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habe die außer mit Eurem Sohn eine Liebschft? Ich dachte in meinem Hause ist von andern Freiern nichts zu sehen,"

„Ach," seufzte die gute Frau noch einmal, „Gott bewahre, daß ich Uebels von ver guten Eveline glauben sollte; aber unser Karl ist auch nicht ohne Grund gegen Ihre Tochter kalt geworben. Das Mädchen beträgt sich gegen ihn nicht recht, unv Sie müssen ja selbst wissen, was die Leute sprechen."

„Ich muß wissen, was die Leute sprechen?" fiel ihr der kleine Mann staunend ins Wort. Was sollen die Leute anders, als Gutes über mein Kind sprechen?"

„Ach freilich," entgegnete die Dame, „es ist glück­licherweise wohl kein Grund da, anders zu sagen;"abcr der Neid ist arg in der Welt und die Verleumdung in Nestriz schlimm genug, um der armen Eveline nachzu- sagen, — ach, Nachbar," brach sie ab, „wir wollen uns nicht an das kehren, was schlechte Menschen herumreven, die nichts zu thun haben, als Lügen zu erfinden. Ich führte es nur an, weil unser Karl leider darauf zu hö­ren scheint."

„Wer wagt," brauste der Apother auf, „mein Kind zu verleumden? Sagen Sie mir Alles, ich werde der Sache aus den Grund zu kommen wissen!"

„Nun, wenn Sie es durchaus hören wollen," be­gann die Frau wieder, „muß ich es Ihnen wohl erzäh­len : denken Die, Bester, man geht so weit zu behaupten, — ach, Sie wissen, welch schlechter Mensch er ist — daß der junge Doktor an die gute Eveline schreibt."

„Ha, ha," lachte ihr Nachbar, „der wird wohl nicht wagen, mein Kind zu belästigen."

«Ja wohl," sagte Karl's Mutter, „ich glaube es auch nicht; und wenn er es getban hat, sagt das Mäd­chen wohl nur deshalb nichts davon, um Ihnen Aerger zu ersparen. Sie ist ja ein so gutherziges Wesen. Als kluger Mann werden Sie wohl wissen, was zu thun ist. Wundern Sie sich aber nicht über Karl, Sie sehen selbst, wie betrübt er ist."

Der Apotheker dachte nach dieser Unterredung lange nach über das, was er erfahren, und kam endlich zum Schluß, der Doktor könnte vielleicht noch mehr Schlech­tigkeit besitzen als schon dazu gehört, Bauerbursche, faule Jäger mit ausgestopsten Hasen betrügen zu lassen und Leute auf Maskenbällen zu insultiren, und doch wirklich versucht haben, ihn noch mehr zu kränken, indem er seine Tochter — der Vater wollte die bodenlose Schlech­tigkeit sich gur nicht selbst vorstellen — genug er be­schloß zu requirien.

Nun ist er aber ein sehr guter Vater und er mochte daher sein Kind nicht betrüben, indem er ihm mißtrauisch die Schlüssel zu seinen Schränken abforderic, er brauchte lieber, als Eveline Abends wieder im Garten war, den Hauptschlüssel, den er vorsichtig für die Schlösser in sei­nem Hause reservirt hatte.

Er öffnete die verschlossenen Möbel und erschrack heftig, als er in einer Kommode, doch noch neue Beweise

der Verfolgungssucht seines Feindes, des Arztes, fand; wirklich lagen in einem Putzkästchen sorgsam mit einem rothen Bündchen umwickelt, ein halbes Dutzend Brief- chen von der bekannten Hand desselben; und noch dazu fast frische Vergißmeinnicht und jenes Ringlein, »aS er am BaUabend an Evelinen's Hand gesehen hatte; und drinn stand deutlich: ALBERT, und der Dockter heißt Albert.

Wüthend stürmte der Apotheker zu seiner Tochter in den Garten herunter, und dort o neuer Schreck, fand er gar das Mädchen in der Geisblattlaube im Arme seines verhaßten Feindes! Das war zu viel für den armen Vater. Thränen brachen auö seinen Augen, da er sich so von seiner Tochter getäuscht sah.

Jetzt folgte eine Szene der Wuth und der Thrä­nen, der Betheurungen und Enthüllungen, wie je eine in einem Roman gespielt hat. Nach fünf Minuten hatte Evelinen's Vater noch Entsetzlicheres erfahren, als er bisher wußte: Karl war der Verruchte gewesen, der ihn auf dem Maskenball im gelben Kaftan so grausam ver­höhnt. Jetzt war Karl der Feind, den er zu bekämpfen hatte. Heute war es schon zu spät, die neue Schlacht zu beginnen, aber morgen wollte er ihn durch seinen Zorn vernichten. Die weinende Eveliner,verwies er auf ihr Zimmer und der Arzt mußte den Weg über die Hecke zurückmachen. (Fortsetzung folgt.)

Das Gewitter.

Alles still; '

Kein Laub, kein Lüftchen rauschet, Todt scheint die Natur. — Warum dies bange Schweigen, grün umkränzte Flur, Warum ihr goldnen Aehren, die ihr jüngst Stolz eure Kronen in den Aether tauchtet, Warum neigt ihr schwermüthig euer Haupt? Was hemmt den Flug des krafibewußten Aars; Er, der sich jüngst zur Sonne aufgeschwungen, Sucht zitternd jetzt sein sichres Felsennest. — Ja die Natur, die herrliche, Dein Werk, Sie beugt sich zitternd, bange lauschend, vor Dir, Weltregierer! Vater!

Wenn Du auf Sturmes Fittichen daherschwebst, In des Donners Rollen, Wenn Du Gerechter zürnest, strafend nah'st, So deben selbst die Säulen des Planeten Und in den Staub vor Dir sink' ich, — Gewaltiger! Schwarz umwölkt sich der Himmel immer dunkler wird's Und sie die Sonne, die vor Minuten majestätisch prangte, Hüllt sich in Schleier, und verbirgt sich Vor des Urquells Größe.

Da rauschet durch der Bäume grüne Kronen Ein Windstoß, wieder einer, und schwere Tropfen fallen Erst spärlich, immer dichter dann zur Erde.

Da sprengen sie, die Schrecklichen, die Fesseln: