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Hcröfelder Anzclgcr.

Stp. 60* Hersfeld/ den 28. Juli. L85L.

Der »Hersfelder Anzeiger- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben Lei der Expe- bitten (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnäoigst geruhet:

dem Negierungs-Commiffar für die Grafschaft Schaumburg, Geheime Regierungsrath von Specht, den Kurfürstlichen Wil- hrlmsoroen vierter Classe ;n verleihen,

dem Hauptmann Breit Haupt im Artillerie-Regiment die erbetene Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sei­ner Majestät dem König von Preußen demselben verliehenen Rothen Adler-Ordens 4ter Klasse zn ertheilen.

Eine ostpreußische Ruine.

Novelle von Friedrich Balte.

(Schluß.)

Nächtlich war ich in dem Zimmer der Novize, in demselben rothen Gemach, das Sie kennen. Niemand, außer uns, hat je unser Geheimniß gekannt, aber Gott im Himmel hat den Frevel fürchterlich bestraft. Liska Hat wohl viel ertragen und ich habe ein Leben voll Neue und Buße burchlüten; aber ich weiß nicht, wie das Ge­richt des gerechten Goltcö über uns sein wird.

Sie wissen, rer Sieg war in dem ersten großen Treffen dieses Winlerfeldzuges zweifelhaft geblieben; aber als die Truppen der Gegner sich vier Monate später wieder zu blutiger Schlacht trafen, war Anfangs die französische Armee im Nachtheil und die Russen konnten die rechte Flanke derselben überflügeln, und während ein Korps unser Schloß, den Mittelpunkt der Kämpfer auf dieser Seite, von vorn berannte, durchbrach unvermuthet ein zweiter Heerestheil unsere festen Linien von der an­dern Seite und stürmte von dort.

Unsere Besatzung besinne im Ganzen nur aus ei­nigen hunvert Mann; zur Vertheidigung gewisser Seiten- werke waren die Tausende nach anderen Richtungen diri- girt, die unsere Soulien bilden sollten. Wir hätten auf dem Berge selbst nur wenig kleine Kanonen und es galt, unser Ahnenschloß mit dem Säbel in der Faust, Mann gegen Mann zu vertheidigen. Mein Vater und die Po­len, die mit uns waren, mußten fürchten, wenn sie in russische Hände fielen, als Ueberläufer behandelt zu wer­den und zogen den Tod der Schmach vor.

«Es war nicht einmal Zeit gewesen, die Frauen

aus der Burg zu retten, und meine Mutter stand hinter uns im Kugelregen und lud unsere Büchsen. Die Nonnr erwartete unsern Triumph, oder die Barmherzigkeit den Sieger in ihren Gemächern im Souterrain.

Der Kampf war fürchterlich, die Russen schössen unter uns die Mauern weg, auf denen wir standen; mein Vater fiel an meiner Seite und meine Mutter fiel tobt auf seine Leiche. Der Ausgang war bald ent­schieden. Von der Seeseite drangen die ersten Feinde ins Schloß, ich machte ihnen mit den letzten unserer Ge­treuen noch jeden Fußbreit streitig; aber in einen Hof gedrängt wurden wir niedergemetzelt. Ich blutete aus vielen Wunden und sank endlich von einem Säbelhieb getroffen nieder.

Drei Wochen lang lag ich in einem fränzöfischee Lazareth ohne Besinnung; als ich wieder zu mir gekom­men war, erfuhr ich die fürchterlichen Folgen des Kampfes um das Nestrizer-Schloß. Das französische Regiment zum Entsatz der Belagerten war zu spät gekommen, die Feinde hatten Zeit gehabt, Mann für Mann des Restes der Besatzung niederzubauen, mein Onkel war auch ge­fallen, selbst die Frauen hatten sie nicht geschont, jedes Gemach geplündert, die Gebäude angezündet.

Ich wankte wieder hergestellt, zu dem Kirchhof, der setzt die Leichen aller meiner Verwandten, selbst ter al- ten Aeblissin, barg. Liska's Körper hatte man nicht in den rauchenden Schutthaufen aufgefunden, aber man hielt sie für todt, und, obwohl ich die Geliebte vergebens ringsum suchte, beweinte ich sie mit meinen andern Theu» ren als tobt, da sie Niemand gesehen unv nirgends eine Spur von ihr aufzufinden war.

Das Gericht Gottes war zu deutlich, als daß ich es verblendet verkennen konnte. Ich barg meinen Schmerz und meine Reue viele Jahre in einem Kloster, bis mich der Auftrag meiner geistlichen Obern an die Stelle setzte, die ich bald nicht mehr bekleiden werde.

Ueber Liska's fernere Schicksale, die der Himmel in dem Gemach, das der allgemeinen Zerstörung entgan­gen ist, noch zu langer Reue aufgespart hatte, habe ich nichts mehr erfahren können, als was Sie, junger Freund, mir aus Ihrem Munde mittheilten, und noch, was mir Anka von ihrer Buße im rothen Saale sagen konnte. Sie muß mich später gesehen und wieder er­kannt haben. Ach, wir haben einen Sohn gehabt, und