Hers selb er Anzeiger.
sr*. 48.
Hersfeld/ den 16. Juni.
4855.
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Seine Königliche Hoheit bei Kurfürst haben ellergnädigst geruhet:
dem Lehrer Saffian zu Hanau das silberne Verdienstkreuz zu verleihen,
den vertragenden Rath im Finanzministerium, Oberfinanzrath du FaiS, in den Ruhestand zu versetzen,
den Rechtspraeticanten Gustav Wilhelm Zimmer m an n, dermalen in Rotenburg zum Unter-Slaats-Procurator daselbst provisorisch zu bestellen,
dem Pfarrer Christian Konrad Fröhlich zu Mengsberg die erledigte 1 Pfarrerstelle zu Neukirchen und das damit verbundene Metropolitan«! der Classe Neukirchen zu übertragen,
den zu der erledigten 2. Pfarrerstelle zu Neukirchen prä. senilsten Candidaten der Theologie Friedrich Heinrich Wilhelm Siebert aus Treysa zu bestätigen, sowie denselben zum Pfarrer zu Riebelsdors und Rückershausen zu bestellen,
dem Candidaten des Predigamtes Martin Ro sensto ck aus Obersuhl die 2. reformirte Pfarrerstelle nebst dem damit verbundenen Rektorat in Frankenberg zu übertragen,
den Regierungsrath Ferdinand König in Hanau, zugleich zum Mit. lied des dasigen Konsistoriums zu ernennen,
den bisherigen 2ten Repetenten an der Stipendiatenanstalt zu Marburg Lic. theol. Wilhelm Mangold zum ersten Repetenten an der gedachten Anstalt, und
den Thierarzt Itcr Classe Conrad Demme in Witzenhau- sen zum Kreisthierarzt deS Kreises Gelnhausen
diesen provisorisch
zu bestellen.
Eine oftpreußische Ruine.
Novelle von Friedrich Balte.
An dem Morgen eines heitern Herbsttages deS Jahres 184* sah man einen jungen Mann, modisch gekleidet, allein in einem leichten, einspännigen Rnsewagcn durch das Dorf K" im abgelegensten Theil des polnischen Ostpreußen, wo die Grenzen des allen Polen, Preußens und Litthauen zusammenstoßen, fahren.
Das Dorf K* ist reinlicher und bester gebaut, als eS die Ortschaften in dieser Gegend zu fein pflegen, seine braunen, strohgedeckten Hüllen liegen in kleinen Gärtchen mit zierlich roth und blau getünchten Umzäun
ungen, voller niedriger Fruchtbäume und bunter Blumen und die uralten Laubbäume zu beiden Seiten der Straße, die jetzt im schönsten Herbstschmuck prangten, haben vielleicht schon dem Walde angehört, der hier vor Gründung des Dorfs in fernen Jahrhunderten sein grünes Dach wölbte-
Ein kleiner Bach plätschert neben der Straße, sein Wasser wird in einem klaren Teich gesammelt und treibt eine alte, weißbestäubte Mühle hinter den Gebäuden des Dorfes, deren Helles Geklapper, in dem windstillen, sonnigen Herbstmorgen weithin tönte, während von den gelben Fluren, die man hin und wieder durch die Lücken zwischen den Gehöften erblickte, die frohen, aber eintönigen Gesänge der Landleute erschallen, die mit der Vollendung ihrer Erndarbeiten beschäftigt waren. Oefter traten aus den Hütten, neugierig nach dem fremden Fuhrwerk schauend, ein paar Dorfbewohner; die Männer zeigten schlanke höhere Gestalten, mit langen, blonden Haaren, in blaue Kaftane gekleidet und mit großen, schwarzen Hüten bedeckt, die Weiber dagegen waren klein und hatten breite Taillen, trugen faltige, rothe Röcke und weiße, bauschige Halskragen.
Kinder tummelten sich ringsumher und trieben blök- kende Heerden zusammen, so, baß die reizende Landschaft auf die mannichfachste Weise belebt war.
Der Fremde mochte etwa eine Viertel «stunde durch das Dorf gefahren sei, da verbreiterte sich plötzlich vor ihm die Dorfstraße, und der so gebildete Anger war von Kastanienbäumen, deren rothes und gelbes Laub eine zierliche Decke über den Boden gebreitet hatte, beschattet. Durch die Bäume erschien jetzt rechts und links tue Straße, die Kirche unv das Pfarrhaus.
Die Kirche ist groß, mit zierlich schlanken Thurm, grau, von Holz erbaut und mit moosbewachsenen Schindeln gedeckt. Sie steht auf einem Hügel und der nächste Platz um sie ist als Friedhof benutzt, wie die kleinen roth- und blaubemalien Knuze und Denktafeln zeigen. Das Pfarrhaus auf der linken Seite ist ein langes, einstöckiges Gebäude, ebenfalls von Holz gebaut vnD mit Stroh gedeckt. Die graue Farbe der Wände und die bluwm