an Geist und Körper war er wieder zur Heimat zurückge­kehrt, obgleich besonders in Italien manche reizende Ver-

sucherin ihm genaht war. Die besorgte Mutter, die keine Ahnung von Dem hatte, was in Gotthilfs In­nern vorging, blickte ihn verwundert an und fragte, ob vielleicht eine Nadel, die im Sessel stecken geblieben wäre, ihn verletzt habe.O nein, liebe Mutter," ver­setzte Gotthils,mir fiel's nur ein, daß es meine dring­endste Pflicht ist, vor allem jetzt zu meinem theuern, vä­terlichen Freunde Hilarius zu eilen, von welchem mich der Besuch unserer holden Nachbarin abgehalten hat. Lebe wohl, mein liebes Mütterchen, bald bin ich wieder bei Dir.» So sprechend drückte er noch einen Kuß auf die Hand und Wange der guten Matrone und eilte dem Ordens schlösse zu.

Stolz erhob sich dasselbe mit seinen hohen Mauern, Zinnen und Thürmen auf einer Anhöhe am Ufer der Nogat und machte auf Jeglichen einen großartigen Ein­druck. Gotthils hemmte unwillkürlich seine Schritte und betrachtete mit Staunen und Bewunderung den Riesenbau, welche die vereinte Kraft von schwachen Menschenhänden geschaffen hatte. Seist der weit Ge­reifte, rer so manches Wunder der Baukunst in deutsche» Lanven und in Italien geschaut, beugte sich bei diesem Anblicke vor der Größe des menschlichen Geistes und vor seiner gewaltigen SchöpfungSkraft. Marienburg wurde aber auch nebst Ofen und Mailand zu den vor­züglichsten Schlössern des ganzen Europa's gerechnet. Während seiner Wanderung in fremden Landen war Dietrich v. Alten bürg, ein ehrwürdiger Greis von bereits 80 Jahren, zum Hochmeister erwählt worden (1335), der bald nach dem Antritte seines Meisterthums begonnen hatte, das Ordensschloß, theils durch Neubau­ten zu verschönen, "theilt besser zu bewehren und zu befestigen. Als Gotthilf vaS Innere des geräumigen Schloßhofes betrat, waren überall geschäftige Hände rege, um den Plan und Willen veS hohen Meisters aus- zuführen. Hier ward Mörtel bereitet, dort wurden Steine zu Ouadern und schlanken Säulen bebauen; und vereint arbeiteten jetzt Maurer, Steinmetzger, Zimmer­leute und andere Meister mit unzählbaren Handlangern an der Erweiterung und Vollendung des Gotteshauses. Endlich gelangte er, durch die Rüstungen des Baues hin und wieder aufgehalten, zu der stillen, entlegenen Zelle seines väterlichen Freundes. Hilarius war da­heim und empfing den theuern Pflegesohn mit wahrer