Sersfelder Anzeiger.
Nr. 49+
Hersfeld, den 20. Juni.
1855.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnävigst geruhet:
die dem Artillerie-Regiment aggregirten Secondlieutenants: v. Gironcourt, Normann, Sollet, Lentz und Engel- hard zu wirklichen Artillerie-Offizieren zu ernennen.
Mnsfchreiben -es Ministeriums -es Innern, vom 18ien Juni 1855, die Einberufung der Landstände betreffend.
Nachdem Seine Königliche Hoheit der Kurfürst die Einberufung der Landstände auf den 30. v. M. aller- gnädigst verordnet haben, so wird solches hierdurch bekannt gemacht und ergeht an alle zur Theilnahme an dieser Ständeversammlung Berechtigte die Aufforderung, an dem genannten Tage dahier einzutreffen und übrigens sich der Geschäftsordnung für die Landstände gemäß zu verhalten.
Kaffel, am 18. Juni 1855.
Kurfürst!. Ministerium des Innern.
H a s s e n p s l li g.
vt. Beckmann.
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Eine oftpreußische Ruine.
Novelle von Friedrich Balte.
(Fortsetzung)
Karl, so wollen wir den Fremden nennen, übersah diese einfache, aber behagliche Einrichtung mit einem Blick und sie machte auf ihn offenbar einen freundlichen Eindruck, er wendete sich dann an den Hausherrn und stellte sich ihm als den Sohn eines angesehenen Bewohners des nächstgelegenen Städtchens vor und fuhr fort, als dränge es ihn zu weiteren Mittheilungen:
»Sie werden sich wundern, Herr Probst, daß ich
mir eine solche Frage erlaube, aber der Auftrag einer Sterbenden ist mir heilig, und ich mag Ihnen gegenüber nicht Umschweife machen, oder auf ungeradem Wege zu erfahren versuchen, was ich wissen muß, haben Sie stets Ihren jetzigen Namen geführt?"
Der Greis sah den Jüngling einen Augenblick staunend an, als wolle er in seinem Gesicht den Grund dieser beim ersten Zusammentreffen zweier Menschen in ihren Verhältnissen so sonderbaren Frage lesen, legte dann die Hand auf seine Brust, wie wenn er einen plötzlichen Schmerz beschwichtigen wollte und antwortete mit leiser Stimme, indem er die Augen niederschlug: „Ich weiß noch nicht, junger Mann, was Sie zu einer solchen Frage berechtigt, aber es ist nicht meine Sache zu leugnen, was war, — ich hieß früher anders."
Karl schien diese Antwort erwartet zu haben und sagte fragend: „Dembowicz?"
Der Greis seufzte tief, nickte bejahend mit dem Kopf und sah dann seinen Gast erwartungsvoll an.
Dieser zog aus seiner Tasche ein kleines Päckchen, enthüllte es und reichte dem Priester ein etwa fingerlanges,, goldenes Kreuzifir, reich und geschmackvoll mit Edelsteinen besetzt, indem er sagte:
„Ich bin beauftragt, Ihnen dies zu übergeben."
Als Dembowicz das Kreuz erblickte, entfuhr ihm ein Schrei der Ueberraschung, er ergriff es, drückte es, wie mit Inbrunst, an seine Lippen, und küßte es wiederholt, ihm stürzten Thränen aus den Augen und mit den G.- berden des lebhaftesten Schmerzes ruf er:
„O Gott! o Gott!"
Nach einigen Augenblicken schien er sich wieder zu sammeln, er faltete die Hände zum Gebet und erhob die nassen Augen zum Himmel. Dann ruhiger, faßte er die Hand seines Gastes, leitete diesen zu einem Sitz und nachdem er sich selbst neben ihm niedergelassen, sagte er mit unsicherer Stimme:
„Ach, mein Herr, wundern Sie sich nicht über den Schmerz elnes schwachen Greises; das heilige Zeichen, das Sie mir übergeben haben, ruft mir Zeiten zurück, «n die ich in diesem Leben nicht mehr fürchtete. n n.