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Hers selber Anzeiger.

Rv. 51* Hersfeld, den 27. Juni. 18LS>

^^ Beskellungen auf denHersfel-er Mnzeiger" für -as mit dem L Zuli beginnende dritte Quartal können jetzt fchon bei allen Mofk- ftellen gemacht werden. Neu hinzutretende Rvonneuteu erhalten die Nummern des laufenden Monats vom Eage -er Bestellung an umsonst.

Eine ostpreußische Ruine.

Novelle von Friedrich Balte.

(Fortsetzung.)

Ich verschwieg Diese Entdeckung meinen Aeltern, die an Die Wahrheit meines Abenteuers nicht glauben wollten und mich noch mehr verlacht hätten und meine Gespielen, Die mich schon wegen meines gespenstigen Umgangs mit sonverbaren Augen ansahn und von denen ich fürchten mußte, wann sie mehr erführen, gemieden zu werden.

Meine junge Phantasie war durch das gebeimniß- volle Ereigniß so sehr erregt, daß ich mich bald an den Gedanken des Umgangs mit Geistern sind Gespenstern gewohnte, um so leichter, da Die Probe für mich weiter nicht unangenehme Folgen gehabt chatte. Ich rangirte jenes kleine Beltelkind ohne Weiteres, besonders da seine Geschicklichkeit und Behendigkeit im Klettern und Sprin­gen ganz dazu paßte, unter Die Wichtelmännchen oder die Kobolde und vermuthete bald in Der allen Büßerin meine Hülfreiche spukende Nonne.

Als ich diese Gespenster nun wieder ein Mal am Hellen,Zichten Tage in der Nähe des alten Klosters, un­serer Schule, ruhig botanisiern traf, versuchte ich mich dem Kobold in Beltclmäcchen Gestalt zu nähern, lockte ihn durch eine Brobspende an mich und bewunderte staunend, wie seine Form, Glieder und Farbe meinem menschlichen Körper so geschickt und täuschend nachgebil­det seien.

Die Greisin' beachtete uns bei ihrer Arbeit nicht weiter und ich fing bald eine Art von Unterhaltung und nach' einigen Tagen einen regelmäßigen Verkehr mit dem Kinde an; doch konnten wir uns beide anfangs nur über die leichtbegreifbarsten und naheliegendsten Dinge ver­ständigen, da ich nur wenig von ihrem Polnisch unD sie gar nichts von meinem Deutsch verstand.

Wir trafen uns fast täglich hinter den Gärten am Kloster, oder am See, ich theilte dem Märchen von mei­nen Butterbroden oder meinem Obst mit, sie zeigte mir Pflanzen, die ich suchen helfen sollte, holte mir von

Baum und Busch Vogelnester, die ich selbst viel zu un­geschickt zu finden oder gar herunterzuholen war, wir lie­fen und sprangen zusammen und ich fand viel Gefallen an einer so muntern und gefälligen Gefährtin.

Die Alte litt mich ruhig um sich und machte gar ein freundlich Gesicht, wenn ich ihr ein Päckchen Salbn oder Gundermann reichte. Doch sprach sie in der ersten Zeit unserer Bekanntschaft nie ein Wort zu mir.

Eines Sonntags wagte ich der alten Büßerin vor der Kirche eine Kupfermünze, Die ich zur Spende erhal­ten hatte, als Almosen hinzureichen; sie nahm sie mir aus der Hand, sah mich stolz und strafend an und legte sie einer Bettlerin in den Schoß.

Als es Winter wurde, hörten unsere Zusammen­künfte von selbst auf; meiner Mutter hatte ich von der neugeschlossenen Freundschaft erzählt, die sich in solchem Umgänge nichts für mich gefährliches und, Da sie von dem Apotheker erfahren hatte, daß Der Sommerverdienst Der alten Frau schwerlich hinreichend sein würde, sie auch den strengen Winter hmdurch zu ernähren, sendete sie mich an dieselbe ab, um ihr anzubiclen für uns gegen den üblichen Lohn Leinengarn zu spinnen.

Der Alten kam der Antrag sicher angenehm, denn sie folgte mir sogleich zu meiner Mutter, dankte ihr dafür höflich, aber ernst und entfernte sich, nachdem sie den nöthigen Flachs erhalten, schnell ohne weiter den Dienst­boten zu antworten, die neugierig mit der tollen Liöka ein Gespräch anfangen wollten.

Nun kam ich oft in die kleine Wohnung meiner Gespielin und ihrer alten Ernährerin; ich trug balo Flachs hin, bald holte ich Garn, bald überbrachte ich Den Spinnlohn, immer aber blieb ich einige Zeit dort. Die Alte wurde mit Der Zeit freundlicher gegen mich, nahm mich wohl bei der Hand, oder strich mir das Haar aus dem Gesicht und ermunterte mich und Anka, so nannte sie ihr kleines Mädchen beim Spiel. Ich lernte mit der Zeit von ihnen fertig Polnisch sprechen, denn sie verstanden Beide nicht deutsch. Während des folgenden Sommers gingen sie wieder Kräuter suchen; ich ging dann mit ihnen; sie zeigten und benannten mir die nütz-