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Hcrsfcldcr Anzeiger.

Mp» SS. Hersfeld, den 25. Juli. L8S5.

Der »Hersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expc- i tion (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen Her Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Hllr. berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnävigst geruhet:

den Oberfinanzrath Bechtel, Referenten in der Abtheilung des Finanz-Ministeriums für die Domänen,

den Oberfinanzrath Carvacchi, Bevollmächtigten bei der Königlich Preußischen Steuer-Direction zu Münster, und,

den Oberfinanzrath, Freiherr« von H an st c in-Kno rr, Re­ferenten in der Abtheilung des Jinanz-Mlnisteriums für die di­rekten Steuern, zu Geheime Oberstnanzräthen zu ernennen, auch

dem vom Erdlandpostmeister, dem Herr^ Fürsten von Thurn und Taxis zum Postfecreta-r bei dem Oberpostamte zn Lasset in Vorschlag gebrachten Oberpostamts-Assistenten B ode die aller- höchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

Eine oftpreußische Ruine.

Novelle von Friedrich Balte,

(Fortsetzung.)

Karl hatte keine Ahnung von dem Unheil, das sich über sein Haupt entladen sollte und wurde am folgen­den Morgen durch den Postboten in seinen trüben Me­ditationen unterbrochen, der ihm einen dicken Brief brächte. Er fand rann von einem Amlsgenvfsen des alten Prob- stes in K* die Nachricht von dessen Tove. Er sei an einem Morgen der letzten Tage nach kurzem Kranken­lager verschieden. Durch ein Testament habe er den Schreiber zum Vormund der jungen Verwandten, die sich in seinem Hause befinde, eingesetzt, und angeordnet, daß das inliegende versiegelte Päckchen Papiere an Karl befördert werde. Er war von der Hand des verstorbe­nen an ihn addressirt, er öffnete und las:

Junger Freund,

Durch die Fügungen des allmächtigen Gottes sind Sie mit dem Geschicke mir theurer Personen von Jugend auf verknüpft und Sie haben diesen, wie ich von meiner lieber Anka erfahren habe, Jahre hindurch so nahe ge­standen, denselben so pft Hülfe geleistet, und sind ihnen r theuer gewesen und mir selbst in der kurzen Zeit uu- ferer.Bekanntschaft so werth geworden, daß ich es für meine Pflicht halte, Sie mit den SchicksalstaUen ver­traut zu machen, die Ihre Bekanntschaft und Theilnahme an dielen meinen Verwandten ermöglichten, die Liska

und mich zu einem Leben voll Neue und Buße ver­dammt haben.

Sie werden diese Zeilen erst nach meinem nahen Tode erhalten; beurtheilen Sie, wenn Sie sie lesen, den armen Kasimir nicht zu hart.

Das schloß Nestriz, dessen Ruinen nur noch bei dem Städtchen sich erheben, war seit dem Ende der Or­densherrschaft in dieser Gegend der Sitz meiner Familie, und meinen Ahnen gehörte der Distrikt rings herum, der heute noch im Volk die Grafschaft genannt wird.

Mein Vater, einer der letzten großen, polnischen Magnaten, hatte Theil genommen an den Feldzügen und an den langwierigen politischen Kämpfen, die der ersten Theilung unseres Vaterlandes voraufgegangen sind; als unsere Güter mit dem Königreiche Preußen vereinigt wurden, verließ er Nestriz und zog auf eine Besitzung in dem damals nach polnischen Litthauen, indem er das Schloß und die Verwaltung der Grafschaft einem jünge­ren Bruder überließ. Von hier aus wirkte er weiter, bald als Feldherr, bald als Diplomat für die Selbst? ständigkeit seines Vaterlandes und, nachdem auch der letzte Rest derselben durch die Schlacht bei Seekoczyir verloren war, zog er ein freiwilliges Eril in der Schweiz dem Aufenthalt tn Preußen oder Rußland vor. *

Als der große Napoleon das revolutionäre Frank­reich an seinen Siegeöwagen gefesselt hatte, bildete mein Vater mit einer Anzahl anderer Patrioten eine polnische Legwn; ich selbst war schon alt genug, um in dieselbe als Offizier eingereiht zu werden und wir folgten ihm in den Feldzug von 1806 gegen die coaliirten Mächte.

Der Kaiser hatte uns die Wieveraufrichtung des alten polnischen Reiches versprochen und, da fein'Sie# gesavler nach jenen beiden denkwürdigen Schlachten sei­nen stolzen Flug bis an den Pregel genommen, zogen wir, wie in Triumph, in unser wiedererobertes Stamm­schloß- Fest Wlg'e auf Fest, Bankett auf Bankett, und der alte Glanz von Nestriz leuchtete wieder weithin

Da zog Rußland seinen besiegten Nachbarn zu Hülfe, und der Kampf, den man früh beendet glaubte mußte wieder ausgenommen werden. Unser Schloß ei­nes der wichtigsten militärischen Punkte deS flachen Preu­ßen, wurde Hauptquartier jenes französischen Marschalls der seinen Namen in die Geschichtschfeln Deutschlands mit Blut eingczeichnet hat, damals Kommandeur des rechten Flügels der Armee.